Zurück im Herbst 1995: Das CITA-Konzert, das unsere Teenieherzen explodieren ließ
Manchmal frage ich mich, wie viele Stunden meines damaligen Lebens allein für die Vorbereitung auf ein Konzert von Caught in the Act draufgegangen sind. Vermutlich mehr, als ich jemals für Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder das sorgfältige Sortieren meiner Schulsachen investiert habe. Wobei Letzteres ohnehin schnell erledigt war, denn zwischen Schulheften, ausgedruckten Songtexten und ausgeschnittenen BRAVO-Seiten herrschte eine Ordnung, die wahrscheinlich nur ein echter CITA-Fan verstehen konnte.
Ein CITA Konzert 1995 begann für uns schließlich nicht erst in dem Moment, in dem Eloy, Bastiaan, Lee und Benjamin die Bühne betraten. Es begann viel früher, manchmal schon beim Kauf der Eintrittskarte, wenn man dieses kleine Stück Papier vorsichtig in den Händen hielt und plötzlich wusste, dass es nun tatsächlich passieren würde. Wir würden sie sehen. Nicht auf einem Poster, nicht in einer Fernsehsendung und auch nicht auf einer Videokassette, die inzwischen schon verdächtige Bildstörungen hatte, weil wir dieselbe Szene ungefähr neunzigmal zurückgespult hatten. Wir würden sie wirklich sehen, lebendig, singend und tanzend, nur ein paar Meter entfernt.
Von diesem Moment an lief in unserem Kopf ein Countdown. Was zieht man an? Wie früh muss man vor der Halle stehen? Welche Freundin nimmt welchen Fotoapparat mit? Reichen zwei Filme mit jeweils 36 Bildern oder braucht man vorsichtshalber noch einen dritten? Und vor allem: Wie schafft man es, möglichst weit nach vorne zu kommen, ohne bereits vor Konzertbeginn sämtliche Kräfte zu verbrauchen?
Die Kleiderfrage wurde selbstverständlich nicht erst am Nachmittag des Konzerts beantwortet. Sie war ein langfristiges Projekt, das Wochen vorher begann und mehrere Anproben, Telefonate und gelegentliche kleinere Freundschaftskrisen erforderte. Das Oberteil sollte auffallen, aber nicht so aussehen, als hätte man zu angestrengt versucht aufzufallen. Die Schuhe mussten einigermaßen konzerttauglich sein, wobei wir diese Entscheidung spätestens nach der ersten halben Stunde in der Halle bereuten. Dazu kam die Frage, ob man sich den Namen seines Lieblings auf die Wange schreiben sollte oder ob das vielleicht doch ein bisschen zu viel war.
Natürlich war es nie zu viel. Es waren die 90er. Wir trugen Plateauschuhe, sammelten Telefonkarten und hielten es für vollkommen vernünftig, einen Starschnitt über mehrere Wochen zusammenzukleben. Ein Name auf der Wange war da beinahe zurückhaltend.
Spätestens beim Betreten der Konzerthalle war der Alltag verschwunden. Mathearbeiten, Eltern, Geschwister und die Frage, ob man am nächsten Morgen pünktlich zur Schule erscheinen würde, spielten keine Rolle mehr. Für die kommenden Stunden drehte sich alles um vier junge Männer aus den Niederlanden und England, die es geschafft hatten, unser Leben gleichzeitig komplizierter und sehr viel schöner zu machen.
Das CITA Konzert 1995 begann lange vor dem ersten Lied
Schon vor dem eigentlichen Konzert herrschte in der Halle eine Stimmung, die sich heute nur schwer beschreiben lässt. Es war laut, obwohl auf der Bühne noch gar nichts passierte. Überall wurden Namen gerufen, Transparente hochgehalten und Vermutungen darüber angestellt, auf welcher Seite der Bühne der eigene Favorit wohl am häufigsten stehen würde.
