Manchmal genügt ein einziges Musikvideo, um eine ganze Epoche wieder ins Wohnzimmer zu holen. Ein paar Sekunden, in denen knallige Farben, wilde Muster und vier sehr junge Männer über den Bildschirm tanzen, und plötzlich wissen wir wieder, wie es sich anfühlte, 1995 vor dem Fernseher zu sitzen und jede neue Caught-in-the-Act-Sekunde als kleines persönliches Ereignis zu betrachten. Der Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ markierte den Beginn einer Karriere, von deren Ausmaß Bastiaan Ragas, Lee Baxter, Eloy de Jong und Benjamin Boyce damals höchstens träumen konnten.
Nach dem Auftritt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ Ende 1994 war das Interesse an Caught in the Act in Deutschland geweckt. Nun brauchte die Single „Love Is Everywhere“ ein richtiges Musikvideo, das die fröhliche Energie des Songs transportieren und die vier Bandmitglieder einem größeren Publikum vorstellen sollte. Das Budget war überschaubar, die Erfahrungen vor einer professionellen Videokamera ebenfalls, doch an Ideen mangelte es offensichtlich nicht. Im Januar 1995 entstand in einem Münchner Studio ein Clip, der so konsequent nach Neunzigerjahren aussieht, dass man beim Anschauen beinahe automatisch nach dem Discman sucht.
Der Bericht von BRAVO TV begleitet den Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ und zeigt die Band noch vor dem großen Durchbruch. Benjamin scherzt, Eloy sitzt in der Maske, Lee erklärt die gewünschte Stimmung und Bastiaan denkt bereits darüber nach, wie man trotz Playback glaubwürdig dieselbe Energie immer wieder neu erzeugt. Zwischen Make-up, Scheinwerfern und acht Taschen voller Kleidung erleben wir vier junge Männer, die ahnen, dass etwas in Bewegung geraten ist, aber noch nicht wissen können, wie viele Fanherzen dieser Clip bald erreichen wird.
Ein erster richtiger Videoclip für Caught in the Act
Für eine erste Single in Holland hatte es zwar bereits bewegte Bilder gegeben, doch Eloy beschrieb den Münchner Dreh als den ersten richtigen Videoclip der Band. Seine Aufregung ist im BRAVO-TV-Bericht deutlich zu spüren. Während er geschminkt wird, erzählt er von dieser neuen Erfahrung und wirkt zugleich neugierig und konzentriert. Dass in der Einblendung aus „Eloy“ kurzerhand „Leroy“ wurde, zeigt nebenbei, wie unbekannt Caught in the Act damals für Teile der deutschen Medien noch war.
Heute ist dieser kleine Namensfehler fast rührend. Wenige Monate später hätten Fans vermutlich kollektiv beim Sender angerufen, wenn jemand ihren Eloy falsch bezeichnet hätte, und zwar mit der organisatorischen Entschlossenheit einer bestens vorbereiteten Bürgerinitiative. Beim Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ befand sich die Band jedoch noch an jener spannenden Schwelle, an der der Erfolg bereits möglich schien, aber keineswegs garantiert war.
Benjamin brachte diese Hoffnung im Interview auf den Punkt. Er habe das Gefühl, dem gemeinsamen Ziel immer näher zu kommen, und das sei ein gutes Gefühl. Rückblickend klingt der Satz beinahe wie eine Vorhersage. Caught in the Act stand kurz davor, in Deutschland eine riesige Fangemeinde zu gewinnen, doch in diesem Moment bedeutete Fortschritt zunächst, einen professionellen Clip fertigzustellen und darauf zu hoffen, dass Song und Bilder beim Publikum ankamen.
Der Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ war deshalb nicht bloß ein weiterer Termin im Kalender. Er gab der Band ein visuelles Gesicht für den deutschen Markt. Ein Musikvideo musste innerhalb weniger Minuten vermitteln, wer diese vier jungen Männer waren, wie sich ihr Song anfühlte und warum man beim nächsten Auftauchen des Clips nicht den Sender wechseln sollte. Dass das Ergebnis heute ein wenig schräg wirkt, gehört zu seinem Charme. Im Jahr 1995 waren die Farben nicht ironisch gemeint, die bauchfreien Oberteile kein Kostümfest und die Begeisterung vollkommen ernst.
