Frühjahr 1997: Die BRAVO lag aufgeschlagen neben dem Fernseher, im CD-Regal standen die neuesten Boyband-Singles, und jedes Interview mit Caught in the Act besaß ungefähr dieselbe Dringlichkeit wie heute eine wichtige Behördenfrist. In dieser Zeit startete MTV In Touch, eine der wenigen deutschsprachigen MTV-Sendungen, mit denen der internationale Musiksender dem übermächtigen Konkurrenten VIVA etwas entgegensetzen wollte.
Für eine der ersten Ausgaben hatte Moderator Holger Speckhahn genau die richtigen Gäste auf dem Sofa: Lee Baxter, Benjamin Boyce, Bastiaan Ragas und Eloy de Jong. Caught in the Act war 1997 längst keine Band mehr, die um erste Aufmerksamkeit kämpfen musste. Goldene und Platin-Schallplatten, wartende Fans und die Arbeit an einem neuen Album gehörten inzwischen zu ihrem Alltag. Trotzdem wirkte das Gespräch bei MTV In Touch angenehm locker, beinahe so, als dürften wir für ein paar Minuten bei einer Unterhaltung mit vier alten Bekannten zuhören.
Die Fragen führten von den ersten Auszeichnungen über den langen Weg zum Erfolg bis zu Liebe, Pferden und einem Album, das Benjamin auf seine ganz eigene Weise mit einer Freundin verglich. Gerade diese Mischung macht das Interview bis heute so sehenswert. Zwischen professionellen Antworten blitzten spontane Reaktionen auf, und hinter dem perfekt gepflegten Boyband-Image wurden vier junge Männer sichtbar, die ihren Erfolg noch immer mit einer gewissen Verwunderung betrachteten.
Wer CITA damals liebte, erinnert sich an das Gefühl: Jeder neue Fernsehauftritt versprach ein Detail, das noch nicht in einem Freundschaftsbuch, Fanclubbrief oder Zeitschriftenausschnitt stand. MTV In Touch 1997 lieferte davon reichlich und wurde damit zu einer kleinen Zeitkapsel aus der Phase, in der Caught in the Act ganz oben angekommen war, aber noch genau wusste, wie lang der Weg dorthin gewesen war.
Gold und Platin für einen wahr gewordenen Traum
Holger Speckhahn fragte die Band, wie es sich anfühle, während einer Show plötzlich eine Goldene und anschließend sogar eine Platin-Schallplatte überreicht zu bekommen. Lee beschrieb den Moment als völlig unerwartet und sehr schön. Benjamin erinnerte daran, dass ihnen vorher gesagt worden sei, die erste Goldene Platte bleibe immer etwas Besonderes. Nun konnten sie bestätigen, dass an diesem Satz tatsächlich etwas dran war.
Für Bastiaan ging mit der Auszeichnung ein Jugendtraum in Erfüllung. Als Teenager hatte er über Elvis Presley gelesen und Bilder gesehen, auf denen der Sänger seine vielen Schallplatten betrachtete. Nun stand Bastiaan selbst vor einer eigenen Auszeichnung. Aus einem Jungen mit großen musikalischen Vorstellungen war ein erfolgreicher Popstar geworden, dessen Platten in Tausenden Jugendzimmern lagen.
Bei MTV In Touch klang dieser Rückblick nicht überheblich, sondern fast ungläubig. Die Band war an einem Punkt angekommen, den sich ihre Mitglieder früher höchstens ausgemalt hatten. Gold und Platin waren sichtbare Beweise dafür, dass all die kleinen Auftritte, Trainingsstunden und anfangs erfolglosen Veröffentlichungen nicht vergeblich gewesen waren.
Für die Fans hatten diese Auszeichnungen ebenfalls eine persönliche Bedeutung. Wer Singles kaufte, Songs im Radio wünschte und bei Konzerten mitsang, fühlte sich als Teil des Erfolgs. Natürlich hing die Platte später bei CITA, aber emotional gehörte ein winziges Stück davon auch den Menschen, die ihr Taschengeld im Plattenladen gelassen und anschließend sehr gewissenhaft den Kassenbon aufbewahrt hatten.
