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Willkommen zurück in Deiner Teenie-Zeit!

Als der ZDF Fernsehgarten plötzlich nach Boyband-Fieber roch

Sonntagvormittag im Jahr 1995. In der Küche lief vermutlich die Kaffeemaschine, auf dem Wohnzimmertisch standen Tassen mit Blümchenmuster und irgendwo raschelte jemand ausgesprochen erwachsen mit der Sonntagszeitung. Der Fernseher war eingeschaltet, allerdings nicht, weil wir Teenager das Programm ausgesucht hätten, sondern weil der ZDF Fernsehgarten zu diesen Sendungen gehörte, die in vielen Familien einfach liefen. Man musste sich nicht verabreden, man brauchte keine Programmzeitschrift und musste schon gar keine Videokassette bereithalten. Der Fernsehgarten war da. So zuverlässig wie das Mittagessen und die Frage, ob man seine Hausaufgaben schon erledigt hatte.

Normalerweise war das kein Grund, die Lautstärke aufzudrehen oder sich mit klopfendem Herzen näher an den Bildschirm zu setzen. Schließlich bestand ein durchschnittlicher Fernsehgarten-Sonntag aus Schlagermusik, Kochideen, sportlichen Vorführungen, Menschen mit Sonnenhüten und Erwachsenen, die überraschend begeistert im Takt klatschen konnten. Als Teenager nahm man das zur Kenntnis, während man nebenbei in einer Zeitschrift blätterte oder darüber nachdachte, wie man später möglichst unbemerkt das Telefon ins eigene Zimmer bekommen könnte.

Doch dann standen plötzlich Caught in the Act im ZDF Fernsehgarten.

Eloy de Jong, Lee Baxter, Benjamin Boyce und Bastiaan Ragas betraten die Bühne, und innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich eine gemütliche Sonntagssendung in ein Ereignis, über das am Montag auf dem Schulhof gesprochen werden musste. Man konnte förmlich spüren, wie überall in Deutschland Zeitschriften zur Seite gelegt, Colagläser beinahe umgestoßen und Mütter mit einem verwunderten „Was ist denn jetzt los?“ angeschaut wurden.

Denn wir wussten natürlich ganz genau, was los war.

Unsere Jungs waren da.

Nicht in der BRAVO, nicht auf einem Poster und nicht als winziges Foto auf einer selbst aufgenommenen Musikkassette, sondern mitten im Fernsehgarten, in Farbe, in Bewegung und in Outfits, über die man heute vermutlich eine ganze Modesendung drehen könnte. Mein Teenie-Herz verstand in diesem Moment nur eine einzige Botschaft: Caught in the Act waren inzwischen überall angekommen. Sogar dort, wo eigentlich unsere Eltern das Fernsehprogramm bestimmten.

Als Caught in the Act im ZDF Fernsehgarten auftauchten

Im Frühjahr 1995 präsentierten Caught in the Act im ZDF Fernsehgarten ihre zweite Single „My Arms Keep Missing You“. Der Song folgte auf „Love Is Everywhere“, mit dem die Band in Deutschland gerade ihren großen Durchbruch erlebt hatte, und gehörte zum Debütalbum „Caught in the Act of Love“.

Heute würden Marketingfachleute vermutlich von einer wichtigen Fernsehpräsenz, einer Erweiterung der Zielgruppe und einem strategisch wertvollen Auftritt in einer reichweitenstarken Unterhaltungssendung sprechen. Wir Teenager dachten wesentlich weniger kompliziert. Für uns bedeutete dieser Auftritt schlicht: Sie sind schon wieder im Fernsehen. Und dieses „schon wieder“ war keineswegs genervt gemeint, sondern stellte den größtmöglichen Zustand des Glücks dar.

Noch wenige Monate zuvor hatten viele von uns ihre Namen vielleicht zum ersten Mal gehört. Dann kamen „Love Is Everywhere“, die Auftritte bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, die ersten großen Berichte in den Jugendzeitschriften und jene Poster, die mit Tesafilm, Reißzwecken oder einer beeindruckenden Menge Klebeknete an den Wänden befestigt wurden. Manche Zimmer verwandelten sich innerhalb kürzester Zeit in eine Art private CITA-Gedenkstätte, obwohl von Vergangenheit damals natürlich keine Rede sein konnte. Wir waren schließlich überzeugt, dass diese vier Jungs für immer zusammenbleiben würden und unsere jeweilige Lieblingskonstellation irgendwann ganz bestimmt noch eine persönliche Rolle in unserem Leben spielen könnte.

