Benjamin Boyce Popkomm 2000: Seltene Songs, Solo-Mut und ein Hauch 90er-Magie
Manche Videos aus der Caught-in-the-Act-Zeit und den Jahren danach fühlen sich heute ein bisschen an wie alte Fundstücke aus einer Schublade, die man eigentlich nur kurz aufräumen wollte. Man zieht ein Band, eine Datei oder einen längst vergessenen Mitschnitt hervor, klickt aus Neugier drauf und plötzlich ist man nicht mehr im Hier und Jetzt, sondern wieder irgendwo zwischen BRAVO-Postern, aufgeregtem Herzklopfen und dieser ganz eigenen Mischung aus Teenie-Drama und Musikfernsehen, die uns damals gefühlt durch jede Woche getragen hat. Genau so ein Moment ist der Auftritt von Benjamin Boyce bei der Popkomm 2000.
Die Popkomm war damals nicht einfach nur irgendeine Messe, auf der Menschen mit Klemmbrettern durch Hallen liefen und über Verträge, Labels und Vermarktung sprachen. Für Musikfans hatte sie etwas von einem großen Schaufenster in die Branche, während für Künstler, Produzenten, Manager und Plattenfirmen klar war: Hier wurde gesehen, gehört, vernetzt und manchmal auch ein kleines Stück Zukunft verhandelt. Wenn dort jemand auf der Bühne stand, war das mehr als ein normaler Auftritt zwischen zwei Terminen. Es war ein Signal. Man gehörte noch dazu. Man wurde wahrgenommen. Man hatte etwas zu zeigen.
Und genau deshalb ist Benjamin Boyce Popkomm 2000 aus heutiger Sicht ein spannender kleiner Zeitkapsel-Moment. Denn Ben stand dort nicht mehr als einer von vier Jungs auf der Bühne, nicht mehr eingebettet in die perfekt choreografierte Caught-in-the-Act-Welt mit vertrauten Harmonien, kreischenden Fanblöcken und diesen Blicken, bei denen wir früher wahrscheinlich kollektiv vergessen haben, wie Atmen funktioniert. Er stand dort als Solokünstler. Als Benjamin Boyce. Mit eigenen Songs, eigener Ausstrahlung und diesem leicht anderen Vibe, den man nach einer Boyband-Zeit erst einmal finden muss.
Benjamin Boyce Popkomm 2000: Ein Solo-Moment mit Nachhall
Im August 2000 hatte Benjamin Boyce die große Ehre, bei der Popkomm als Headliner aufzutreten. Schon allein dieses Wort klingt rückblickend größer, als man es damals vielleicht wahrgenommen hat. Headliner. Das ist nicht „ach, der singt da auch mal kurz“. Das ist ein Platz im Licht, ein Moment, in dem der Name vorne steht und die Erwartung gleich mit auf die Bühne kommt. Für einen Künstler, der wenige Jahre zuvor noch Teil einer der beliebtesten Boygroups der 90er gewesen war, hatte das eine besondere Bedeutung.
Nach Caught in the Act war für Benjamin vieles neu. Die große Gruppenstruktur war weg, die vertraute Dynamik ebenso, und plötzlich musste er sich als Solokünstler positionieren. Das klingt heute vielleicht selbstverständlich, weil viele ehemalige Boyband-Mitglieder irgendwann ihre eigenen Wege gehen, doch damals war dieser Übergang alles andere als einfach. Fans liebten CITA als Gesamtgefühl. Jeder hatte zwar seinen Liebling, natürlich, wir waren ja nicht aus Stein, aber die Magie entstand eben auch durch das Zusammenspiel. Wenn einer daraus hervortrat, schaute man automatisch genauer hin. Passt das noch? Klingt das noch nach ihm? Oder will er jetzt etwas ganz anderes sein?
Bei der Popkomm 2000 präsentierte Benjamin unter anderem die Songs „Feeling inside“ und „Lonely“. Zwei Titel, die für Fans besonders interessant sind, weil sie nicht auf seinem 1999 erschienenen Debütalbum „Benjamin Boyce“ enthalten waren. Allein das macht den Auftritt heute schon zu einem kleinen Schatz für Sammlerinnen, Nostalgikerinnen und all jene, die sich gern durch alte Musikmomente wühlen, als würden sie nach verloren geglaubten Bravo-Stickern suchen.
