Casino Royale 2017: Lee Baxter verwandelte Osnabrück in eine elegante Bond-Kulisse
Es gibt Fanabende, an die man sich wegen eines bestimmten Songs erinnert, und es gibt Abende, bei denen schon die Einladung verrät, dass ein gewöhnliches Konzert diesmal nicht genügen würde. Am 18. März 2017 empfing Lee Baxter seine Fans in Osnabrück zu „Casino Royale“ – stilecht im Smoking, mit Fliege und einer Idee, die irgendwo zwischen James Bond, intimer Clubshow und liebevoll organisiertem Klassentreffen der Caught-In-The-Act-Generation lag. Wer Lee in den Neunzigern in weit geöffneten Hemden und perfekt gesetztem Boyband-Licht angeschmachtet hatte, bekam nun die erwachsene Variante serviert: elegant, charmant und mit genau jener Portion Selbstironie, die verhindert, dass ein Smoking zu ernst wirkt.
Auch die Gäste sollten sich für „Casino Royale“ herausputzen. Im Vorfeld waren die Fans um festliche Abendgarderobe gebeten worden, damit nicht nur Lees Auftritt, sondern ebenso das spätere Meet & Greet mit Erinnerungsfoto den passenden Rahmen erhielt. Das Konzert blieb bewusst klein und persönlich, fühlte sich dadurch jedoch keineswegs weniger besonders an. Im Gegenteil: Statt in einer großen Halle aus der Entfernung auf die Bühne zu blicken, erlebten die Besucherinnen und Besucher Lee aus nächster Nähe, konnten mitsingen, lachen und sich später mit ihm fotografieren lassen. Für viele dürfte sich das angefühlt haben, als wäre ein früherer Teenagertraum erwachsen geworden und hätte inzwischen gelernt, eine Fliege zu binden.
Der Abend verband Lees Solomusik mit CITA-Erinnerungen, Coverversionen und persönlichen Geschichten. Dabei verlief nicht alles nach Plan, was rückblickend vermutlich ein Glücksfall war. Ein perfekter Auftritt ist beeindruckend, doch eine kleine Panne liefert oft die Geschichte, die Jahre später noch mit einem Lächeln erzählt wird. „Casino Royale“ bewies schon in den ersten Minuten, dass Lee Baxter zwar aussah, als könne er im nächsten Bond-Film neben dem Roulettetisch stehen, der Konzertbeginn aber trotzdem eine ganz eigene Dramaturgie entwickeln durfte.
Casino Royale begann mit Smoking, Abendkleidern und großer Vorfreude
Die Grundidee von „Casino Royale“ passte wunderbar zu Lee Baxter. Schon während seiner Zeit bei Caught In The Act hatte er nie nur wie ein klassischer Popstar gewirkt. In Interviews blitzten Schauspieler, Entertainer und Geschichtenerzähler gleichermaßen durch, weshalb ein Konzert im James-Bond-Stil beinahe folgerichtig erschien. Der Smoking verlieh ihm jene lässige Eleganz, die man nicht durch einen möglichst strengen Blick erzwingen kann. Lee sah darin nicht verkleidet aus, sondern so, als habe er gerade kurz zwischen Geheimauftrag und Martini-Mischung Zeit gefunden, einige Songs zu singen.
Für die Fans begann das Erlebnis bereits mit der Kleiderfrage. Was trägt man zu einem Abend, an dem der frühere Lieblingsstar im Smoking auftritt und anschließend ein professionelles Erinnerungsfoto wartet? Das kleine Schwarze, etwas Glitzer oder doch lieber ein Outfit, das elegant genug für Bond und bequem genug zum Mitsingen war? „Casino Royale“ machte aus dem Konzertbesuch ein gemeinsames Spiel, bei dem alle Teil der Inszenierung wurden. Die festliche Kleidung schuf eine besondere Atmosphäre, ohne dass der Abend steif wirkte. Schließlich saßen dort Menschen, die Lee seit Jahren oder sogar Jahrzehnten begleiteten und sich nicht erst vorstellen mussten, bevor gemeinsam alte Refrains angestimmt wurden.
Osnabrück war für das Ereignis nicht zufällig gewählt. Lee erzählte auf der Bühne, dass ihn mehrere aktuelle Erlebnisse mit der Stadt verbanden. Am Vortag hatte er im Einkaufszentrum L&T eine Autogrammstunde gegeben, worüber auch die Neue Osnabrücker Zeitung berichtete. Außerdem waren dort neue Fotos entstanden, und ein Teil des Musikvideos zu seiner Single „Fire“ war ebenfalls in Osnabrück gedreht worden. Die Stadt war damit nicht bloß eine Station im Terminkalender, sondern Teil von Lees damaligem kreativen Kapitel.