Wer einen festen Lieblingsplatz in seinem Herzen vergeben hatte, plante strategisch. Lee-Fans versuchten herauszufinden, wo Lee während bestimmter Choreografien stehen könnte. Benjamin-Fans hofften auf eine Stelle mit ausreichend Platz für seine besonders energiegeladenen Auftritte. Eloy-Fans hielten Ausschau nach dem besten Blickwinkel auf sein Lächeln, während Bastiaan-Fans vermutlich ohnehin überzeugt waren, dass er sie irgendwann im Laufe des Abends persönlich ansehen würde.
Diese Hoffnung gehörte fest zu einem Boyband-Konzert. Natürlich wussten wir theoretisch, dass mehrere tausend andere Menschen in der Halle standen. Trotzdem war man sich in bestimmten Momenten vollkommen sicher: Dieser Blick gerade eben galt mir. Nicht der Reihe, nicht dem Block und ganz bestimmt nicht dem Mädchen mit dem riesigen Plakat direkt vor mir. Mir.
Beweisen ließ sich das nicht, aber darum ging es auch gar nicht. Es war Teil dieses besonderen Gefühls, für ein paar Sekunden aus der Masse herausgehoben zu werden, selbst wenn der betreffende Sänger vermutlich nur versucht hatte, im grellen Scheinwerferlicht nicht von der Bühnenkante zu fallen.
Noch bevor der erste Ton erklang, waren wir emotional längst auf Betriebstemperatur. Wenn sich irgendwo hinter dem Vorhang etwas bewegte, ging ein Aufschrei durch die Halle. Wenn ein Techniker über die Bühne lief, wurde er beobachtet, als könnte er jeden Moment eine geheime Botschaft überbringen. Und sobald das Licht ein wenig dunkler wurde, war endgültig klar: Jetzt begann es.
Oder besser gesagt: Jetzt begann die wohl schönste Folter, die sich die Verantwortlichen für das Konzertprogramm hatten ausdenken können.
90 Sekunden Herzschlag und kollektiver Wahnsinn
Das berühmte CITA-Intro dauerte ungefähr 90 Sekunden. Heute klingt das nach einer überschaubaren Zeitspanne. Man wartet länger an einer Supermarktkasse oder darauf, dass der Kaffeeautomat im Büro endlich fertig wird. In einer voll besetzten Konzerthalle des Jahres 1995 fühlten sich diese 90 Sekunden jedoch an wie ein kompletter Lebensabschnitt.
Zuerst erklangen diese düsteren, dramatischen Violinen, durch die sofort eine Spannung im Raum entstand. Es war keine Musik, die einfach nur ankündigte, dass gleich ein Konzert beginnen würde. Sie sagte vielmehr: Macht euch bereit, denn in wenigen Augenblicken werdet ihr eure Würde, eure Stimme und möglicherweise auch einen Schuh verlieren.
Dann setzte das Herzschlag-Geräusch ein.
Dieses Pochen war natürlich Teil des Intros, doch in der Halle verband es sich mit tausenden echten Herzen, die ungefähr im selben Rhythmus schlugen. Oder deutlich schneller. Mit jeder Sekunde wurde das Kreischen lauter, während wir versuchten, im Halbdunkel irgendeine Bewegung auf der Bühne zu erkennen.
Vielleicht erschienen dort schon erste Silhouetten. Vielleicht bildeten wir sie uns auch nur ein. Bei einem Boyband-Konzert war die Grenze zwischen tatsächlicher Beobachtung und emotional bedingter Halluzination ohnehin fließend.
Jede Sekunde brachte eine neue Welle der Aufregung. Jetzt kommen sie. Nein, doch noch nicht. Aber jetzt bestimmt. Wieder nicht. Irgendjemand zwei Reihen weiter vorne schrie bereits so laut, als hätte Benjamin persönlich um ihre Hand angehalten, wodurch selbstverständlich die gesamte Umgebung ebenfalls zu kreischen begann. Schließlich wollte niemand riskieren, einen entscheidenden Moment zu verpassen.