„Feeling inside“ und „Lonely“ wirken dadurch wie zwei kleine musikalische Seitenwege. Keine großen, breit bekannten Singles, die jeder sofort mitsingen kann, sondern eher diese Songs, bei denen man innehält und denkt: Moment mal, das kenne ich ja gar nicht so richtig. Und genau solche Entdeckungen sind es, die alte Fanliebe manchmal wieder ganz frisch machen. Nicht, weil alles perfekt produziert oder charttechnisch riesig gewesen sein muss, sondern weil man plötzlich eine Facette wiederentdeckt, die irgendwo zwischen den bekannten Erinnerungen versteckt lag.
Zwischen Musikmesse und Fanherz
Die Popkomm selbst hatte eine lange Geschichte. 1989 fand sie erstmals in Düsseldorf statt, später zog sie nach Köln und wurde dort zu einem wichtigen Treffpunkt der Musikbranche. Für viele Jahre war sie eine der bedeutenden Plattformen für Musik, Entertainment, Labels, Verlage, Managements, Medien und all die Menschen, die hinter den Kulissen dafür sorgten, dass Songs nicht nur im Studio entstanden, sondern ihren Weg in die Welt fanden. Irgendwann zog die Popkomm weiter nach Berlin, veränderte sich, wurde Teil neuer Konzepte und verschwand schließlich als klassisches Format aus der großen Messelandschaft.
Aber im Jahr 2000 war sie noch genau dieser Ort, an dem Popmusik nicht nur gefeiert, sondern auch verhandelt wurde. Das ist ein interessanter Gedanke, wenn man sich Benjamins Auftritt heute anschaut. Für uns Fans war das natürlich in erster Linie Musik, Stimme, Bühne, Erinnerung und vielleicht ein kleines „Ach guck mal, Ben!“. Für die Branche aber war es auch ein Auftritt in einem Umfeld, in dem man sich zeigen musste. Ein ehemaliger Boyband-Star, der nicht in der Vergangenheit stehen bleiben wollte, sondern musikalisch weiterging.
Und genau da wird es emotional spannend. Denn viele von uns haben die CITA-Zeit damals nicht einfach als Musikphase erlebt, sondern als Teil unserer eigenen Jugend. Das war die Zeit, in der ein neuer Auftritt im Fernsehen den ganzen Nachmittag retten konnte, in der man Video-Rekorder programmierte, als hinge das eigene Schicksal davon ab, und in der ein kurzer Blick in die Kamera locker für drei Tage inneres Chaos reichen konnte. Wenn Jahre später einer dieser Jungs solo auftrat, war das für uns nicht nur „ein Künstler macht Musik“. Es war auch die Frage, wie sich unser altes Gefühl verändert hatte.
Benjamin Boyce bei der Popkomm 2000 steht deshalb für mehr als zwei seltene Songs. Der Auftritt erinnert an diese Zwischenzeit, in der die 90er noch nicht ganz vorbei waren, obwohl sie kalendarisch bereits Geschichte wurden. Das Jahr 2000 fühlte sich damals neu und aufregend an, aber irgendwie hing noch überall ein Rest 90er-Luft in den Klamotten. Musikfernsehen war noch wichtig, Fanaufnahmen waren noch kleine Schätze, und wer einen besonderen Mitschnitt hatte, bewahrte ihn nicht einfach als Datei in irgendeiner Cloud auf, sondern meist auf VHS, beschriftet mit Kugelschreiber und vielleicht einem kleinen Herzchen neben dem Namen. Wir waren schließlich professionell. Also, emotional professionell zumindest.
„Feeling inside“ und „Lonely“: Zwei Songs abseits des Albums
Dass Benjamin bei der Popkomm 2000 ausgerechnet „Feeling inside“ und „Lonely“ sang, macht den Mitschnitt heute besonders reizvoll. Sein Debütalbum „Benjamin Boyce“ war bereits 1999 erschienen und zeigte ihn als Solokünstler in einer neuen Phase. Doch diese beiden Songs gehörten nicht zum Album, was sofort neugierig macht. Waren es Stücke, die für ein weiteres Projekt gedacht waren? Waren es Live-Songs, die ausprobiert wurden? Oder einfach Titel, die zwar existierten, aber nie den großen Weg auf eine reguläre Albumveröffentlichung fanden?
Gerade „Lonely“ passt vom Titel her fast schon symbolisch in diese Phase. Natürlich sollte man in einen Songtitel nicht gleich ein komplettes Künstlerleben hineininterpretieren, auch wenn wir ehemaligen Boyband-Fans darin durchaus geübt sind. Gib uns ein Gruppenfoto, eine Songzeile und einen Blick zur Seite, und wir bauen daraus eine dreiteilige Analyse mit emotionalem Nebenplot. Trotzdem hat dieses Wort eine gewisse Wirkung. „Lonely“ – einsam – klingt nach Umbruch, nach Alleinstehen, nach dem Moment, in dem aus einem Bandmitglied plötzlich ein einzelner Künstler wird.
