Los Angeles, eine ziemlich schmutzige Seitenstraße und mittendrin ein junger Mann im Geschäftslook, der den Inhalt seiner Aktentasche auf dem Boden verteilt: Für Benjamin Boyce begann 1999 nicht einfach nur ein neuer Videodreh, sondern ein komplett neues Kapitel. Beim Clipdreh zu Change arbeitete er zum ersten Mal ohne Lee Baxter, Bastiaan Ragas und Eloy de Jong vor der Kamera. Caught In The Act waren getrennt, Benjamin war von Amsterdam nach Köln gezogen, hatte einen eigenen Plattenvertrag unterschrieben und musste nun herausfinden, wer er als Solokünstler sein wollte. Der Musiksender VIVA begleitete ihn bei dieser Premiere und hielt einen Benjamin fest, der selbstbewusst in die Kamera sprach, gleichzeitig aber erstaunlich offen zugab, wie groß und gelegentlich unheimlich sich dieser Schritt für ihn anfühlte.
Der Clipdreh zu Change passte damit perfekt zum Titel der Single. Veränderung war nicht bloß das Thema eines Songs, sondern Benjamins damaliger Alltag. Seine Band, sein Wohnort, sein beruflicher Weg und auch sein Privatleben hatten sich innerhalb kurzer Zeit neu sortiert. Sogar die Beziehung zu VIVA-Moderatorin Aleksandra Bechtel musste nun nicht länger im Verborgenen bleiben. Zwischen Seitenstraße, Bürokomplex und Tiefgarage entstand deshalb mehr als ein Musikvideo: Die Bilder sollten zeigen, dass aus dem „süßen Bengie“ der Boyband ein eigenständiger Künstler geworden war. Dass dieser Rollenwechsel nicht mit einem einzigen neuen Outfit erledigt war, wusste Benjamin selbst sehr genau.
Der Clipdreh zu Change begann mitten in Los Angeles
Für sein erstes Solo-Video reiste Benjamin 1999 nach Los Angeles, jene Stadt, die mit ihren Straßen, Bürogebäuden und Betonkulissen schon optisch nach internationalem Musikgeschäft aussah. Am ersten Set begrüßte er die VIVA-Zuschauer direkt und erklärte, dass er gerade an seinem ersten eigenen Video arbeite. Der Satz klang selbstbewusst, doch hinter dieser scheinbar einfachen Vorstellung steckte eine gewaltige Veränderung. Bisher hatte er sich vor Kameras fast immer als Teil von Caught In The Act präsentiert. Beim Clipdreh zu Change musste der Name Benjamin Boyce nun allein genügen.
Die erste Kulisse war keine glänzende Hollywood-Fassade, sondern eine verdreckte Seitenstraße. Dort spielte Benjamin einen Geschäftsmann mit Aktentasche, dessen sorgfältig geordnete Welt offenbar an einen Wendepunkt geraten war. Er öffnete die Tasche und kippte die Unterlagen am Straßenrand aus. Das Bild war leicht verständlich und trotzdem wirkungsvoll: Alte Verpflichtungen, Erwartungen und festgelegte Wege durften buchstäblich auf dem Boden landen. Beim Clipdreh zu Change wurde die Botschaft nicht dezent hinter sieben Ebenen Symbolik versteckt. Wenn es Zeit für Veränderung ist, darf eine Aktentasche eben auch einmal sehr nachdrücklich ausgemistet werden.
Die Szene passte zu Benjamins eigener Situation. Nach Jahren in einer erfolgreichen Boyband begann er beruflich neu, und ein solches Vorhaben verlangt mehr als eine neue Single. Plötzlich musste jede musikalische Entscheidung, jedes Foto und jeder Fernsehauftritt ein eigenes Bild von ihm vermitteln. Der Clipdreh zu Change sollte deshalb zeigen, dass Benjamin nicht einfach auf den nächsten CITA-Titel wartete, sondern bereit war, Verantwortung für seinen Soloweg zu übernehmen. Die Figur des Geschäftsmanns wirkte wie jemand, der eine bisherige Ordnung hinter sich lässt und bewusst etwas anderes versucht.