Die Hoffnung war groß, die Logik eher klein, aber genau das gehörte zum Teenagersein dazu.

Der Auftritt im Fernsehgarten fühlte sich deshalb wie eine weitere Bestätigung an, dass unsere Begeisterung vollkommen berechtigt war. Caught in the Act waren keine kleine Schwärmerei, die nach drei Wochen von einem neuen Star abgelöst werden würde. Sie waren auf dem besten Weg, sich fest in unserem Alltag einzurichten. Ihre Musik lief im Walkman, ihre Gesichter begleiteten uns beim Einschlafen und ihre Namen tauchten in Schulheften auf, in denen eigentlich Bruchrechnungen oder englische Vokabeln stehen sollten.

Wobei sich Lee, Eloy, Benjamin und Bastiaan natürlich deutlich leichter auswendig lernen ließen als unregelmäßige englische Verben.

Dass die Band nun im ZDF Fernsehgarten auftrat, verlieh unserem Boyband-Fieber beinahe etwas Offizielles. Die Erwachsenen konnten nicht mehr behaupten, das sei irgendeine Gruppe, die nur in Teenagerzeitschriften vorkomme. Nein, diese vier Jungs standen jetzt in einer der bekanntesten deutschen Unterhaltungssendungen. Mitten am Sonntagvormittag. Zwischen all den Programmpunkten, die sonst eher für unsere Eltern und Großeltern gedacht waren.

Unsere Musik war im Erwachsenenfernsehen angekommen. Und wir gleich mit.

„My Arms Keep Missing You“ und vier Outfits für die Ewigkeit

Wer sich heute Aufnahmen aus den 90er-Jahren ansieht, wird früher oder später mit einer wichtigen Frage konfrontiert: Warum trugen damals eigentlich so viele Menschen Westen?

Westen über Shirts, Westen ohne erkennbaren praktischen Nutzen, Westen kombiniert mit Ketten, auffälligen Hosen und Oberteilen, deren Farben sich gegenseitig nicht nur ergänzten, sondern teilweise regelrecht anschrien. Dazu kamen Fallschirmspringerhosen, Leder, enge Stoffe, lockere Stoffe und Accessoires, bei denen man nicht immer genau wusste, ob sie zur Choreografie gehörten oder in einer spontanen Umkleideaktion hinzugefügt worden waren.

Caught in the Act bildeten da keine Ausnahme. Ihre frühen Bühnenoutfits waren bunt, körpernah und aus heutiger Sicht herrlich kompromisslos. Niemand schien sich Sorgen darüber zu machen, ob ein Kleidungsstück zeitlos war oder sich auch in dreißig Jahren noch vorteilhaft fotografieren lassen würde. Die Kleidung sollte auffallen, sich bewegen und aus der Entfernung erkennbar sein. Vor allem aber gehörte sie zu einer Zeit, in der Popstars noch nicht aussahen, als hätten sie alle dieselbe minimalistische Modeberatung gebucht.

Damals fanden wir diese Outfits nicht ironisch. Wir fanden sie großartig.

Die bunten Oberteile, die eng anliegenden Shirts und die lässigen Hosen machten die vier Jungs unverwechselbar. Jeder hatte seine eigene Ausstrahlung, trotzdem wirkten sie zusammen wie eine Einheit. Eloy mit seiner Präsenz und dem strahlenden Lächeln, Bastiaan mit dieser Mischung aus Charme und Ruhe, Benjamin mit seiner frechen Energie und Lee mit jener Art, in die Kamera zu schauen, die bei einem erheblichen Teil des Publikums kurzfristig das Denken ausschaltete.

Man beobachtete natürlich nicht nur die gesamte Band. Man hatte seinen Favoriten und entwickelte eine erstaunliche Fähigkeit, ihn selbst in schnellen Kameraschwenks sofort zu finden. Während andere Menschen einen Fernsehauftritt als Ganzes betrachteten, führten wir innerlich eine detaillierte Auswertung durch. Wer hatte am längsten in die Kamera geschaut? Wer hatte gelächelt? Wer stand vorne? Wer hatte sich während der Choreografie in welche Richtung gedreht? Und konnte es eventuell sein, dass dieser eine Blick direkt für uns bestimmt gewesen war?

Natürlich konnte es sein. Zumindest in unserer Version der Geschichte.

„My Arms Keep Missing You“ passte perfekt in diese Phase der Band. Der Song war eingängig, romantisch und schnell genug, um eine Choreografie zu erlauben, bei der sich vier junge Männer synchron über eine Bühne bewegen konnten, ohne dass es allzu angestrengt aussah. Schon der Titel enthielt alles, was ein Teenie-Herz benötigte: Sehnsucht, vermisste Nähe und die leise Vorstellung, dass ein bestimmtes Bandmitglied seine Arme möglicherweise ebenfalls nach jemandem ausstreckte.

