Benjamin Boyce bei Kewl – Aliens, Liebe und ein bisschen Rocker-Image
Ach, diese späten 90er. Wenn man heute daran zurückdenkt, hat man sofort dieses ganz bestimmte Gefühl im Bauch, irgendwo zwischen frisch gewaschener Bravo-Bettwäsche, aufgeregtem Videorekorder-Drücken und der leisen Panik, dass ausgerechnet beim Lieblingsstar jemand ins Zimmer platzt und fragt, ob man schon Hausaufgaben gemacht hat. Es war die Zeit, in der VIVA nachmittags fast so etwas wie ein zweites Wohnzimmer war, nur mit besseren Gästen und deutlich mehr Gel in den Haaren. Und mittendrin tauchte am 30. August 1999 ein Mann auf, den viele von uns noch als Benjamin von Caught in the Act im Herzen abgespeichert hatten: Benjamin Boyce bei Kewl.
Dieser Auftritt hatte alles, was 90er-Fernsehen so herrlich unberechenbar machte. Ein bisschen Musikpromotion, ein bisschen freche Moderation, ein bisschen Liebesdrama, ein bisschen „Was hat er denn jetzt gesagt?“ und obendrauf noch eine Portion Außerirdische. Ja, wirklich. Benjamin Boyce bei Kewl war kein glattgebügeltes PR-Interview, bei dem jede Antwort klang, als hätte sie ein Management vorher dreimal durch den Weichzeichner gezogen. Es war lebendig, leicht chaotisch und genau deshalb so charmant, dass man beim Wiedersehen sofort wieder dieses alte Fan-Gefühl spürt.
Damals war Benjamin gerade dabei, sich nach Caught in the Act neu zu erfinden. Die große Boyband-Zeit lag noch gar nicht lange zurück, aber trotzdem fühlte es sich schon an, als hätte sich die Popwelt einmal komplett gedreht. Eben noch standen Eloy, Lee, Bastiaan und Benjamin gemeinsam auf der Bühne, sangen von Love, Forever und Heartbreak, während wir kreischten, als hinge unser gesamtes Teenager-Schicksal davon ab. Und plötzlich saß Benjamin allein im Studio, mit neuer Single, neuer Ausstrahlung und dem sichtbaren Wunsch, nicht mehr nur der süße Boygroup-Ben von früher zu sein.
Benjamin Boyce bei Kewl: Vom Tanzboy zum Rocker?
Moderator Tobi Schlegl war für genau solche Momente der richtige Mann, denn er hatte diese freche VIVA-Art, die manchmal ein bisschen piekste, aber meistens genau die Fragen stellte, die wir zu Hause auch gedacht hätten. Gleich zu Beginn ging es um Benjamins neues Image. Früher, so sinngemäß Tobis Einstieg, sei er eher der Tanzboy gewesen, jetzt wirke er plötzlich wie ein Rocker. Man konnte fast hören, wie in deutschen Jugendzimmern gleichzeitig ein inneres „Moment mal!“ losging, denn natürlich hatten wir Benjamin nicht vergessen, wie er bei Caught in the Act choreografiert über die Bühne wirbelte, in perfekt abgestimmten Outfits, mit diesem typischen 90er-Boygroup-Lächeln, das ganze Teenie-Wände zum Wackeln brachte.
Aber genau das machte diesen Moment so interessant. Benjamin wollte offensichtlich zeigen, dass er musikalisch mehr konnte als synchrone Schritte und große Refrains im Gruppenformat. Er griff zur Gitarre, präsentierte sich erwachsener, rauer, ein bisschen weniger Posterboy und ein bisschen mehr Musiker mit eigenen Ideen. Ob das damals schon komplett glaubwürdig wirkte, darüber kann man heute liebevoll streiten. Es hatte etwas von: „Ich bin jetzt ernsthaft, aber bitte schaut trotzdem weiter so verliebt.“ Und ganz ehrlich, wir haben geschaut.