MTV In Touch 1997 hielt damit einen Moment fest, in dem Erfolg noch frisch genug war, um die vier sichtbar zu berühren. Die Auszeichnungen waren kein selbstverständlicher Teil einer langen Karriere, sondern erfüllte Träume. Genau deshalb wirken ihre Antworten auch heute noch warm und ehrlich.
Zwei lange Jahre bis zum ersten großen Hit
Von außen sah die Karriere von Caught in the Act beinahe wie ein Erfolg über Nacht aus. Ein Auftritt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, eine Single, immer mehr Fernsehtermine – und plötzlich waren Bastiaan, Lee, Eloy und Benjamin überall. Im Interview korrigierte Benjamin diesen Eindruck. Bis zum ersten großen Hit seien zwei Jahre vergangen, und diese Zeit habe sich für die Band sehr lang angefühlt.
Zwei Jahre klingen im Rückblick überschaubar. Für junge Künstler, die täglich trainieren, kleine Bühnen bespielen und auf den Durchbruch hoffen, können sie jedoch eine Ewigkeit sein. Vor Deutschland lagen erfolglose Singles in Holland, Auftritte vor wenig Publikum und viele Termine, bei denen keineswegs feststand, dass am Ende eine europaweit bekannte Boyband entstehen würde.
MTV In Touch fragte auch nach dem Geheimnis erfolgreicher Songs. Wusste die Band bereits im Studio, ob ein Titel zum Hit werden würde? Lee antwortete erfreulich ehrlich: Eigentlich wisse man es nicht, man hoffe einfach. Diese Unsicherheit blieb selbst dann bestehen, als CITA bereits mehrere Erfolge vorweisen konnte. Erfahrung konnte die Chancen verbessern, aber keine Garantie liefern.
Gerade diese Antwort macht das Interview sympathisch. Caught in the Act präsentierte sich nicht als Gruppe mit einem magischen Rezept, sondern als Band, die arbeitete, auswählte und anschließend auf die Reaktion des Publikums wartete. Jeder neue Song bedeutete trotz aller bisherigen Auszeichnungen wieder ein kleines Risiko. Würden die Fans ihn lieben? Würde das Radio ihn spielen? Würde der Refrain nach einem Hördurchgang im Kopf bleiben oder höflich wieder verschwinden?
Als der Moderator von Fans berichtete, die vor dem Studio warteten, reagierte Lee mit sichtbarer Freude. Die Band wisse diese Unterstützung zu schätzen, sagte er. Bei MTV In Touch 1997 war das keine belanglose Höflichkeitsformel. Die vier wussten aus ihren Anfangsjahren, wie sich Auftritte ohne großes Publikum anfühlten. Wartende Fans waren deshalb nicht bloß Kulisse, sondern ein täglicher Beweis dafür, wie grundlegend sich ihr Leben verändert hatte.
Liebe, Pferde und Benjamins kleine Ergänzung
Der wohl charmanteste Moment des Interviews entstand durch eine scheinbar einfache Frage: Was ging den vier gerade durch den Kopf? Eloy antwortete, in seinem Kopf sei Liebe, denn Liebe sei ganz besonders wichtig. Das passte so gut zu seinem sanften, nachdenklichen Image, dass vermutlich irgendwo vor einem Fernseher mehrere Herzen gleichzeitig einen kleinen Sprung machten.
Dann brachte Eloy Pferde ins Gespräch. Er liebe Pferde, erklärte er, bevor er seine Antwort auf viele Dinge erweiterte, die ein Mensch lieben könne. Der Gedankengang war ein wenig verträumt, vollkommen spontan und gerade deshalb unvergesslich. In einem straff geplanten Popinterview darf eine Antwort ruhig einmal von der großen Liebe über Pferde zu einer allgemeinen Betrachtung des Lebens wandern.
Natürlich wurde bei MTV In Touch auch nach Frauen gefragt. Benjamin kommentierte mit einem Augenzwinkern, sie spielten von Zeit zu Zeit ein bisschen eine Rolle. Mehr musste er gar nicht sagen. Das Boyband-Geschäft lebte schließlich davon, romantische Verfügbarkeit anzudeuten, ohne zu konkret zu werden. Ein Lächeln und eine kleine Pause boten genügend Stoff für Diskussionen auf dem Schulhof.