Auch „Feeling inside“ trägt diesen inneren Blick schon im Titel. Es geht nicht um die große Showfassade, nicht um das perfekte Lächeln, nicht um das klassische Boyband-Versprechen, sondern um etwas, das innen passiert. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem man Benjamins Solozeit fairer betrachten sollte. Viele Fans erwarteten nach Caught in the Act unbewusst vielleicht noch ein ähnliches Gefühl, nur eben mit einem Namen statt vier. Aber ein Solokünstler muss nicht die alte Gruppendynamik ersetzen. Er darf anders sein. Er darf suchen. Er darf ausprobieren. Und ja, er darf auch Songs singen, die später nicht auf jedem offiziellen Album landen.
Für uns heute ist das fast ein Geschenk. Denn solche seltenen Auftritte erzählen oft mehr über eine Übergangszeit als die großen, durchgeplanten Promotion-Momente. Sie zeigen einen Künstler in Bewegung. Nicht fertig einsortiert, nicht komplett durchglättet, sondern unterwegs. Benjamin Boyce Popkomm 2000 wirkt deshalb wie ein Ausschnitt aus einem Kapitel, das im großen CITA-Gedächtnis manchmal ein bisschen untergeht. Zwischen der Auflösung der Band, den ersten Solo-Veröffentlichungen und dem, was später aus den einzelnen Karrieren wurde, gab es diese Momente, in denen alles offen war.
Wenn ein ehemaliger Boyband-Star seinen eigenen Platz sucht
Nach einer Boyband-Zeit solo weiterzumachen, klingt von außen oft leichter, als es ist. Man bringt Bekanntheit mit, ja. Man bringt Fans mit, zumindest einen Teil davon. Aber man bringt eben auch Erwartungen mit, und die können schwerer sein als jeder Bühnenkoffer. Die einen wollen genau das Gefühl zurück, das sie früher geliebt haben. Die anderen wünschen sich eine klare Weiterentwicklung. Wieder andere vergleichen jede Bewegung, jede Frisur und jede Songauswahl mit dem, was früher war. Und irgendwo dazwischen steht der Künstler und versucht, nicht nur Erinnerung zu bedienen, sondern auch eine eigene Gegenwart zu haben.
Benjamin hatte dabei eine besondere Position. Bei Caught in the Act war er für viele der charmante, blonde Sunnyboy mit dieser Mischung aus Lächeln, Stimme und Ausstrahlung, die damals zuverlässig Teenie-Herzen in den Ausnahmezustand versetzte. Solo konnte er sich davon nicht komplett lösen, denn natürlich bleibt das Bild in den Köpfen. Gleichzeitig wollte und musste er mehr sein als eine Erinnerung an Posterwände und Konzertkreischen.
Der Auftritt bei der Popkomm 2000 zeigt genau diese Spannung. Da ist noch der vertraute Ben, den viele aus der CITA-Zeit kannten, aber gleichzeitig ist da ein Künstler, der eigene Songs präsentiert und auf einer Bühne steht, die nicht nur nostalgisch funktioniert, sondern auch beruflich relevant ist. Das Publikum tobte, und doch war der Kontext ein anderer. Es ging nicht mehr um vier Jungs als gemeinsames Pop-Phänomen, sondern um einen Mann, der seinen eigenen Platz suchte.
Vielleicht berührt uns das heute auch deshalb, weil wir selbst inzwischen wissen, wie sich solche Übergänge anfühlen. Damals waren wir Teenager oder junge Erwachsene und dachten, das Leben würde irgendwann eine klare Richtung haben, am besten mit Soundtrack, perfekter Frisur und dramatischem Sonnenuntergang. Heute wissen wir: Manchmal steht man mitten im Leben ebenfalls auf einer inneren Popkomm-Bühne und versucht, mit neuen Songs zu überzeugen, obwohl alle einen noch aus einer alten Rolle kennen. Nur dass bei uns meistens keine tobende Menge davorsteht, sondern eher ein voller Wäschekorb und eine To-do-Liste, die verdächtig laut atmet.
Gerade deshalb hat dieser Auftritt etwas Warmes. Er erinnert daran, dass Veränderung nicht immer laut oder endgültig sein muss. Manchmal passiert sie in kleinen Live-Momenten, in Songs, die nicht jeder kennt, in Auftritten, die später fast verschwinden und dann doch wieder auftauchen. Benjamin Boyce Popkomm 2000 ist so ein Moment. Kein riesiges Kapitel mit Feuerwerk und goldener Überschrift, aber ein wertvolles Puzzlestück für alle, die die Geschichte von Caught in the Act und den Wegen danach gern vollständiger betrachten.