Los Angeles gab dieser Idee den passenden Rahmen. Die Stadt stand für Film, Popmusik und große Karriereträume, konnte in einer unsauberen Seitenstraße aber ebenso rau und ungeschönt wirken. Genau dieser Kontrast machte die Kulisse interessanter als eine makellose Studiowand. Beim Clipdreh zu Change traf die Vorstellung vom glamourösen Neuanfang auf Staub, Papier und Beton. Veränderung sah hier nicht aus wie ein feierlicher roter Teppich, sondern wie Arbeit – und wahrscheinlich musste nach jeder Einstellung jemand die verstreuten Unterlagen wieder einsammeln. Große Symbolik beginnt manchmal erstaunlich bodennah.
Nach CITA musste Benjamin sich neu erfinden
Benjamin sprach beim Dreh offen darüber, wie viel sich kurz zuvor in seinem Leben verändert hatte. Zuerst kam die Trennung von Caught In The Act, danach der Umzug von Amsterdam nach Köln. Gleichzeitig erfüllte sich mit dem eigenen Plattenvertrag ein großes berufliches Ziel. Der Clipdreh zu Change bündelte all diese Entwicklungen in einem sichtbaren Moment: Er stand wieder an einem Filmset, doch diesmal war niemand neben ihm, der seit Jahren dieselben Abläufe, Interviews und Bühnen kannte.
Er beschrieb das erste Video ohne die drei anderen als großen Schritt und räumte ein, dass es sich manchmal beinahe unheimlich anfühlte. Diese Ehrlichkeit macht das Making-of bis heute besonders. Benjamin versuchte nicht, den Solostart als vollkommen mühelosen Triumph zu verkaufen. Er freute sich über die neue Chance und glaubte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, spürte aber zugleich die Unsicherheit, die ein echter Neuanfang mit sich bringt. Beim Clipdreh zu Change sehen wir deshalb keinen Künstler, der bereits jede Antwort kennt, sondern jemanden, der sich vor laufender Kamera in eine neue Rolle hineinarbeitet.
In einer Band verteilen sich Aufmerksamkeit und Verantwortung auf mehrere Schultern. Einer beantwortet eine Frage, während ein anderer kurz nachdenken kann; auf der Bühne fängt die Gruppe kleine Unsicherheiten gemeinsam auf. Als Solokünstler fehlt dieses vertraute Netz. Beim Clipdreh zu Change richteten sich alle Kameras auf Benjamin, und jeder Moment musste von ihm allein getragen werden. Für Fans, die ihn jahrelang zwischen Lee, Bastiaan und Eloy gesehen hatten, war dieser Anblick ebenfalls ungewohnt. Der Blick suchte womöglich noch automatisch nach drei vertrauten Gesichtern am Bildrand, obwohl das Video bewusst zeigen wollte, dass nun etwas Eigenes begann.
Hinzu kam das Problem des alten Images. Benjamin erzählte, dass viele Menschen in ihm weiterhin den „süßen Bengie“ von Caught In The Act sahen. Diese Bezeichnung hatte in der Boybandzeit sicher zu seiner Beliebtheit beigetragen, konnte als Solokünstler aber schnell zu einer engen Schublade werden. Der Clipdreh zu Change sollte beweisen, dass er mehr war als die frühere Rolle innerhalb einer Gruppe. Er wollte nicht so tun, als hätte es CITA nie gegeben, sondern zeigen, dass er allein arbeiten, Entscheidungen treffen und eine andere künstlerische Seite entwickeln konnte.
Gerade Fans kennen dieses Spannungsfeld gut. Sie lieben einen Künstler wegen gemeinsamer Erinnerungen und möchten ihn deshalb wiedererkennen, erwarten aber gleichzeitig neue Musik und Entwicklung. Verändert er sich zu stark, fehlt das Vertraute; bleibt alles gleich, heißt es schnell, er wiederhole sich. Beim Clipdreh zu Change musste Benjamin genau zwischen diesen Erwartungen seinen Platz finden. Er war weiterhin derselbe Mann, dessen Poster in zahllosen Zimmern gehangen hatten, doch das neue Video sollte nicht wie eine CITA-Performance mit drei fehlenden Mitgliedern wirken.