Gerade dieser persönliche Bezug tat „Casino Royale“ gut. Lee konnte zwischen den Liedern erzählen, statt nur eine vorbereitete Setliste abzuarbeiten. Für die Anwesenden entstanden dadurch kleine Brücken zwischen Autogrammstunde, Fotoshooting, Musikvideo und Konzert. Wer schon am Vortag bei L&T gewesen war, hatte möglicherweise das Gefühl, ein ganzes Lee-Wochenende zu erleben – eine Vorstellung, für die man Mitte der Neunziger wahrscheinlich ohne Zögern das Sparschwein geopfert hätte.
Das überschaubare Format verstärkte die Nähe. Bei diesem Konzert musste niemand mit einem Fernglas prüfen, ob Lee gerade in die eigene Richtung lächelte. Man sah seine Reaktionen, hörte seine Geschichten und spürte, wie vertraut der Umgang zwischen ihm und den Fans geworden war. Aus dem einstigen Popstar, der auf Postern unerreichbar wirkte, war ein Künstler geworden, der seine Gäste bewusst in einen besonderen Abend einbezog. Der Smoking sorgte für Glamour, doch die Wärme entstand durch die Menschen im Raum.
Ein verfrühtes Intro und ein Mikrofon mit eigenem Willen
Für seinen Auftritt hatte Lee einen stilgerechten Einstieg vorbereitet. Als Opener sollte seine Coverversion von Tina Turners „GoldenEye“ erklingen – dramatisch, geheimnisvoll und vollkommen passend zu „Casino Royale“. Man kann sich gut vorstellen, wie Lee im Nebenraum auf seinen Einsatz wartete, bereit für einen Auftritt, bei dem vermutlich jeder Schritt und jeder Blick saß. Nur bekam er nicht mit, dass jemand dem DJ bereits das Startsignal gegeben hatte. Das Intro lief los, die Fans warteten gespannt, doch vom elegant angekündigten Geheimagenten fehlte zunächst jede Spur.
Als Lee bemerkte, was geschah, eilte er auf die Bühne. Damit hätte die kleine Panne beendet sein können, wenn nicht ausgerechnet das Mikrofon beschlossen hätte, ebenfalls einen Beitrag zur Unterhaltung zu leisten und seinen Dienst zu verweigern. Für einen Künstler ist das vermutlich der Moment, in dem innerlich mehrere Alarmlichter gleichzeitig blinken. Für das Publikum war es hingegen der Beginn einer Geschichte, die „Casino Royale“ erst recht unvergesslich machte. Lee reagierte nicht beleidigt oder hektisch, sondern tat das, was ihm besonders gut liegt: Er nahm die Situation mit Humor und begann einfach noch einmal von vorn.
Später lachte er darüber, dass er beim Hereinkommen eigentlich sexy hatte wirken wollen, der Auftritt stattdessen aber eher wie eine Szene aus einem Comic ausgesehen habe. Genau dieser Satz erklärt, warum Lee Baxter vielen Fans bis heute so sympathisch ist. Er besitzt genug Bühnenerfahrung, um einen glamourösen Abend zu tragen, und zugleich genügend Selbstironie, um über den eigenen misslungenen Bond-Moment zu lachen. „Casino Royale“ brauchte dadurch keine makellose Fassade. Die Panne nahm dem Konzept nichts von seiner Eleganz, sondern gab ihm Persönlichkeit.
Nachdem der zweite Anlauf funktionierte, eröffnete Lee die eigentliche Live-Performance mit „This Side Of Eden“, seiner 2015 veröffentlichten Single. Der Song markierte deutlich, dass dieser Abend nicht nur von Erinnerungen an Caught In The Act leben sollte. Lee hatte sich als Solokünstler eine eigene musikalische Welt aufgebaut, und „Casino Royale“ bot ihm die Gelegenheit, diese Seite neben vertrauten Klassikern zu zeigen. Direkt danach folgte „Tainted Love“, der berühmte Achtzigerhit von Soft Cell, der mit seiner dunkleren, elektronischen Stimmung hervorragend zum eleganten Bond-Rahmen passte.