Dann ertönten die Namen, auf die alle gewartet hatten:
„Eloy … Bastiaan … Lee … Benjamin … Caught in the Act!“
Allein diese Ansage genügte, um die Halle endgültig zum Explodieren zu bringen. Es war der Moment, in dem man gleichzeitig lachen, weinen, springen und seine Freundin am Arm festhalten wollte. Für einen kurzen Augenblick schien sich alles zu entladen, was sich seit dem Ticketkauf angesammelt hatte: die Vorfreude, die Nervosität, die Tagträume und die leise Hoffnung, dass dieser Abend niemals vorbeigehen möge.
Wenn man heute das Fanvideo vom CITA Konzert 1995 anschaut, lässt sich diese Atmosphäre noch immer erahnen. Die Bildqualität ist vielleicht nicht mit modernen Konzertaufnahmen vergleichbar, die Bewegungen der Kamera sind gelegentlich etwas abenteuerlich und zwischendurch sieht man vermutlich mehr Hinterköpfe als Bühne. Aber genau das macht diese Aufnahmen so wertvoll. Sie sind nicht glatt produziert. Sie zeigen den Abend aus unserer Perspektive, mitten aus dem Publikum, zwischen hochgereckten Armen, fliegenden Geschenken und Fans, die längst vergessen hatten, dass sie am nächsten Tag wahrscheinlich heiser sein würden.
Nach dem Intro stürmten Eloy, Bastiaan, Lee und Benjamin mit „Caught in the Act of Love“ auf die Bühne. Plötzlich waren sie da, und obwohl wir monatelang auf diesen Moment gewartet hatten, konnte man kaum glauben, dass er wirklich passierte.
Die Choreografie zu diesem Song gehörte zu den energiegeladensten, die Caught in the Act damals im Programm hatten. Die vier tanzten, wechselten ihre Positionen und wirkten dabei so selbstverständlich, als wäre es das Normalste der Welt, vor einer Halle voller völlig aufgelöster Teenager aufzutreten.
Für uns im Publikum bedeutete das vor allem, dass wir noch lauter wurden. Wir hüpften, winkten und versuchten gleichzeitig, möglichst keinen einzigen Blick, keine Bewegung und kein Lächeln zu verpassen. Der Plan, zwischendurch ein paar gute Fotos zu machen, scheiterte oft daran, dass man entweder selbst zu stark wackelte oder im entscheidenden Moment jemand vor einem die Arme hochriss. Auf den entwickelten Bildern befand sich später deshalb gern ein halber Scheinwerfer, ein Stück Bühnenvorhang oder der Hinterkopf einer anderen Besucherin. Trotzdem wurden diese Fotos aufgehoben, beschriftet und ins Album geklebt, denn sie bewiesen, dass wir dabei gewesen waren.
Kuscheltierregen, Partyfragen und britischer Charme
Während „Caught in the Act of Love“ über die Bühne fegte, begann auch der traditionelle Kuscheltierregen. Plüschhasen, Stoffbären, Herzen und andere liebevoll ausgewählte Geschenke flogen in Richtung Bühne. Manche waren vermutlich mit Briefen versehen, an denen wir stundenlang geschrieben hatten. Andere trugen kleine Botschaften, Namen oder Telefonnummern, wobei wir selbstverständlich überzeugt waren, dass der jeweilige Sänger später in aller Ruhe jedes einzelne Geschenk betrachten würde.
Die Jungs gingen bemerkenswert professionell damit um. Während um sie herum Plüschtiere landeten, tanzten und sangen sie weiter, als gehöre das zu jeder normalen Bühnenshow. Was es bei Caught in the Act vermutlich tatsächlich tat. Man musste schließlich jederzeit damit rechnen, dass ein übergroßer Teddybär aus dem Publikum geflogen kam.