Rückblickend zeigt diese Szene, wie unterschiedlich die vier innerhalb der Gruppe wirkten. Eloy antwortete gefühlvoll und verlor sich kurz in seinen Gedanken, Benjamin setzte eine knappe Pointe, und die anderen reagierten auf ihre Weise. Genau diese klar erkennbaren Persönlichkeiten machten Caught in the Act für Fans so reizvoll. Man liebte die Band gemeinsam und hatte trotzdem selbstverständlich einen Favoriten, dessen Antworten besonders sorgfältig analysiert wurden.
MTV In Touch 1997 gab diesen kleinen Zwischentönen Raum. Das Gespräch bestand nicht nur aus vorbereiteten Informationen über Veröffentlichungen, sondern ließ Momente zu, die nicht vollständig kontrolliert wirkten. Jahrzehnte später erinnern wir uns oft gerade an solche Sätze – nicht weil sie weltbewegend waren, sondern weil sie uns für einen Augenblick das Gefühl gaben, die Menschen hinter den Postern ein wenig besser zu kennen.
Das neue Album war ein bisschen wie eine Freundin
Ein wichtiger Teil des Gesprächs drehte sich um das neue Album, das damals kurz vor der Veröffentlichung stand. Benjamin versuchte, das Werk zu beschreiben, und verglich es mit einer Freundin: schwer zu erklären, aber etwas ganz Besonderes. Diese Formulierung war vielleicht keine klassische Musikkritik, aber sie vermittelte genau die persönliche Nähe, die die Band zu den neuen Songs empfand.
Zu diesem Zeitpunkt waren neun oder zehn Titel fertig, weitere drei oder vier sollten folgen. Stilistisch wollte sich CITA nicht auf eine einzige Richtung beschränken. Pop und R&B gehörten dazu, sogar Reggae wurde angekündigt. Bastiaan hatte selbst einen poppigen Song geschrieben, und neue Produzenten sollten frische Einflüsse in den vertrauten CITA-Sound bringen.
Bei MTV In Touch klang die Vorfreude deutlich durch. Ein neues Album bedeutete für die Band nicht nur weiteres Material für die Bühne, sondern die Chance, Entwicklung zu zeigen. Wer nach mehreren Hits immer denselben Klang liefert, riskiert Langeweile; wer sich zu weit entfernt, verunsichert die Fans. Zwischen diesen Polen musste das neue Werk seine eigene Position finden.
Für uns Fans war ein Album ohnehin weit mehr als eine Sammlung von Liedern. Es wurde zum Begleiter im Schulbus, beim Hausaufgabenmachen und während langer Telefongespräche mit der besten Freundin. Das Booklet wurde gelesen, jedes Foto betrachtet und die Reihenfolge der Songs so oft gehört, bis der Übergang zum nächsten Titel bereits im Kopf begann, bevor die CD ihn tatsächlich spielte.
Bastiaan betonte trotzdem, dass das erste Album für ihn immer etwas Besonderes bleiben würde. Die erste große Veröffentlichung trägt Erinnerungen, die sich nicht wiederholen lassen: Unsicherheit, Hoffnung und die Erfahrung, zum ersten Mal das eigene fertige Werk in Händen zu halten. Das neue Kapitel durfte aufregend sein, ohne die erste Liebe aus dem Herzen zu verdrängen.
Diese Haltung passte auch zu den Fans, die mit CITA älter wurden. Man konnte sich auf neue Klänge freuen und trotzdem an den Songs hängen, mit denen alles begonnen hatte. MTV In Touch 1997 zeigte eine Band in Bewegung – erfolgreich genug, um selbstbewusst zu experimentieren, und sentimental genug, um den Anfang nicht zu vergessen.
Warum MTV In Touch heute pure 90er-Magie ist
MTV wollte mit seinen deutschsprachigen Sendungen näher an ein Publikum heranrücken, das längst von VIVA umworben wurde. MTV In Touch gehörte zu diesem Versuch und verband internationale Musikfernseh-Atmosphäre mit Gesprächen, die ohne Übersetzung oder Untertitel unmittelbar verstanden wurden. Caught in the Act war für den Start eine ideale Besetzung: erfolgreich, fernseherfahren und von einer leidenschaftlichen Fangemeinschaft begleitet.
