Benjamin Boyce mit „Move it around“ solo bei VIVA Interaktiv – Ein Neuanfang nach CITA
Es war Ende 1998. Die Bravo-Poster hingen vielleicht noch an unseren Wänden, aber irgendetwas hatte sich verändert. Die Trennung von Caught in the Act lag wie ein grauer Schleier über unserer Teenie-Welt. Und plötzlich saß er da – ganz allein – auf diesem berühmten roten Sofa bei VIVA Interaktiv: Benjamin Boyce.
Solo. Ohne Lee. Ohne Eloy. Ohne Bastiaan.
Ich weiß noch, wie ungewohnt dieses Bild war. Draußen vor dem Studio standen die Fans mit selbstgebastelten Pappschildern, genau wie früher. Drinnen aber war alles anders. Kein verschmitztes Schulterklopfen zwischen den Jungs. Kein gemeinsames Lachen. Nur Ben – und dieses kleine bisschen Nervosität, das man selbst durch den Fernseher spüren konnte.
Er war gekommen, um seine erste Solo-Single „Move it around“ vorzustellen – ein Song, der auch auf dem Album SOLO 4 CITA zu finden war. Und während wir zu Hause vermutlich mit klopfendem Herzen vor dem Fernseher saßen, begann für ihn sichtbar ein neues Kapitel.
Rockiger, ernster, freier – Benjamin erfindet sich neu
Im Interview sprach Benjamin offen über seine Pläne. Weg vom typischen Boygroup-Sound. Weg von choreografierten Tanzschritten und harmonisch abgestimmten Vierer-Refrains. Stattdessen wollte er es rockiger. Ernster. Erwachsener.
Und mal ehrlich: Genau das wollten wir doch eigentlich auch hören, oder? Wir waren ja schließlich auch keine 13 mehr. Wir wollten Tiefe. Haltung. Entwicklung.
Gleichzeitig schwang da etwas Wehmütiges mit. Denn obwohl Caught in the Act offiziell getrennt waren, kam im Gespräch ein überraschendes Detail zur Sprache: Es sollte noch ein letztes Album unter dem Namen CITA erscheinen.
Benjamin erklärte damals, dass die Plattenfirma die Rechte vom ehemaligen Manager zurückgekauft hatte. Dadurch entstand die Möglichkeit, noch einmal unter dem alten Namen Musik zu veröffentlichen – diesmal allerdings mit mehr künstlerischer Freiheit.
Wenn man heute darüber nachdenkt, wirkt das fast wie ein stiller Übergang. Ein Ausklang. Kein harter Schnitt, sondern ein letztes gemeinsames Aufatmen, bevor jeder seinen eigenen Weg ging.
Für Benjamin war dieser Weg allerdings zunächst alles andere als leicht. Er gab ehrlich zu, dass es sich seltsam anfühlte, plötzlich alleine auf der Bühne zu stehen. Keine vertrauten Blicke von der Seite. Kein gemeinsames Intro.
Er war nervös. Unsicher. Fragte sich, ob die Fans diesen neuen Sound annehmen würden.
Und genau da saßen wir – vor dem Fernseher – und wollten ihm am liebsten zurufen: „Natürlich mögen wir es! Wir mögen doch dich!“
Rückblickend sagte er in der Sendung, dass er sich inzwischen freier und glücklicher fühle. Und vielleicht war genau das der wichtigste Satz dieses Abends.
Verbotene Liebe? Die Wahrheit über Aleksandra Bechtel
Dann kam der Moment, der das Teenie-Herz endgültig schneller schlagen ließ.
Eine Zuschauerin schickte per Fax (!) die Frage, warum Benjamin seine Liebe zu Aleksandra Bechtel so spät öffentlich gemacht habe. Und plötzlich wurde es ganz still.
Aleksandra war Moderatorin bei VIVA – selbstbewusst, charmant, präsent. Und wir ahnten natürlich längst, dass da mehr war. Aber offiziell? Fehlanzeige.