Acht Taschen Kleidung und Benjamins mutige Modewahl
Wer den fertigen Clip kennt, weiß, dass Zurückhaltung bei der Garderobe keine tragende Rolle spielte. Knallbunte Farben, enge Schnitte und bauchfreie Oberteile bestimmten den Look. Benjamin hatte die Kleidung ausgesucht und den anderen erklärt, dass alles besonders farbenfroh sein müsse. Für den Dreh wurden acht große Taschen mit Outfits gekauft. Wie groß diese Taschen tatsächlich waren, demonstrierte Benjamin im Bericht auf sehr praktische Weise, indem er selbst in einer davon Platz nahm.
Diese Szene sagt viel über die Atmosphäre beim Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ aus. Trotz langer Arbeitsstunden und neuer Anforderungen blieb Raum für Albernheit. Benjamin verstand offenbar schon damals, dass ein Blick hinter die Kulissen nicht nur Informationen liefern, sondern auch unterhalten sollte. Während andere vielleicht ernsthaft über Stylingkonzepte gesprochen hätten, saß er kurzerhand zwischen den Kleidungsstücken. Genau solche Momente machten die Band für Fans nahbar.
Aus heutiger Sicht laden die Outfits natürlich zu liebevollen Kommentaren ein. Manche Stücke sehen aus, als hätten sich ein Fitnessstudio, eine Farbdruckerei und ein sehr optimistischer Stoffladen gemeinsam kreativ ausgetobt. Doch Mode funktioniert immer im Zusammenhang ihrer Zeit. Mitte der neunziger Jahre durfte ein Boyband-Clip leuchten, glänzen und den Bauch zeigen, ohne sich vorher für Minimalismus entschuldigen zu müssen. Der Song hieß schließlich „Love Is Everywhere“ und nicht „Zurückhaltung in Beige“.
Entscheidend war, dass Kleidung, Kulisse und Bewegung eine gemeinsame Stimmung erzeugten. Lee erklärte, der Clip solle fröhlich werden, mit abgefahrenen Farben und einer Wirkung, die das Publikum aufmuntert. Genau dieses Ziel erfüllte die Garderobe. Ob wir sie heute freiwillig zu einem Elternabend tragen würden, ist eine andere Frage, aber auf dem Bildschirm ist sie untrennbar mit der Erinnerung an den Song verbunden. Der Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ bewies damit früh, dass Wiedererkennbarkeit nicht immer dezent sein muss.
Der Badezimmerfenstertrick hinter den Bildeffekten
Besonders faszinierend sind die einfachen technischen Tricks, mit denen die Bildsprache des Videos entstand. Beim Dreh kamen starke 5.000-Watt-Strahler zum Einsatz, deren Licht auf eine weiße Wand gerichtet wurde. Dadurch ließ sich eine helle, freundliche Atmosphäre schaffen, ohne aufwendige digitale Welten bauen zu müssen. Die Effekte entstanden direkt vor der Kamera, mit Materialien, die heute eher auf einer Baumarkt- als auf einer Spezialeffektliste stehen würden.
Der berühmteste Einfall war das Badezimmerfenster. Strukturierte Glasscheiben wurden vor die Kameralinse gehalten und erzeugten so jene verschwommenen, gebrochenen Bilder, die dem Clip seinen eigenwilligen Look geben. Beim Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ wurde also mit einem Gegenstand gearbeitet, an dem die meisten Menschen morgens vorbeigehen, ohne darin ein Werkzeug der Popgeschichte zu erkennen. Seit man diesen Hintergrund kennt, lässt sich geriffeltes Glas kaum noch ansehen, ohne wenigstens kurz an CITA zu denken.