Gemeinsam mit Tobi klimperte Benjamin ein wenig auf Gitarre und Keyboard herum, und dieser kleine musikalische Moment war vermutlich nicht der Augenblick, an dem die Rockgeschichte neu geschrieben wurde. Aber das musste er auch gar nicht sein. Es war vielmehr diese sympathische Mischung aus Ausprobieren, Selbstironie und dem Mut, sich vor laufender Kamera nicht nur perfekt zu präsentieren. Gerade darin lag der Reiz. Benjamin Boyce bei Kewl zeigte einen Künstler, der nach dem Ende einer riesigen Teenie-Pop-Phase noch nicht ganz fertig sortiert war, aber genau das machte ihn menschlich.
Heute vergisst man manchmal, wie groß dieser Schritt für ehemalige Boygroup-Mitglieder damals war. In den 90ern wurde man von den Medien gern in eine Schublade gesteckt, und wer einmal als Boyband-Star galt, musste sich danach fast rechtfertigen, wenn er plötzlich etwas anderes machen wollte. Dabei waren diese Jungs ja keine Pappfiguren aus der Popcorn, auch wenn wir ihre Poster damals so behandelt haben, als könnten sie uns beim Einschlafen bewachen. Sie waren junge Männer, die erwachsen wurden, eigene Vorlieben entwickelten und irgendwann eben nicht mehr nur das liefern wollten, was ein Fanherz von 1995 erwartete.
Schämt sich Benjamin Boyce für Caught in the Act?
Natürlich kam Tobi Schlegl auch auf Caught in the Act zu sprechen, denn wie hätte er nicht? Für viele Fans war Benjamin Boyce damals untrennbar mit CITA verbunden, und auch wenn er solo unterwegs war, hing die Vergangenheit wie ein glitzernder 90er-Vorhang im Studio. Es wurden Ausschnitte aus „Love is everywhere“ gezeigt, also genau aus jener Zeit, in der wir wahrscheinlich alle mindestens einmal heimlich den Videorekorder programmiert haben, damit bloß keine Sekunde verloren geht. Wer diesen Clip damals rauf und runter gesehen hat, weiß: Das war nicht einfach ein Musikvideo. Das war emotionaler Jugendzimmer-Grundbesitz.
Die Frage, ob Benjamin sich schäme, wenn er solche alten Bilder heute sehe, lag natürlich in der Luft. Und sie war gar nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick klang. Denn Ende der 90er schwang bei solchen Fragen oft ein kleiner Unterton mit, als müsse man sich von Boyband-Pop fast distanzieren, sobald man „ernsthaft“ sein wollte. Als wäre es peinlich, Teil von etwas gewesen zu sein, das Millionen Fans glücklich gemacht hatte. Als wären Kreischkonzerte, Bravo-Starschnitte und Tränen am Telefon weniger wert als drei Akkorde auf einer E-Gitarre.
Benjamin reagierte darauf angenehm souverän. Nein, er schämte sich nicht. Es sei einfach eine Zeit gewesen, in der er noch nicht so viel Erfahrung gehabt habe. Genau diese Antwort war im Grunde perfekt, weil sie weder die Caught-in-the-Act-Zeit kleinredete noch krampfhaft so tat, als sei damals alles schon künstlerisch bis ins letzte Detail durchdacht gewesen. Sie ließ Raum für Entwicklung. Und vielleicht war das der Punkt, an dem viele Fans kurz aufgeatmet haben. Denn wenn man als Teenager sein halbes Herz an eine Band gehängt hat, möchte man später nicht hören, dass diese Zeit den Künstlern selbst unangenehm war.
Für uns war Caught in the Act nicht peinlich. Für uns war das ernst. Natürlich nicht ernst im Sinne von Steuererklärung, Bausparvertrag und „Wer hat den Biomüll nicht rausgebracht?“, sondern ernst im Sinne von Herzklopfen, Identität und Jugendgefühl. Diese Band war für viele ein sicherer Ort, ein emotionaler Fluchtpunkt, ein kleines Paralleluniversum, in dem die Welt für dreieinhalb Minuten ein bisschen schöner aussah. Wenn Benjamin also bei Kewl ruhig und ehrlich sagte, dass er sich nicht schäme, dann war das mehr als nur eine Interviewantwort. Es war fast ein kleiner Friedensvertrag mit unserer Teenager-Erinnerung.