Benjamin erzählte offen, dass sie bereits seit eineinhalb Jahren ein Paar waren – also auch während seiner Zeit bei CITA. Doch der Manager hatte strikt verboten, darüber zu sprechen. Es stand sogar im Vertrag.
Wenn man das heute hört, klingt es fast surreal. Aber Ende der 90er war das Boyband-Image heilig. Single. Unerreichbar. Projektionsfläche für Millionen Teenagerträume.
Dass ein Manager mit Klage drohte, wenn man über eine Beziehung sprach, zeigt, wie streng dieses System war.
Benjamin kommentierte das mit einem gewissen Humor. Irgendwann, so sagte er sinngemäß, mussten die Leute ja gedacht haben, er sei verrückt – weil er im Fernsehen nie über Aleks sprechen durfte, obwohl sie doch offensichtlich Teil seines Lebens war.
Ich erinnere mich noch genau, wie wir damals zwischen Enttäuschung und Verständnis schwankten. Einerseits: Wie konntest du nur vergeben sein?! Andererseits: Wie unfair war dieses Versteckspiel eigentlich für ihn?
Heute, mit ein paar Jahrzehnten Abstand, betrachtet man solche Geschichten anders. Reifer. Verständnisvoller. Und vielleicht auch ein bisschen stolz darauf, dass sich diese Branche inzwischen verändert hat.
Vom ersten Kennenlernen bis zur Live-Performance
Natürlich wollten die Fans noch mehr wissen. Wie sie zusammengekommen seien?
Benjamin erzählte lachend, dass sie sich ausgerechnet bei VIVA Interaktiv kennengelernt hätten – zu einer Zeit, als Caught in the Act noch kaum jemand kannte.
Aleksandra sei damals nicht besonders gut gelaunt gewesen. Er hingegen konnte das kaum glauben. Erst bei späteren Treffen habe sich das Bild gewandelt. Irgendwann lud er sie auf ein Getränk ein – und gestand ihr seine Gefühle.
Eine ganz normale Geschichte eigentlich. Und vielleicht gerade deshalb so schön. Kein inszeniertes PR-Märchen. Sondern zwei Menschen, die sich im Studio begegnen.
Zum Abschluss performte Benjamin „Move it around“. Und während er dort stand – allein im Scheinwerferlicht – hatte man das Gefühl, Zeugin eines Übergangs zu sein.
Nicht mehr der Boyband-Benjamin.
Noch nicht ganz der gereifte Solokünstler.
Sondern irgendwo dazwischen.
Und genau das machte diesen Auftritt so besonders.
Warum dieser Moment bis heute berührt
Wenn man heute an Benjamin Boyce solo bei VIVA Interaktiv zurückdenkt, ist es mehr als nur ein Fernsehauftritt. Es war ein Symbol. Für Abschied. Für Mut. Für einen Neuanfang.
Viele von uns waren selbst in einer Phase des Umbruchs. Schule vorbei. Erste Ausbildung. Erste echte Liebe. Erste Enttäuschungen.
Vielleicht fühlte sich dieser Abend deshalb so nah an. Weil wir gemeinsam mit ihm ein Stück erwachsener wurden.
Und auch wenn „Move it around“ musikalisch ein anderer Weg war – es blieb doch dieser vertraute Blick, dieses Lächeln, diese Energie, die wir aus den CITA-Zeiten kannten.
Solche TV-Momente sind wie kleine Zeitkapseln. Man klickt heute auf ein altes Video – und plötzlich sitzt man wieder im Kinderzimmer. Mit Fernbedienung in der Hand. Und diesem Gefühl, dass Popmusik mehr war als nur Musik.
Sie war Identität. Hoffnung. Herzklopfen.
Und vielleicht genau deshalb schauen wir uns solche Auftritte auch Jahrzehnte später noch einmal an. Nicht nur wegen der Songs. Sondern wegen dem, was wir damals dabei gefühlt haben.
Benjamin 1998 bei VIVA Interaktiv mit „Move it around“
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Fandest Du es als Teenager gut, dass der CITA Vertrag vorsah, dass die Jungs single sein „mussten“?
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