Auch Fingerfarben kamen zum Einsatz. Die Band bemalte eine Glasscheibe, während die Kamera das farbenfrohe Geschehen einfing. Solche praktischen Effekte waren günstig, unmittelbar und passten perfekt zur verspielten Stimmung des Songs. Anders als digitale Filter, die später am Computer ergänzt werden, mussten sie am Set ausprobiert und während der Aufnahme kontrolliert werden. Das Ergebnis konnte überraschen, und gerade diese Unberechenbarkeit verlieh dem Video seine lebendige Oberfläche.
Der Badezimmerfenstertrick zeigt, wie Kreativität begrenzte Mittel ersetzen kann. Für den ersten großen deutschen Clip stand noch kein grenzenloses Budget bereit, also nutzte das Team Licht, Glas, Farbe und Perspektive. Der Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ erinnert damit an eine Videowelt, in der Spezialeffekte sichtbar handgemacht sein durften. Man konnte sie beinahe anfassen, und vielleicht wirken sie deshalb Jahrzehnte später charmanter als mancher technisch perfekte Effekt, den wir schon kurz nach dem Ansehen vergessen.
Vierzehn Stunden gute Laune vor der Kamera
Was im fertigen Video leicht und fröhlich aussieht, verlangte am Set erhebliche Ausdauer. Nach vierzehn Stunden war der Clip endlich im Kasten. Vierzehn Stunden dieselbe positive Energie abzurufen, denselben Song wieder und wieder zu hören und bei jeder Einstellung so zu wirken, als habe der Tag gerade erst begonnen, ist eine Leistung, die beim beiläufigen Anschauen leicht übersehen wird. Irgendwann dürfte selbst die beste Laune eine Kaffeepause und einen sehr bequemen Stuhl verlangt haben.
Bastiaan erklärte im Interview, man müsse darauf achten, dass der Song stets dieselbe Ausstrahlung behalte. Den Text einfach nur herunterzusingen, reiche nicht; für die gewünschte Stimmung müsse man sich immer wieder neu anstrengen. Mit einem Augenzwinkern ergänzte er, dass das Video natürlich Playback sei. Seine Aussage macht deutlich, wie viel Schauspiel in einer glaubwürdigen Musikvideo-Performance steckt. Die Stimme kommt vom Band, doch Freude, Energie und Verbindung zur Kamera müssen in jeder Aufnahme neu entstehen.
Beim Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ lernten Bastiaan, Lee, Eloy und Benjamin eine Arbeitsweise kennen, die bald zu ihrem Alltag gehören sollte. Musikvideos, Fotoshootings, Interviews und Fernsehauftritte würden in den folgenden Jahren eng getaktet aufeinanderfolgen. Im Januar 1995 war vieles davon noch neu, und genau diese Mischung aus Konzentration und Staunen macht den BRAVO-TV-Bericht so sehenswert.
Der lange Drehtag erklärt vielleicht auch, warum manche Erinnerung hinter den Kulissen intensiver bleibt als das fertige Ergebnis. Fans sehen dreieinhalb Minuten Pop, die Beteiligten erinnern sich an Scheinwerferhitze, wiederholte Einstellungen, Make-up-Korrekturen und viele Stunden in auffälliger Kleidung. Dass die vier trotzdem fröhlich wirken, erfüllt die zentrale Aufgabe des Clips. „Love Is Everywhere“ sollte aufmuntern, und niemand vor dem Bildschirm musste wissen, wie müde die Beine bei der letzten Aufnahme möglicherweise waren.
Warum der schräge Clip heute Kult ist
Als Caught in the Act das fertige Video wenige Tage vor der Veröffentlichung sah, war die Begeisterung nach Lees späterer Erinnerung zunächst überschaubar. Die vier seien geschockt gewesen und hätten sich gefragt, ob das wirklich ernst gemeint sei. Ihnen sei das Ergebnis unangenehm gewesen, während die Macher stolz auf ihr Werk waren. Der Clip wurde veröffentlicht, und damit begann genau jene öffentliche Geschichte, auf die wir heute mit so viel Zuneigung zurückblicken.
Vielleicht brauchte das Video einfach ein Publikum, das seine volle Wirkung verstand. Fans sahen nicht nur ungewöhnliche Effekte und wilde Kleidung, sondern ihren neuen Lieblingssong und vier Männer, die bald ganze Wände in Jugendzimmern besetzen würden. Der Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ lieferte Bilder, die sich einprägten, gerade weil sie nicht austauschbar waren. Niemand konnte diesen Clip mit einer beliebigen anderen Band verwechseln.