Der holprige Einstieg war nun längst vergessen – oder vielmehr in eine gemeinsame Anekdote verwandelt. Das Publikum hatte erlebt, wie Lee eine unangenehme Situation auffing, ohne dass die Stimmung kippte. Solche Momente erzeugen eine Nähe, die sich nicht planen lässt. An diesem Abend stand kein unnahbarer Star auf der Bühne, der jede Abweichung vom Ablauf hinter professioneller Distanz versteckte. Dort stand Lee, lachte über sich selbst und machte weiter. Wahrscheinlich wirkte er gerade deshalb am Ende doch ziemlich sexy, auch wenn der geplante Auftritt ein paar Minuten Verspätung hatte.
Von „Bring Back The Love“ bis zur deutschen Ballade „Engel“
Nach seinen Solotiteln und Coverversionen führte Lee das Publikum dorthin zurück, wo für viele die gemeinsame Geschichte begonnen hatte. Mit „Bring Back The Love“ holte er einen Caught-In-The-Act-Song auf die Bühne, bei dem er bereits im Herbst 1996 die Leadstimme gesungen hatte. Für Fans, die das Lied damals auf CD, Kassette oder einer inzwischen leicht flimmernden VHS-Aufnahme unzählige Male gehört hatten, dürfte dieser Moment mitten ins Nostalgiezentrum getroffen haben. Bei „Casino Royale“ klang der Song nicht wie eine pflichtbewusste Zugabe aus alten Zeiten, sondern wie ein Stück Biografie, das Lee weiterhin gern mit seinem Publikum teilte.
Dabei blieb er nicht brav auf der Bühne stehen. Lee ging durch die Menge und hielt den Fans das Mikrofon hin, was bei einem älteren Boyband-Hit immer ein kleines Vertrauensspiel ist. Schließlich zeigt sich innerhalb weniger Sekunden, ob die Texte noch sitzen oder ob jahrzehntelange Alltagspflichten entscheidende Zeilen aus dem Gedächtnis verdrängt haben. Die Sorge war unbegründet: Das Publikum erwies sich als ausgesprochen textsicher. Manche Dinge vergisst man eben nicht. Passwörter, Einkaufslisten und Geburtstage können gelegentlich verschwimmen, doch ein CITA-Refrain findet selbst nach zwanzig Jahren zuverlässig den Weg zurück.
Mit „Love Is Everywhere“ setzte Lee den Ausflug in die Neunziger direkt fort. Der Song gehört zu jenen Melodien, bei denen die ersten Takte genügen, um ganze Jugendzimmer wieder sichtbar zu machen: Poster an der Wand, Zeitschriftenstapel unter dem Bett und eine Musikanlage, deren Repeat-Taste deutlich stärker beansprucht wurde als vom Hersteller vorgesehen. Bei „Casino Royale“ entstand daraus kein trauriges Festhalten an der Vergangenheit. Lee und seine Fans feierten vielmehr die Tatsache, dass diese Musik noch immer Freude auslöste und Menschen miteinander verband.
Daneben zeigte die Setliste, wie breit Lee seinen Soloabend angelegt hatte. Er sang die romantische Ballade „Engel“, die er eigens auf Deutsch aufgenommen hatte und die sich zu einem besonderen Lieblingslied vieler Lee-Fans entwickelte. Hinzu kamen der Gute-Laune-Song „It Is What It Is“, eine Coverversion von „Only You“ und „Let It Rain“. Der Konzertabend wechselte damit zwischen nachdenklichen, romantischen und beschwingten Momenten, ohne dass er wie eine lose Sammlung verschiedener Titel wirkte. Lee verband die Songs durch seine Geschichten und seine offene Art.
Gerade „Engel“ zeigte eine andere Seite des Sängers als die großen CITA-Pophymnen. Eine deutsche Ballade verlangt Nähe und Klarheit; jedes Wort erreicht das Publikum unmittelbar. Für einen britischen Sänger war die Aufnahme zugleich ein liebevolles Signal an jene Fans, die ihn über all die Jahre begleitet hatten. In der intimen Atmosphäre von „Casino Royale“ konnte ein solches Lied seine Wirkung besonders entfalten. Es brauchte keine riesige Lichtshow und keine vierfach synchronisierte Choreografie. Lees Stimme, der Text und die Erinnerungen im Raum genügten.
Dass alte und neue Musik so selbstverständlich nebeneinanderstanden, machte den Abend rund. Lee musste seine Boyband-Vergangenheit nicht abstreifen, um als Solokünstler ernst genommen zu werden, und er musste ebenso wenig ausschließlich die alten Hits bedienen. „Casino Royale“ erzählte vielmehr von einem Künstler, dessen Geschichte mehrere Kapitel besitzt. Die Fans durften in den Neunzigern schwelgen und zugleich hören, welche Lieder Lee später wichtig geworden waren. Diese Balance verwandelte das Konzert in mehr als eine nostalgische Rückschau.