Warum dieser Auftritt heute noch sehenswert ist
Wenn man sich den Auftritt heute ansieht, schaut man natürlich mit anderen Augen darauf als im Jahr 2000. Damals war vieles noch Gegenwart. Heute ist es Erinnerung, und Erinnerung hat bekanntlich ihren eigenen Weichzeichner. Man achtet nicht nur auf die Songs, sondern auch auf die Stimmung, die Kleidung, die Bühne, die Art, wie sich Künstler bewegten, wie das Publikum reagierte und wie unfassbar analog sich diese ganze Zeit noch anfühlte.
„Feeling inside“ und „Lonely“ sind dabei keine Songs, die jeder sofort mit Benjamin Boyce verbindet, und genau das macht sie so spannend. Sie erweitern das Bild. Sie zeigen, dass seine Solozeit nicht nur aus den bekannten Veröffentlichungen bestand, sondern auch aus Material, das im Rückblick fast ein bisschen geheimnisvoll wirkt. Für Fans, die damals alles gesammelt haben, ist so ein Video wie ein kleines Wiedersehen mit einer Version von Ben, die man vielleicht gar nicht mehr so präsent hatte.
Gleichzeitig erzählt der Auftritt viel über die Popwelt um die Jahrtausendwende. Die klassische Boyband-Ära der 90er war nicht einfach mit einem Schlag vorbei, aber sie veränderte sich. Neue Sounds kamen, neue Stars rückten nach, das Musikfernsehen blieb stark, aber die Branche begann sich langsam zu drehen. Noch konnte niemand ahnen, wie sehr das Internet später alles verändern würde. Noch lebten solche Momente von Bühnen, Fernsehkameras, Messen, Magazinen und Fans, die sich gegenseitig erzählten, wo man welchen Auftritt sehen konnte.
Heute klicken wir auf ein Video und sind in Sekunden dort. Damals hätte man jemanden gebraucht, der jemanden kennt, der vielleicht eine Aufnahme hat, die man überspielen kann, natürlich mit leichtem Rauschen und dem Risiko, dass am Ende noch fünf Minuten Werbung von 2000 mit drauf sind. Und ganz ehrlich: Genau dieses Unperfekte fehlt manchmal. Es hatte etwas Persönliches. Es fühlte sich nach Schatzsuche an.
Benjamin Boyce bei der Popkomm 2000 ist deshalb nicht nur ein Video zum Anschauen, sondern auch ein kleines Stück Fanarchäologie. Man gräbt ein bisschen in der Vergangenheit, pustet den Staub herunter und stellt fest: Da ist noch etwas. Da war noch ein Song. Da war noch ein Auftritt. Da war noch dieser Moment, in dem Ben auf der Bühne stand und zeigte, dass seine Geschichte nach Caught in the Act weiterging.
Und vielleicht ist genau das der schönste Gedanke daran. Unsere Fanliebe von damals war nie nur auf einen einzigen Moment begrenzt. Sie ist mitgewachsen, hat sich verändert, wurde mal leiser, mal wieder lauter und taucht heute oft dann auf, wenn wir gar nicht damit rechnen. Ein alter Mitschnitt, ein seltener Song, ein Name in einer Überschrift, und plötzlich ist alles wieder da. Nicht genauso wie früher, aber vertraut genug, um kurz dieses kleine Ziehen im Herzen zu spüren.
Benjamin Boyce Popkomm 2000 ist so ein Erinnerungsfunke. Einer, der vielleicht nicht ganz so hell brennt wie die großen CITA-Auftritte aus den 90ern, aber gerade deshalb besonders schön ist. Weil er leiser ist. Seltener. Ein bisschen versteckter. Und weil er uns daran erinnert, dass auch nach dem großen Boyband-Kapitel noch viele kleine Geschichten kamen, die es wert sind, noch einmal erzählt zu werden.
Wer also Lust hat, Ben in dieser besonderen Solo-Phase wiederzusehen, kann sich den Auftritt bei der Popkomm 2000 noch einmal anschauen. Mit „Feeling inside“ und „Lonely“ gibt es zwei Songs zu hören, die nicht auf seinem Debütalbum enthalten sind und dadurch heute fast wie kleine musikalische Fundstücke wirken. Und wer danach kurz gedanklich wieder im Jahr 2000 landet, irgendwo zwischen Musikmesse, Fernsehaufzeichnung und Rest-90er-Gefühl, der ist hier vermutlich genau richtig.
Popkomm 2000 mit Benjamin Boyce:
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Ein toller auftritt und ein Sympathischer Typ, schade das ich nicht da sein konnte.