Nach dem Opener wurde es kurz etwas ruhiger, wobei „ruhig“ bei einem CITA-Konzert ein sehr relativer Begriff war. Eloy trat nach vorne und fragte, ob wir an diesem Abend gemeinsam eine große Party feiern wollten.
Diese Frage war selbstverständlich rein rhetorischer Natur.
Niemand in der Halle hatte vor, höflich abzulehnen und stattdessen einen ruhigen Abend zu verbringen. Hätte tatsächlich jemand „Nein“ gerufen, wäre diese Person vermutlich von den umliegenden Fans sehr ausführlich über die Regeln eines Boyband-Konzerts informiert worden.
Die Antwort bestand aus einem ohrenbetäubenden Kreischen, das keinen Zweifel daran ließ, dass wir bereit waren. Wir waren sogar schon bereit gewesen, bevor wir die Halle betreten hatten.
Anschließend wandte sich Lee mit seinem britischen Akzent an das Publikum und fragte: „Do you want to hear Benjamin sing a song from our new album?“
Allein Lees Stimme sorgte bei vielen Fans bereits für den nächsten kleinen Gefühlsausbruch. Ein britischer Akzent hatte damals schließlich eine Wirkung, gegen die weder Vernunft noch gute Erziehung besonders viel ausrichten konnten.
Benjamin nutzte seinen Auftritt anschließend mit genau der Energie, für die wir ihn liebten. „Are you ready for some energy? Are you ready for power and stuff like that?“, rief er in die Halle.
„Power and stuff like that“ war vielleicht keine wissenschaftlich präzise Beschreibung des kommenden Programmpunkts, traf die Stimmung aber ziemlich genau. Benjamin musste nur auf die Bühne treten, einmal dieses typische verschmitzte Lächeln zeigen, und schon hatte man das Gefühl, dass gleich alles möglich war.
Wer noch tiefer in Benjamins Zeit nach Caught in the Act eintauchen möchte, findet im CITA-Forum auch den Rückblick auf seine Teilnahme an der „Comeback-Show“ im Jahr 2004. Viele Jahre lagen zwischen diesen beiden Auftritten, doch das vertraute Kribbeln stellte sich erstaunlich schnell wieder ein.
Beim CITA Konzert 1995 brauchte Benjamin allerdings keine nostalgische Rückkehr. Er war mittendrin in jener Phase, in der ein einziger Blick von ihm ausreichte, um eine ganze Reihe im Publikum aus dem Konzept zu bringen.
Benjamin hebt ab und die Halle verliert den Verstand
Benjamin war nie dafür bekannt, auf der Bühne besonders zurückhaltend zu sein. Während andere Menschen vielleicht kurz durchatmen würden, wenn sie bereits eine anspruchsvolle Choreografie hinter sich gebracht hätten, schien er zu denken, dass nun der ideale Zeitpunkt für einen Rückwärtssalto gekommen sei.
Und dann machte er ihn einfach.
Ohne lange Ankündigung, ohne sichtbare Zweifel und vor allem so, als wäre ein Salto auf einer Konzertbühne ungefähr so alltäglich wie das Hinsetzen auf einen Stuhl. Für uns im Publikum war dieser Moment selbstverständlich nicht alltäglich. Die Lautstärke stieg noch einmal deutlich an, was bis dahin kaum möglich erschienen war.
Manche Fans hielten sich die Hände vors Gesicht, andere klammerten sich an ihre Freundinnen, und wieder andere schrien so begeistert, dass die Stimme danach wahrscheinlich endgültig verloren war. Benjamin landete sicher, stand wieder da und wirkte, als hätte er gerade nichts Besonderes getan.
Anschließend sang er „I Can’t Let Go“ vom ersten CITA-Album. Spätestens jetzt war jeder Versuch, irgendwie cool oder gelassen zu bleiben, endgültig gescheitert. Wir waren nicht cool. Wir wollten auch gar nicht cool sein. Wir wollten mitsingen, jubeln und für ein paar Stunden vollkommen in dieser Welt verschwinden.