Dass diese Person wahrscheinlich nicht ausgerechnet in unserem Kinderzimmer in Bruchsal, Hamburg, Köln oder Erfurt saß, war eine Information, die wir großzügig ignorierten.

Musik funktionierte damals nicht nur über den Song. Sie funktionierte über Blicke, Bewegungen, Kleidung und kleine Momente, die nach einem einzigen Fernsehauftritt stundenlang besprochen werden konnten. Wer einen Videorekorder besaß und rechtzeitig auf Aufnahme gedrückt hatte, war in der Schule am nächsten Tag beinahe so wichtig wie jemand, der persönliche Kontakte zur Band behauptete. Die Kassette wurde ausgeliehen, überspielt und anschließend immer wieder zurückgespult, bis das Bild irgendwann kleine Störungen bekam.

Streaming hätte uns damals vermutlich viel Zeit erspart. Es hätte allerdings auch verhindert, dass wir lernten, eine Videokassette mit erstaunlicher Präzision genau an der Stelle anzuhalten, an der unser Lieblingsmitglied in die Kamera lächelte.

Als plötzlich nichts mehr hielt: Der legendäre Bühnensturm

Am Ende der Sendung passierte das, wovon wir Teenies heimlich träumten – und wovor alle Verantwortlichen wahrscheinlich Albträume hatten.

Die damalige Moderatorin Ramona Leiß, die den ZDF Fernsehgarten von 1993 bis 1999 moderierte und unglaubliche 101 Sendungen präsentierte, bat alle Künstler zum großen Abschluss auf die Bühne.

Doch dann passierte etwas anderes:
Die Fans stürmten die Bühne.

Plötzlich waren Eloy, Lee, Benjamin und Bastiaan umringt von zumeist weiblichen Fans. Hände, Tränen, Schreie, Umarmungen – ein Chaos aus Emotionen. Für uns vor dem Fernseher war das der ultimative Beweis: Wir sind nicht allein. Alle lieben sie.

Und für die Fans vor Ort?
Ganz ehrlich: Das war wahrscheinlich einer der aufregendsten Tage ihres Teenie-Lebens.

Der Bühnensturm, der den Sonntagvormittag sprengte

Der eigentliche Höhepunkt des Fernsehgarten-Auftritts kam am Ende der Sendung. Ramona Leiß, die das Format von 1993 bis 1999 moderierte und in dieser Zeit 101 Sendungen präsentierte, bat die Künstler zum großen Finale auf die Bühne. Eigentlich ein vertrauter Abschluss: Noch einmal alle Beteiligten zusammenholen, freundlich winken, Abspann, fertig.

Doch an diesem Sonntag hielt sich die Begeisterung des jungen Publikums nicht an den vorgesehenen Ablauf.

Fans drängten auf die Bühne und umringten Eloy, Lee, Benjamin und Bastiaan. Innerhalb weniger Augenblicke war von der geordneten Fernsehgarten-Choreografie nicht mehr viel übrig. Überall waren Arme, aufgeregte Gesichter und Mädchen, die plötzlich ihrem Idol so nahe waren, wie sie es sich wahrscheinlich seit Wochen ausgemalt hatten. Es wurde gerufen, gelacht, geweint, festgehalten und vermutlich von einigen Verantwortlichen hinter den Kulissen ausgesprochen nervös nach einer Lösung gesucht.

Für die Zuschauerinnen vor dem Fernseher war dieser Bühnensturm dagegen ein überwältigender Anblick. Er zeigte, dass die Begeisterung, die wir selbst empfanden, kein einsamer Zustand war. Überall gab es Mädchen, die genauso reagierten, sobald Caught in the Act auftauchten. Sie klebten dieselben Poster an ihre Wände, hörten dieselben Songs und hielten vermutlich ebenfalls den Atem an, sobald Lee, Eloy, Benjamin oder Bastiaan in die Kamera blickten.

In diesem Moment wurde aus vielen einzelnen Fangeschichten eine große gemeinsame Erfahrung.

Natürlich betrachtete man die Mädchen auf der Bühne nicht ausschließlich mit großmütiger Freude. Ein kleiner Teil in uns fragte sich durchaus, warum ausgerechnet sie dort sein durften, während wir auf dem Sofa saßen und höchstens die Fernbedienung umklammern konnten. Wahrscheinlich gab es in deutschen Wohnzimmern an diesem Vormittag eine beachtliche Menge jugendlicher Empörung. Warum hatten unsere Eltern nicht vorgeschlagen, zum ZDF-Sendezentrum nach Mainz zu fahren? Warum hatten sie das Talent zur Zukunftsplanung offensichtlich komplett unterschätzt?