Heute wirkt er wie eine konzentrierte Portion Neunzigerjahre: optimistisch, farbenfroh, leicht überdreht und vollkommen unbeeindruckt von späteren Vorstellungen guten Geschmacks. Das ist kein Makel, sondern sein größter Reiz. Musikvideos erzählen immer auch von der Zeit, in der sie entstanden sind. Wer alle modischen und technischen Spuren seiner Epoche entfernt, erhält vielleicht ein elegantes Bild, aber selten eine so wunderbare Zeitmaschine.
Für langjährige CITA-Fans ist der BRAVO-TV-Bericht zusätzlich wertvoll, weil er den Moment vor dem großen Erfolg bewahrt. Eloy wird noch „Leroy“ genannt, Benjamin scherzt in einer Kleidertasche und die Band sammelt erste Erfahrungen bei einem professionellen Videodreh. Kurz darauf sollte sich ihr Leben grundlegend verändern. Insofern zeigt der Clipdreh zu „Love Is Everywhere“ nicht nur die Entstehung eines Musikvideos, sondern den Anfang einer Ära.
Wenn wir den Clip heute ansehen, dürfen wir über die Outfits lachen und gleichzeitig gerührt sein. Wir können den Badezimmerfenstertrick bestaunen, Bastiaans ehrliche Erklärung über Playback genießen und uns daran erinnern, wie aufregend jede neue CITA-Veröffentlichung einmal war. Manche Videos altern würdevoll, andere altern unterhaltsam. „Love Is Everywhere“ schafft beides auf seine ganz eigene Weise und bleibt gerade deshalb dort, wo es hingehört: fest im kollektiven Fan-Gedächtnis.
Clipdreh zu Love is everywhere (BRAVO TV 1995)
… und das ist das Endergebnis des Videoclips:
Eloy de Jong blickt auf ein Leben zurück, das berührt, inspiriert und zeigt, wie viel Stärke in einem Menschen stecken kann. Seine neue Biografie zeichnet seinen Weg vom Kind aus Den Haag, das in der Schule häufig aneckte, bis hin zu einem der erfolgreichsten Schlagerkünstler Deutschlands nach – und erzählt dabei von all den Momenten, die ihn geprägt haben.
Das Buch nimmt dich mit zu seinen ersten Jahren als Tänzer, den Zeiten des Zweifelns und der Ausgrenzung und natürlich zu dem Tag, an dem er beim Casting für Caught in the Act sein Leben für immer veränderte. Aber auch die weniger glamourösen Seiten kommen vor: frühe Misserfolge, der Druck des Ruhms, das Ende der Boyband und die Suche nach einer neuen Richtung.
Besonders bewegend sind die Kapitel über seine bedeutenden Beziehungen – unter anderem zu Stephen Gately und Carlo Boszhard – sowie über seinen größten privaten Wegabschnitt: das Leben als Teil einer Regenbogenfamilie, die Geburt der Zwillinge und der schmerzhafte Abschied von Milon.
Die Biografie beleuchtet ebenso seine Rückkehr ins Rampenlicht, den Solo-Erfolg mit „Kopf aus – Herz an“, seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und seine wachsende Rolle als inspirierende Stimme in der LGBTQ+-Community. Ergänzt wird das alles durch eindrucksvolle Fotos und viele persönliche Einblicke, die Eloys Entwicklung greifbar machen.
Für alle Fans von Caught in the Act, Schlagerliebhaber oder Menschen, die Eloy schon lange begleiten, ist dieses Buch ein emotionales und sehr aufrichtiges Porträt eines außergewöhnlichen Lebenswegs.
Das erwartet dich im Buch:
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Ein ehrlicher Blick auf Eloys Kindheit, erste Träume und Hindernisse
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Der komplette Weg von CITA bis zu seinen heutigen Erfolgen
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Private Geschichten über Liebe, Familie, Mut und Verlust
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