Das Interview erinnert an eine Medienwelt, in der ein einzelner Fernsehtermin noch Gewicht besaß. Wer die Sendung verpasste, konnte nicht wenige Minuten später den kompletten Ausschnitt online suchen. Man hoffte auf eine Wiederholung, eine rechtzeitig eingelegte VHS-Kassette oder eine Freundin, die aufgenommen hatte. Gerade diese Knappheit machte jedes Gespräch wertvoll.
MTV In Touch 1997 liefert heute alles, was einen guten nostalgischen Rückblick ausmacht: die Freude über Gold und Platin, ehrliche Worte über den langen Weg zum Erfolg, spontane Antworten und neugierige Hinweise auf neue Musik. Die vier wirken professionell, aber nicht unnahbar. Sie wissen, wie ein Interview funktioniert, und lassen trotzdem genügend Persönlichkeit durchscheinen.
Beim Wiedersehen begegnen wir nicht nur Caught in the Act, sondern auch unserem jüngeren Ich. Vielleicht saß es vor dem Fernseher, hielt die Fernbedienung vorsichtshalber fest und hoffte, dass kein Familienmitglied ausgerechnet jetzt umschalten wollte. Es hörte aufmerksam zu, merkte sich Benjamins Freundin-Vergleich und fand Eloys Gedanken über Liebe und Pferde wahrscheinlich entweder rührend oder vollkommen logisch.
Heute dürfen wir über manche Antwort lächeln und gleichzeitig spüren, warum uns diese Band so wichtig war. CITA brachte Musik, Bilder und Gefühle in eine Lebensphase, in der alles etwas größer wirkte. MTV In Touch bewahrte davon ein paar kostbare Minuten – nahbar, charmant und so unverkennbar neunziger Jahre, dass man beim Anschauen beinahe das Rascheln einer BRAVO-Seite hören kann.
MTV In Touch – CITA im Interview
Eloy de Jong blickt auf ein Leben zurück, das berührt, inspiriert und zeigt, wie viel Stärke in einem Menschen stecken kann. Seine neue Biografie zeichnet seinen Weg vom Kind aus Den Haag, das in der Schule häufig aneckte, bis hin zu einem der erfolgreichsten Schlagerkünstler Deutschlands nach – und erzählt dabei von all den Momenten, die ihn geprägt haben.
Das Buch nimmt dich mit zu seinen ersten Jahren als Tänzer, den Zeiten des Zweifelns und der Ausgrenzung und natürlich zu dem Tag, an dem er beim Casting für Caught in the Act sein Leben für immer veränderte. Aber auch die weniger glamourösen Seiten kommen vor: frühe Misserfolge, der Druck des Ruhms, das Ende der Boyband und die Suche nach einer neuen Richtung.
Besonders bewegend sind die Kapitel über seine bedeutenden Beziehungen – unter anderem zu Stephen Gately und Carlo Boszhard – sowie über seinen größten privaten Wegabschnitt: das Leben als Teil einer Regenbogenfamilie, die Geburt der Zwillinge und der schmerzhafte Abschied von Milon.
Die Biografie beleuchtet ebenso seine Rückkehr ins Rampenlicht, den Solo-Erfolg mit „Kopf aus – Herz an“, seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und seine wachsende Rolle als inspirierende Stimme in der LGBTQ+-Community. Ergänzt wird das alles durch eindrucksvolle Fotos und viele persönliche Einblicke, die Eloys Entwicklung greifbar machen.
Für alle Fans von Caught in the Act, Schlagerliebhaber oder Menschen, die Eloy schon lange begleiten, ist dieses Buch ein emotionales und sehr aufrichtiges Porträt eines außergewöhnlichen Lebenswegs.
Das erwartet dich im Buch:
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Ein ehrlicher Blick auf Eloys Kindheit, erste Träume und Hindernisse
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Der komplette Weg von CITA bis zu seinen heutigen Erfolgen
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