Auch privat stand alles auf Veränderung
Neben den beruflichen Umbrüchen hatte sich auch Benjamins Privatleben verändert. Seine Beziehung zu Aleksandra Bechtel konnte nun öffentlich sein. Die VIVA-Moderatorin war selbst ein vertrautes Gesicht der damaligen Musikfernsehwelt, und für Fans verbanden sich dadurch zwei Menschen, die sie aus vielen Sendungen und Interviews kannten. Mehr über Benjamin Boyce und Aleksandra Bechtel lässt sich im CITA-Forum nachlesen.
Der Clipdreh zu Change fand also in einer Lebensphase statt, in der die Grenzen zwischen öffentlichem Künstler und privatem Menschen neu gezogen wurden. Während der CITA-Zeit hatte Benjamin in einem streng organisierten Boybandbetrieb gearbeitet, in dem Image, Termine und öffentliche Wahrnehmung eng zusammengehörten. Nun konnte er als Solokünstler andere Entscheidungen treffen und zugleich offener zu seiner Beziehung stehen. Das bedeutete Freiheit, brachte aber vermutlich auch neue Aufmerksamkeit mit sich. Wer einmal von Jugendzeitschriften zum Traummann erklärt wurde, erlebt selbst private Veränderungen selten vollkommen unbeobachtet.
Dass VIVA den Dreh begleitete, war in diesem Zusammenhang besonders passend. Der Sender hatte die Neunziger-Popkultur maßgeblich mitgeprägt, Musikvideos gezeigt und Fans näher an ihre Stars gebracht. Beim Clipdreh zu Change durfte das Publikum nicht nur das fertige Ergebnis sehen, sondern Benjamin bei der Entstehung beobachten. Er erklärte Szenen, sprach über seine Gefühle und machte den Neuanfang dadurch greifbarer. Für Fans waren solche Making-of-Aufnahmen kostbar, denn sie zeigten die Pausen, Kulissen und Gespräche, die im geschnittenen Musikvideo keinen Platz hatten.
Am zweiten Drehtag ging es in einen für Los Angeles typischen Bürokomplex und anschließend in eine Tiefgarage. Beide Orte setzten die kühle Arbeitswelt der ersten Szene fort. Glas, Beton, Akten und Parkebenen bildeten einen deutlichen Gegensatz zu den romantischen Boybandkulissen, die Fans aus früheren Videos kannten. Beim Clipdreh zu Change bekam Benjamin eine erwachsenere Umgebung, in der er nicht mehr ausschließlich als verträumter Herzensbrecher erscheinen sollte. Selbstverständlich blieb er fotogen – manche Dinge ändern sich trotz eines Songs namens „Change“ eben nur begrenzt.
Die unterschiedlichen Sets gaben dem Video Bewegung und unterstützten das Thema des Ausbruchs aus festgelegten Strukturen. Ein Geschäftsmann, der Unterlagen wegwirft, ein Bürokomplex und eine Tiefgarage erzählen von Regeln, Routinen und Wegen, die normalerweise klar vorgegeben sind. Der Clipdreh zu Change nutzte diese Bilder, um Benjamins persönlichen Wandel sichtbar zu machen. Er ließ die alte Ordnung hinter sich, ohne bereits zu wissen, wohin jede neue Straße führen würde.
Warum der Clipdreh zu Change heute so berührt
Mit dem Abstand vieler Jahre lässt sich das Making-of anders betrachten als 1999. Damals stand vor allem die Frage im Raum, wie Benjamin ohne Caught In The Act klingen und wirken würde. Die Trennung war noch frisch, und jede Soloaktivität der vier ehemaligen Mitglieder wurde mit einer Mischung aus Neugier, Hoffnung und Wehmut verfolgt. Der Clipdreh zu Change gab darauf keine endgültige Antwort, aber er zeigte einen ernsthaften Versuch, nach vorn zu gehen.
