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Willkommen zurück in Deiner Teenie-Zeit!

Die neunziger Jahre werden heute gern auf bunte Trainingsjacken, Discman-Romantik und unverwüstliche Pop-Refrains reduziert. Wer sie als Boyband-Fan erlebt hat, weiß jedoch, dass hinter der glänzenden Oberfläche eine streng organisierte Unterhaltungswelt stand. In der Arte-Dokumentation „Welcome to the 90s“ blickte Lee Baxter im Jahr 2014 auf diese Zeit zurück und sprach mit einer Offenheit, die so manches sorgfältig gepflegte Fanbild ins Wanken brachte.

Gedreht wurde das Interview im Arundel Jailhouse, einem historischen Veranstaltungsort in England, der Lee gehört. Schon diese Kulisse schuf einen reizvollen Kontrast: Der frühere Caught-in-the-Act-Star saß nicht in einem grell beleuchteten Fernsehstudio, sondern an einem Ort mit Geschichte und sprach über eine Vergangenheit, die für Millionen Fans bis heute emotional besetzt ist. Lee Baxter in „Welcome to the 90s“ wirkte dabei weder verbittert noch verklärt. Er erinnerte sich an harte Arbeit, absurde Regeln und eine Vermarktung, die aus vier jungen Männern möglichst perfekte Projektionsflächen machen sollte.

Seine Aussagen sind deshalb mehr als pikante Anekdoten über nackte Oberkörper oder falsche Altersangaben. Sie zeigen, wie eine Boyband in den neunziger Jahren aufgebaut wurde, welche Erwartungen an ihre Mitglieder gestellt wurden und warum das vermeintlich mühelose Lächeln auf einem Poster oft das Ergebnis von Disziplin, Training und klaren Vorgaben war. Gleichzeitig würdigte Lee die Fans, für die CITA-Songs nicht bloß Unterhaltung, sondern Trost, Fluchtpunkt und Begleitung durch schwierige Teenagerjahre waren.

Als Caught in the Act zu Sexsymbolen wurden

Lee Baxter beschrieb die Vermarktung von Caught in the Act ohne große Umschweife: Die Bandmitglieder wurden gezielt als Sexsymbole präsentiert. Hemden sollten ausgezogen, Muskeln trainiert und Bewegungen so inszeniert werden, dass jede Aufnahme eine bestimmte Wirkung erzeugte. Gesang, Tanz, Kleidung, Körper und Songs bildeten ein Gesamtpaket, in dem kaum etwas zufällig blieb. Was Fans als scheinbar spontanen Charme erlebten, war gleichzeitig Teil einer sorgfältig gebauten Show.

Lee Baxter in „Welcome to the 90s“ machte damit sichtbar, wie konsequent Boybands jener Zeit über Bilder verkauft wurden. Jede Gruppe brauchte klar erkennbare Typen, und jedes Mitglied sollte genügend Raum für persönliche Schwärmereien bieten. Die Musik war wichtig, doch sie stand nicht allein. Poster, Interviews, Kleidung und die Frage, welcher der vier Männer das eigene Herz am zuverlässigsten aus dem Takt brachte, gehörten genauso zum Produkt.

Für junge Fans fühlte sich diese Inszenierung trotzdem nicht künstlich an. Gefühle werden schließlich nicht unecht, nur weil jemand im Hintergrund die Beleuchtung geplant hat. Wer nach einem schwierigen Schultag ein CITA-Poster ansah oder einen Lieblingssong auflegte, empfand echten Trost und echte Freude. Lees Rückblick nimmt diesen Erinnerungen nichts weg. Er ergänzt lediglich die Perspektive der Künstler, die innerhalb dieses Systems funktionieren mussten.

Ein besonders deutliches Beispiel war das Video zu „Love Is Everywhere“. Lee kommentierte rückblickend mit trockenem britischem Humor die violetten Lippen und bauchfreien Oberteile, die heute wie eine konzentrierte Dosis Neunzigerjahre wirken. Die damalige Bildsprache spielte selbstbewusst mit Farben, Körpern und Stilrichtungen, ohne sich um spätere Modeurteile zu kümmern. Man darf darüber schmunzeln und gleichzeitig anerkennen, dass genau diese Unverwechselbarkeit den Clip bis heute im Gedächtnis hält.

Was damals vollkommen ernst präsentiert wurde, kann heute liebevoll schräg erscheinen. Doch der Look erfüllte seinen Zweck: Caught in the Act fiel auf, der Song bekam ein prägnantes Bild und Fans erhielten Material für Wände, Ordner und sehr wichtige Gespräche in der Schulpause. Lee Baxter konnte Jahre später darüber lachen, weil der zeitliche Abstand groß genug war, um die Absurdität zu sehen, ohne den eigenen Weg abzuwerten.

Mehr als hübsche Jungs ohne Talent

Das Etikett „Boyband“ öffnete Türen und schloss gleichzeitig andere. Lee Baxter erinnerte sich daran, wie abwertend manche Menschen auf die Gruppe blickten. Caught in the Act musste immer wieder beweisen, dass hinter dem Aussehen tatsächlich Stimmen, Können und harte Arbeit steckten. Die Aufforderung lautete sinngemäß: Singt für uns und zeigt, dass ihr mehr seid als ein paar hübsche Jungs. Für Künstler, die täglich trainierten und ein enormes Arbeitspensum bewältigten, dürfte diese Skepsis frustrierend gewesen sein.

Lee Baxter in „Welcome to the 90s“ erzählte von konsequentem Kraft- und Tanztraining. Die Band brauchte Kondition, um Choreografien zu bewältigen und dabei noch so auszusehen, als sei alles ganz leicht. Nach dem körperlichen Training ging es zum Tanzunterricht, der ebenfalls schonungslos sein konnte. Wer bei einem CITA-Auftritt nur vier lächelnde Männer sah, bemerkte nicht unbedingt die Stunden, die nötig waren, damit jede Bewegung im richtigen Moment saß.

Lee Baxter brachte aus seiner Schauspielausbildung bereits ein starkes Verständnis von Disziplin mit. Pünktlichkeit bedeutete für ihn, eine Viertelstunde früher da zu sein. Man arbeitete so hart wie möglich, lernte seine Aufgaben und erschien am nächsten Tag vorbereitet. Diese Haltung half ihm in einer Karriere, in der Verspätungen und mangelnde Konzentration schnell den Ablauf eines gesamten Teams gefährden konnten.

Das Bild der mühelosen Boyband war also selbst eine Leistung. Gute Laune musste auch nach wenig Schlaf verfügbar sein, Choreografien mussten trotz Erschöpfung funktionieren und Interviews verlangten immer wieder ähnliche Antworten mit möglichst frischer Begeisterung. Lee Baxter rückte diese Arbeit in den Vordergrund, ohne den Glamour vollständig zu zerstören. Gerade weil wir heute wissen, was dahintersteckte, lässt sich die damalige Professionalität neu würdigen.

Natürlich darf man trotzdem darüber lächeln, wie ernst die Einteilung in den Romantischen, den Frechen oder den Sensiblen manchmal betrieben wurde. Für das Marketing waren solche Rollen praktisch, für die Menschen darin aber zwangsläufig zu eng. Lees Interview erinnert daran, dass jeder der vier mehr war als seine zugedachte Position auf einem Poster. Die Boyband war eine Inszenierung, doch die Anstrengung und das Talent darin waren sehr real.

Lees ehrliches Interview in der Arte-Dokumentation Welcome back to the 90s

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