Casino, Meet & Greet und ein sehr persönlicher Abschluss
Den musikalischen Schlusspunkt setzte Lee mit „Rainbow“, einem Lied, das seinem Lebensgefährten Jeff gewidmet ist. Nach all dem Bond-Glamour, den humorvollen Pannen und den ausgelassenen CITA-Momenten bekam „Casino Royale“ damit ein besonders persönliches Ende. Ein Song für den Menschen, den man liebt, verändert die Atmosphäre eines Raumes. Er erinnert daran, dass hinter dem Entertainer im Smoking ein Mann steht, der in seiner Musik nicht nur auftreten, sondern auch etwas von sich erzählen möchte.
Mit dem letzten Ton war der Abend noch lange nicht vorbei. Jeder Fan erhielt anschließend die Gelegenheit zu einem Meet & Greet mit Lee, selbstverständlich einschließlich eines Erinnerungsfotos vom professionellen Fotografen. Weil alle festlich gekleidet waren, entstanden keine hastigen Schnappschüsse zwischen Winterjacken und halb gepackten Taschen, sondern Bilder, die das Konzept von „Casino Royale“ bis zum Ende fortführten. Für Menschen, die früher vielleicht jahrelang von einem gemeinsamen Foto geträumt hatten, war das eine besonders schöne Form des Wiedersehens.
Damit während der Wartezeit keine Langeweile aufkam, standen ein Casino- und ein Pokertisch bereit. Dort konnten die Gäste Merchandise-Artikel und sogar ein exklusives Treffen mit Lee gewinnen. Das Thema war also nicht bloß Dekoration an der Bühne, sondern zog sich durch den gesamten Abend. Man musste zwar keine internationalen Bösewichte besiegen, aber ein wenig Spielglück konnte durchaus zu einer besonderen Begegnung führen. Das Motto machte seine Besucherinnen und Besucher damit zu Mitspielerinnen eines Events, das Konzert, Fan-Treffen und eleganten Themenabend geschickt miteinander verband.
Vielleicht war genau diese Sorgfalt das Geheimnis des Abends. Das Konzert fand in kleinem Rahmen statt, doch jeder Bestandteil war darauf ausgerichtet, eine bleibende Erinnerung zu schaffen: der Dresscode, Lees Smoking, die Bond-Musik, persönliche Geschichten, alte Hits, neue Songs, das gemeinsame Foto und die Spieltische. Größe entsteht nicht automatisch durch eine möglichst volle Halle. Bei „Casino Royale“ lag sie in der Nähe zwischen Lee und seinen Fans, von denen ihn viele schon seit der Caught-In-The-Act-Zeit begleiteten.
Der Abend zeigte außerdem, wie schön Fanliebe altern kann. Aus kreischenden Teenagern waren Erwachsene geworden, die sich für ein stilvolles Konzert in Abendgarderobe warfen, doch beim ersten vertrauten Refrain war die alte Begeisterung sofort wieder da. Lee wiederum präsentierte sich nicht als eingefrorene Erinnerung an die Neunziger, sondern als Künstler mit neuen Liedern, persönlichen Geschichten und der Freiheit, über einen misslungenen Auftritt zu lachen. „Casino Royale“ verband beide Seiten, ohne sich über die Vergangenheit lustig zu machen oder sie künstlich größer erscheinen zu lassen.
So blieb am Ende ein gelungener Abend, der Eleganz und Herzlichkeit erstaunlich mühelos zusammenbrachte. Lee Baxter im Smoking war selbstverständlich ein Anblick, der die Anreise bereits rechtfertigte, doch die eigentliche Stärke von „Casino Royale“ lag in den vielen kleinen Momenten: dem zu früh gestarteten Intro, dem streikenden Mikrofon, den textsicheren Fans und einem Künstler, der sich mitten unter sein Publikum mischte. Wer damals dabei war, dürfte beim Gedanken daran noch heute lächeln – und möglicherweise kurz prüfen, ob das gemeinsame Foto weiterhin einen Ehrenplatz besitzt.
Hier kannst Du Dir Lees Auftritt bei „Casino Royale“ in Osnabrück noch einmal ansehen:
Lee Baxter in Osnabrück – Konzert „Casino Royale“:
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