Trotzdem überwog die Faszination. Diese Fans waren stellvertretend für uns dort oben. Sie taten das, was viele von uns gern getan hätten, wenn sich zwischen uns und der Band nicht ein Fernseher, mehrere Hundert Kilometer und die elterliche Sonntagsplanung befunden hätten.

Der Bühnensturm war unordentlich, spontan und emotional. Gerade deshalb blieb er im Gedächtnis. Perfekt inszenierte Auftritte gab es viele, doch solche Momente ließen sich nicht planen. Niemand konnte exakt vorhersagen, wie stark eine Boyband die Stimmung einer Sendung verändern würde, die normalerweise nicht für kreischende Teenager bekannt war.

Aus einem gemütlichen Fernsehgarten-Finale war innerhalb weniger Sekunden ein kleiner Ausnahmezustand geworden. Und mittendrin standen vier junge Männer, deren Karriere in Deutschland gerade erst richtig Fahrt aufnahm.

Warum dieser Auftritt mehr war als nur Promotion

Der ZDF Fernsehgarten war nie eine klassische Jugendsendung. Gerade das machte den Auftritt von Caught in the Act so bedeutsam. Die Band erschien nicht in einer vertrauten Teenagerwelt, in der ohnehin Poster, Popmusik und Fanfragen dominierten. Sie tauchte in einem Format auf, das Generationen miteinander verband und ein ausgesprochen breites Publikum erreichte.

Plötzlich saßen Teenager freiwillig neben ihren Eltern vor dem Fernseher. Die einen warteten auf den nächsten Schlagerstar, die anderen auf einen kurzen Kamerablick von Benjamin oder Lee. Für ein paar Minuten existierten diese unterschiedlichen Fernsehwünsche nebeneinander, wobei die Lautstärke des jüngeren Publikums vermutlich deutlich machte, wer den emotional größeren Einsatz mitbrachte.

Der Fernsehgarten wird seit 1986 ausgestrahlt und entwickelte sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil des deutschen Sommerprogramms. Live-Musik, Gespräche, Comedy, Sport, Lifestyle-Themen und ein Publikum unmittelbar an der Bühne gehörten zum Konzept. Diese Nähe sorgte dafür, dass Auftritte weniger distanziert wirkten als in einer großen Konzerthalle. Künstler standen nicht weit entfernt hinter Absperrungen und Lichteffekten, sondern scheinbar mitten zwischen den Menschen.

Für eine Boygroup wie Caught in the Act war das ideal. Die vier wirkten zu diesem Zeitpunkt bereits wie Stars, gleichzeitig aber noch erreichbar. Man konnte sich vorstellen, ihnen zufällig zu begegnen, sie bei einer Autogrammstunde zu treffen oder irgendwann tatsächlich in der ersten Reihe zu stehen. Zwischen der Band und ihren Fans lag noch kein unüberwindbarer Schutzwall aus Sicherheitskräften, exklusiven Zugängen und perfekt kontrollierten Social-Media-Auftritten.

Vielleicht war genau diese Mischung ein wichtiger Teil ihrer Wirkung. Sie waren bewundernswert genug, um ganze Wände mit ihren Bildern zu tapezieren, und gleichzeitig nahbar genug, um von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen. Nicht besonders realistisch, aber erstaunlich ausdauernd.

Der Auftritt zeigte außerdem, wie schnell sich Popkultur damals verbreiten konnte, obwohl es weder TikTok noch Instagram oder tägliche Livestreams gab. Ein einziger Fernsehauftritt reichte aus, um am nächsten Morgen Gesprächsthema auf Schulhöfen zu sein. Man musste zur richtigen Uhrzeit vor dem Fernseher sitzen oder jemanden kennen, der aufgenommen hatte. Wer den Moment verpasste, konnte ihn nicht wenige Minuten später online suchen. Vielleicht machte gerade diese Begrenzung solche Auftritte besonders wertvoll.

Sie gehörten nicht jederzeit allen. Sie gehörten zunächst denen, die dabei gewesen waren.

Das verlieh einem Sonntagvormittag plötzlich Bedeutung. Aus einer Sendung, die im Hintergrund laufen sollte, wurde eine Erinnerung, die Jahrzehnte später noch lebendig ist. Wir erinnern uns nicht nur daran, welches Lied gesungen wurde, sondern auch an das Gefühl im Raum, an die spontane Aufregung und an die Erkenntnis, dass unsere Boyband nun endgültig den Weg aus dem Kinderzimmer in die große Fernsehwelt geschafft hatte.

