Es gibt diese ganz bestimmten Bilder, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis einbrennen. Nicht, weil sie besonders spektakulär waren, sondern weil sie sich genau richtig angefühlt haben. Ein grauer Nachmittag, ein bisschen Aufregung in der Luft, vielleicht sogar dieses leichte Kribbeln, das man früher hatte, wenn man wusste: Gleich passiert etwas, das man später immer wieder erzählen wird.
Genau so ein Moment war es, als NBC GIGA Ende der 90er Jahre aus dem Studio im Düsseldorfer Medienhafen sendete – und plötzlich ein vertrautes Gesicht auftauchte, das für viele von uns so viel mehr war als nur ein Sänger.
Benjamin Boyce stand dort nicht mehr als Teil von Caught in the Act, sondern allein. Und trotzdem fühlte es sich kein bisschen fremd an.
Zwischen Vergangenheit und Neuanfang: Benjamin Boyce bei NBC GIGA
1999 war ein seltsames Jahr für uns Fans. Die große Boyband-Ära, die uns durch unsere Teeniezeit getragen hatte, war plötzlich vorbei – zumindest so, wie wir sie kannten. Vieles hatte sich verändert, manches fühlte sich noch unwirklich an, und irgendwo zwischen all dem war da diese leise Frage: Wie geht es jetzt eigentlich weiter?
Als Benjamin bei NBC GIGA seine Solo-Single „10.000 Lightyears“ vorstellte, lag genau diese Stimmung in der Luft. Es war kein kompletter Neuanfang, aber auch kein einfaches „Weiter so“. Es war eher dieses vorsichtige Herantasten an etwas Neues, während man das Alte noch ganz fest im Herzen trug.
Vor dem Studio hatten sich – wie sollte es auch anders sein – schon früh Fans versammelt. Einige von ihnen waren sicher schon Stunden vorher da gewesen, mit klopfendem Herzen und der Hoffnung, einen kurzen Blick zu erhaschen. Vielleicht ein Lächeln. Vielleicht ein paar Worte. Vielleicht einfach nur diesen einen Moment, in dem man sich wieder wie früher fühlt.
Und als Benjamin darauf angesprochen wurde, merkte man sofort: Diese Verbindung war nie wirklich weg.
Er sprach davon, wie schön es sei, dass ihm so viele Fans treu geblieben waren. Dass er viele Gesichter wiedererkannte. Dass es ihn ehrlich freute, dass seine neue Musik angenommen wurde. Es war kein aufgesetzter PR-Satz, sondern klang eher wie jemand, der wirklich verstanden hat, was diese Jahre für beide Seiten bedeutet hatten.
Die kleinen Geschichten, die man nie vergisst
Wenn man heute darüber nachdenkt, waren es oft gar nicht die großen Bühnen oder die perfekt inszenierten TV-Auftritte, die hängen geblieben sind. Es waren diese kleinen, fast beiläufigen Momente – wie ein Gespräch über Fan-Geschenke, das plötzlich eine ganz eigene Dynamik entwickelt.
Auf die Frage, ob er sich an besondere Geschenke erinnern könne, erzählte Benjamin von all den Dingen, die er im Laufe der Jahre bekommen hatte. Parfum und Aftershave gehörten offenbar zu den Klassikern – und zwar in einer Menge, die fast schon absurd wirkte.
Man konnte sich richtig vorstellen, wie irgendwo in seiner Wohnung Flaschen neben Flaschen standen, sorgfältig ausgesucht von Fans, die sich vermutlich stundenlang Gedanken gemacht hatten: „Was könnte er mögen?“
Dass daraus dann eine kleine, humorvolle Neckerei entstand, passte perfekt zur Stimmung. Diese Mischung aus Nähe und Leichtigkeit war genau das, was viele an ihm mochten. Es wirkte nie distanziert, nie unnahbar – eher wie ein Gespräch, das genauso gut irgendwo auf einem Parkplatz nach einem Konzert hätte stattfinden können.
„Er ist einfach total nett“ – warum Fans geblieben sind
Besonders schön waren die Stimmen der Fans selbst. Denn sie haben etwas ausgesprochen, das man zwar immer gefühlt, aber selten so klar formuliert hat.
Sonja aus Düsseldorf, damals 15, brachte es auf ihre ganz eigene Art auf den Punkt. Für sie war es nicht nur die Musik, die zählte, sondern auch die Art, wie Benjamin mit ihnen umging. Dieses Gefühl, gesehen zu werden. Ernst genommen zu werden.
Und vielleicht war genau das der Grund, warum viele Fans auch nach der Boyband-Zeit geblieben sind. Nicht, weil sie krampfhaft an etwas festhalten wollten, sondern weil da einfach noch etwas war, das sich echt angefühlt hat.
Interessant war auch, wie sich das Fan-Sein selbst verändert hatte. Christin aus Mönchengladbach erzählte lachend, dass sie inzwischen einen Freund hatte und dadurch nicht mehr ganz so viel Zeit in ihre Fan-Leidenschaft steckte wie früher.
Allein dieser Satz sagt so viel über diese Phase aus. Man wurde älter, das Leben wurde komplexer, und trotzdem war da noch dieser Teil von einem, der einfach geblieben ist.
Als Benjamin daraufhin augenzwinkernd vorschlug, ihrem Freund erst zu geben, was er braucht, bevor sie zu seinem Auftritt kommt, hatte das genau diesen typischen Humor, den man von früher kannte. Ein bisschen frech, ein bisschen charmant – und vor allem nie wirklich ernst gemeint.
Ein Gefühl, das bleibt
Was diesen Moment bei NBC GIGA so besonders macht, ist gar nicht unbedingt der Auftritt selbst. Es ist dieses Zusammenspiel aus allem: der Ort, die Fans, die Gespräche, diese ganz eigene Energie, die man kaum beschreiben kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.
Es war die Zeit, in der wir langsam gelernt haben, dass sich Dinge verändern – aber dass sie deshalb nicht weniger wertvoll werden. Dass aus einer lauten, bunten Teeniephase etwas Ruhigeres entstehen kann, das vielleicht sogar noch ein bisschen tiefer geht.
Und wenn man sich heute solche Aufnahmen anschaut, ist da plötzlich wieder dieses Gefühl von damals. Vielleicht nicht mehr ganz so intensiv, vielleicht ein bisschen weicher – aber immer noch da.
So, als würde ein Teil von uns kurz zurückreisen.
Nicht, um dort zu bleiben.
Sondern um sich daran zu erinnern, wie es sich angefühlt hat.
Benjamin Boyce bei NBC GIGA in Düsseldorf 1999:
10.000 Lightyears & Fantalk
Lee
Eloy
Bastiaan
Benjamin
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