Danach folgte der legendäre L.O.V.E.-Gesangstest, bei dem das Publikum in zwei Seiten aufgeteilt wurde. Bastiaan und Benjamin übernahmen die eine Hallenhälfte, Eloy und Lee die andere. Beide Seiten sollten beweisen, dass sie lauter singen konnten.
Wer ungefähr in der Mitte stand, befand sich in einer schwierigen Lage. Sollte man sich für eine Seite entscheiden? Sollte man seinem persönlichen Lieblingsmitglied treu bleiben? Oder durfte man einfach überall mitsingen?
Ich entschied mich damals für die diplomatische Lösung und unterstützte beide Seiten. Das war vielleicht nicht ganz im Sinne des Wettbewerbs, aber im Sinne von Caught in the Act. Außerdem konnte man uns schlecht vorwerfen, zu engagiert zu sein.
Die vier feuerten ihre jeweiligen Gruppen an, verlangten noch mehr Lautstärke und taten so, als müsse an diesem Abend unbedingt ein eindeutiger Sieger gefunden werden. Natürlich wusste jeder, dass es niemals ein klares Ergebnis geben würde. Keine Boyband stellte sich vor tausende Fans und erklärte anschließend einer Hälfte der Halle, sie habe verloren.
Als Benjamin bemerkte, dass er die hinteren Reihen nicht richtig sehen konnte, reagierte er auf die einzig logische Art, die einem energiegeladenen Boyband-Mitglied im Jahr 1995 offenbar zur Verfügung stand: Er kletterte an einem Bühnenmast hoch.
Heute würde vermutlich sofort jemand aus dem Produktionsteam nervös werden, Sicherheitsvorschriften zitieren oder hektisch nach einem Verantwortlichen suchen. Damals betrachteten wir es einfach als weiteren Beweis dafür, dass Benjamin alles gab, um auch den letzten Fan in der hintersten Reihe zu erreichen.
Ob die linke oder die rechte Seite tatsächlich lauter war, lässt sich bis heute nicht zweifelsfrei klären. Fans von Bastiaan und Benjamin werden vermutlich eine andere Erinnerung daran haben als Fans von Eloy und Lee. Fest steht nur: Am Ende fühlten wir uns alle wie Gewinnerinnen, denn wir hatten mit den Jungs gemeinsam gesungen und waren für einen Moment Teil der Show gewesen.
Love Is Everywhere und der Moment, der geblieben ist
Nach all der Energie, dem Springen, den Salti und dem spielerischen Wettbewerb kam einer jener Momente, in denen sich die Atmosphäre in der Halle veränderte. Die ersten Töne von „Love Is Everywhere“ erklangen, und plötzlich wurde aus der wilden Party ein großer gemeinsamer Teenagertraum.
„Love Is Everywhere“ war für viele von uns mehr als nur ein erfolgreicher Song. Er war eng mit dem Durchbruch von Caught in the Act in Deutschland verbunden, mit ihren ersten großen Fernsehauftritten und mit dem Gefühl, die vier Jungs irgendwie von Anfang an begleitet zu haben. Sobald die Melodie begann, waren all diese Erinnerungen wieder da.
In der Halle schwebten Seifenblasen durch die Luft, das Licht spiegelte sich darin und verwandelte die Bühne in jene glitzernde Welt, die wir sonst nur aus Musikvideos kannten. Für ein paar Minuten wirkte alles weich, romantisch und beinahe unwirklich.
Wir sangen mit, obwohl unsere Stimmen längst angeschlagen waren. Manche Fans weinten, andere legten den Arm um ihre Freundin, und vermutlich gab es in diesem Moment sehr viele stille Schwüre, Eloy, Bastiaan, Lee oder Benjamin für immer zu lieben.
Einige dieser Schwüre hielten erstaunlich lange.