Wer noch tiefer in die Anfangsjahre der Band eintauchen möchte, könnte an dieser Stelle zu einem Beitrag über den Durchbruch mit „Love Is Everywhere“ oder über die frühen Singles von Caught in the Act weitergeführt werden. Auch ein Rückblick auf die legendären CITA-Outfits der 90er-Jahre würde sich als interne Verlinkung anbieten – schließlich liefern allein die Westen genügend Stoff für mehrere Kapitel.

Wenn ein Fernsehgarten-Auftritt zur Zeitmaschine wird

Wenn ich mir den Auftritt heute ansehe, fallen mir natürlich andere Dinge auf als damals. Ich sehe die Mode, die Choreografie, die Kameraführung und eine Fernsehwelt, die deutlich weniger durchgestylt wirkte als heutige Produktionen. Gleichzeitig dauert es nur wenige Sekunden, bis diese erwachsene Betrachtung wieder verschwindet.

Dann bin ich nicht mehr die Frau, die Jahrzehnte später einen alten Fernsehauftritt analysiert. Ich sitze wieder auf dem Sofa, halte mein Glas Cola in der Hand und überlege, wie ich am Montag möglichst eindrucksvoll erzählen kann, was ich gesehen habe. Ich höre „My Arms Keep Missing You“, erkenne die ersten Bewegungen der Choreografie und weiß sofort wieder, welcher Blick mir damals besonders wichtig erschien.

Erinnerungen funktionieren manchmal seltsam. Große Lebensereignisse verschwimmen, während ein einzelner Fernsehauftritt mit überraschender Klarheit erhalten bleibt. Vielleicht liegt es daran, dass solche Momente mit so vielen Gefühlen verbunden waren. Musik war nicht nur Unterhaltung. Sie war Rückzugsort, Hoffnung, Fantasie und ein Bestandteil unserer Identität.

Wir liebten Boybands nicht beiläufig. Wir sammelten, warteten, tauschten und verteidigten unsere Favoriten mit einer Ernsthaftigkeit, die Erwachsene oft belächelten. Dabei übersahen sie, dass es nie ausschließlich um vier hübsche Jungs ging. Es ging um Freundschaften, Zugehörigkeit und um die aufregende Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein, in der ein Lied manchmal besser ausdrücken konnte, was in uns vorging, als wir es selbst geschafft hätten.

Der Auftritt von Caught in the Act im ZDF Fernsehgarten gehört deshalb zu jenen Erinnerungen, die viel größer sind als ihre eigentliche Länge. Auf dem Papier waren es nur wenige Minuten Musik und ein chaotisches Finale. Für uns bedeutete es jedoch, dass unsere Welt für einen Moment die gewöhnliche Sonntagswelt der Erwachsenen übernommen hatte.

Die Kaffeetassen standen noch auf dem Tisch, die Zeitung lag noch aufgeschlagen da und wahrscheinlich warteten die Hausaufgaben weiterhin auf ihre Erledigung. Aber im Fernsehen sangen Caught in the Act, Fans stürmten die Bühne und der ZDF Fernsehgarten roch plötzlich nicht mehr nach Schlager, Sommerrezepten und Bratwurst.

Er roch nach Haarspray, Teenie-Träumen und Boyband-Fieber.

Und ganz ehrlich: Ein bisschen davon liegt bis heute in der Luft, sobald die ersten Töne von „My Arms Keep Missing You“ erklingen.

Der Auftritt zum Wiedererleben

Wer den legendären Auftritt heute noch einmal anschaut, sollte sich nicht nur auf die Musik konzentrieren. Achtet auf die Kleidung, die Blicke, die Bewegungen und natürlich auf das Finale, in dem der sorgfältig geplante Ablauf der Sendung für einen Moment vollkommen nebensächlich wurde.

Vielleicht sitzt ihr dann plötzlich wieder in eurem alten Kinderzimmer, umgeben von Postern, Kassetten und Heften voller ausgeschnittener Bilder. Und vielleicht erinnert ihr euch sogar noch daran, wem euer Herz damals gehörte.

Bei manchen war es Eloy. Bei anderen Bastiaan oder Benjamin.

Und dann gab es natürlich diejenigen, die beim ersten Blick auf Lee vergessen hatten, dass im Fernsehen eigentlich noch drei weitere Männer standen.

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CITA 1995 im ZDF Fernsehgarten mit „My arms keep missing you“:

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