Heute fällt besonders Benjamins Offenheit auf. Er gab zu, dass sich der Schritt allein manchmal unheimlich anfühlte, und sprach gleichzeitig voller Stolz über seinen Plattenvertrag. Diese beiden Gefühle widersprechen sich nicht. Ein großer Wunsch kann sich erfüllen und trotzdem Angst machen, gerade wenn dafür eine vertraute Identität zurückgelassen werden muss. Beim Clipdreh zu Change wird diese Ambivalenz nicht dramatisch inszeniert, sondern taucht in wenigen ehrlichen Sätzen auf. Darin liegt mehr Nähe als in mancher sorgfältig formulierten Erfolgsgeschichte.
Auch das Ringen mit dem „Bengie“-Image wirkt bis heute nachvollziehbar. Wer lange in einer bestimmten Rolle bekannt war, kann nicht einfach beschließen, dass alle anderen sie über Nacht vergessen. Fans verbanden Benjamin mit CITA, mit einer bestimmten Frisur, bekannten Songs und zahllosen Bildern. Der Clipdreh zu Change war ein sichtbarer Versuch, diese Erinnerungen nicht auszulöschen, sondern ihnen eine neue Seite hinzuzufügen. Veränderung bedeutete hier nicht, dass die Vergangenheit wertlos geworden war. Sie bedeutete, dass sie nicht die gesamte Zukunft bestimmen sollte.
Für langjährige Fans ist das Video deshalb zugleich nostalgisch und erstaunlich erwachsen. Wir sehen einen jungen Künstler, den wir aus einer sehr emotionalen Boybandzeit kennen, und erkennen darin vielleicht eigene Übergänge wieder. Auch unser Leben hat irgendwann verlangt, vertraute Gruppen, Orte oder Rollen hinter uns zu lassen. Nicht jeder von uns durfte dafür in Los Angeles eine Aktentasche auf einer Straße ausleeren, was organisatorisch vermutlich ganz gut war. Das Gefühl, etwas Neues beweisen zu müssen, ist trotzdem vertraut.
„Change“ wurde Benjamins erste Solo-Single und gab dem Neuanfang den passenden Namen. Das dazugehörige Album „Benjamin Boyce“ ist über Amazon erhältlich. Der Clipdreh zu Change bewahrt den Moment, bevor das fertige Video seinen eigenen Weg nahm: Benjamin zwischen Einstellungen, im Gespräch mit VIVA und mit der spürbaren Hoffnung, als eigenständiger Künstler wahrgenommen zu werden.
Wenn wir das Making-of heute anschauen, müssen wir uns deshalb nicht zwischen CITA-Nostalgie und Interesse an Benjamins Solokarriere entscheiden. Beides gehört zusammen. Ohne die Jahre mit Lee, Bastiaan und Eloy wäre der Schritt nicht so groß gewesen, und ohne den Mut zum Alleingang hätte es diese Aufnahmen nicht gegeben. Der Clipdreh zu Change zeigt genau die schmale Stelle zwischen diesen Kapiteln – dort, wo das Alte noch deutlich sichtbar ist und das Neue gerade erst Konturen bekommt.
Am Ende bleibt das Bild von Benjamin in Los Angeles, der Unterlagen aus einer Aktentasche kippt und damit sehr anschaulich erklärt, worum es ihm ging. Er wollte sich verändern, eine Schublade verlassen und zeigen, dass er allein bestehen konnte. Der Clipdreh zu Change war sein erster großer Schritt in diese Richtung: ein wenig aufregend, manchmal unheimlich und gleichzeitig fantastisch. Für Fans ist er heute eine kleine Zeitkapsel aus dem Jahr 1999 – und eine Erinnerung daran, dass ein Neubeginn nicht verlangt, die Vergangenheit zu vergessen. Man muss nur irgendwann den Mut finden, die eigene Aktentasche zu öffnen.
Clipdreh zu Change – Bericht von VIVA:
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