Natürlich veränderte sich unser Leben. Wir wurden älter, tauschten Schulranzen gegen Handtaschen, Discman gegen Smartphones und BRAVO-Poster gegen gerahmte Fotos oder Erinnerungsboxen. Caught in the Act trennten sich, gingen eigene Wege und fanden Jahre später teilweise wieder zusammen. Trotzdem genügt bis heute manchmal ein Lied, ein altes Video oder eine kurze Konzertaufnahme, und plötzlich ist dieses Gefühl wieder da.
Wer sich auch an die späteren Jahre erinnern möchte, kann im CITA-Forum anschließend den Beitrag über das Comeback von Caught in the Act im Jahr 2015 lesen. Gerade im Vergleich wird deutlich, wie tief die gemeinsamen Erlebnisse aus den 90ern in uns verankert geblieben sind.
Das Fanvideo vom CITA Konzert 1995 ist deshalb weit mehr als eine alte Konzertaufnahme. Es ist ein kleines Zeitfenster. Man sieht nicht nur vier junge Sänger auf der Bühne, sondern auch eine Generation von Fans, die ihre Begeisterung ohne Filter und ohne Zurückhaltung auslebte.
Es gab keine Smartphones, mit denen das komplette Konzert in gestochen scharfer Qualität aufgezeichnet wurde. Niemand kontrollierte während des Lieblingssongs, wie viele Menschen gerade eine Story angesehen hatten. Wir waren einfach dort. Wir sahen zur Bühne, hielten unsere Freundinnen fest und versuchten, jeden Augenblick in uns aufzusaugen.
Vielleicht wirken die Bilder heute etwas verwackelt, die Kleidung sehr eindeutig nach 1995 und manche Bühnenbewegungen aus heutiger Perspektive herrlich dramatisch. Doch genau darin liegt ihr Zauber. Diese Aufnahmen sind nicht perfekt, und unsere Erinnerungen sind es vermutlich ebenfalls nicht. Manche Details haben sich im Laufe der Jahre verändert, wurden größer, romantischer oder lustiger, als sie damals tatsächlich waren.
Das Gefühl aber ist geblieben.
Es ist dieses Kribbeln im Bauch, sobald das Licht ausgeht. Der Herzschlag aus dem Intro. Die Ansage der vier Namen. Benjamin, der plötzlich einen Salto macht. Lee, der mit seinem britischen Akzent eine Frage stellt, deren Antwort ohnehin feststeht. Eloy, der die Halle zur Party erklärt. Bastiaan, der gemeinsam mit Benjamin versucht, seine Seite beim Gesangstest zum Sieg zu führen.
Und schließlich „Love Is Everywhere“, während Seifenblasen durch die Luft schweben und wir für einen Moment glauben, dass dieser Abend niemals enden wird.
Vielleicht war das die eigentliche Magie eines CITA-Konzerts. Es ging nicht nur darum, die Jungs live zu sehen. Es ging um das Gefühl, zu etwas zu gehören. Um Freundschaften, die durch gemeinsame Lieblingssongs entstanden. Um Briefe, Fotos und stundenlange Telefongespräche. Um die Aufregung vor dem Konzert und die heisere Stimme am nächsten Morgen.
Wenn wir heute auf diese Zeit zurückblicken, lächeln wir vielleicht über die Intensität, mit der wir unsere Boyband liebten. Gleichzeitig wissen wir, dass genau diese Begeisterung ein wichtiger Teil unserer Jugend war. Wir haben nicht nur Musik gehört. Wir haben sie gelebt.
Und sobald dieses alte Intro erklingt, sind wir für 90 Sekunden wieder dort: mitten im Herbst 1995, irgendwo in einer dunklen Konzerthalle, umgeben von kreischenden Fans, mit klopfendem Herzen und dem sicheren Gefühl, dass gleich etwas ganz Großes passieren wird.
CITA-Konzert 1995: Ausschnitte aus einer Privataufnahme!
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