Und genau deshalb funktioniert dieser Auftritt heute noch so gut. Benjamin Boyce bei Kewl war kein Mann, der seine Vergangenheit ausradieren wollte. Er war jemand, der versuchte, sich weiterzuentwickeln, ohne komplett zu verleugnen, woher er kam. Das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, wie gnadenlos Medien und Fans damals sein konnten. Einerseits wollten wir, dass unsere Stars immer genauso blieben wie auf dem Lieblingsposter. Andererseits wollten wir natürlich auch erwachsene, spannende Männer sehen, die uns zeigten, dass aus dem Boyband-Traum vielleicht doch noch etwas Reiferes werden konnte. Teenie-Herzlogik eben. Komplett widersprüchlich, aber mit voller Überzeugung.
10.000 Lightyears, Aliens und Benjamins Blick ins Weltall
Eigentlich war Benjamin Boyce bei Kewl, um seine Single „10.000 Lightyears“ vorzustellen. Der Titel allein klang schon nach großer Entfernung, Sehnsucht und einem Hauch Weltraum, was Ende der 90er erstaunlich gut passte. Damals war Popmusik oft ein bisschen dramatischer, ein bisschen größer, ein bisschen mehr „Wir schauen in den Himmel und hoffen auf ein Zeichen“. Und Benjamin nahm diese kosmische Vorlage offenbar ernst genug, um nicht nur über Musik, sondern auch über außerirdisches Leben zu sprechen.
Ja, Benjamin und Aliens. Das klingt heute wie der Anfang eines besonders wilden Bravo-Interviews, aber genau solche Momente machten VIVA damals so sehenswert. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Single, Charts und Imagewechsel, sondern um die Frage, ob es da draußen noch mehr gibt. Benjamin wollte Tobi und natürlich auch uns Zuschauerinnen davon überzeugen, dass außerirdisches Leben durchaus existieren könnte. Man saß also vor dem Fernseher, vielleicht noch mit einem Nutellabrot in der Hand, und dachte: „Okay, Ben, wohin fliegen wir jetzt gedanklich?“
Und doch hatte es etwas Liebenswertes. Es wirkte nicht kalkuliert, sondern wie ein Gedanke, der aus ihm herausplatzte, weil ihn das Thema wirklich interessierte. Gerade diese leichte Verschrobenheit machte ihn spannend. Benjamin war nicht nur der Ex-Boygroup-Star, der brav seine neue Single ansagte, sondern jemand, der offensichtlich auch gern mal gedanklich aus der Reihe tanzte. In einer Popwelt, in der vieles sehr stark nach Image, Styling und perfekten Antworten roch, war so ein kleiner Alien-Exkurs fast erfrischend.
Natürlich kann man heute darüber schmunzeln. Man darf sogar. Es gehört dazu. Aber im Kern zeigt dieser Teil des Interviews etwas, das bei vielen Boyband-Stars in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterging: Sie hatten eigene Gedanken, schräge Interessen, Macken und Meinungen. Für uns Fans waren sie manchmal so überhöht, dass wir fast vergaßen, dass hinter den Bravo-Postern echte Menschen steckten. Menschen, die vielleicht an Aliens glaubten, nicht kochen konnten oder in Interviews plötzlich Dinge sagten, die kein PR-Mensch der Welt vorher auf eine Karteikarte geschrieben hätte.
„10.000 Lightyears“ bekam durch diesen Auftritt jedenfalls eine ganz eigene Farbe. Es ging nicht nur um einen Song, sondern auch um das Gefühl, dass Benjamin irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft schwebte. Nicht mehr ganz CITA, noch nicht vollständig angekommen als Solo-Künstler, aber sichtbar auf der Suche nach einem neuen Klang, einem neuen Platz und vielleicht auch einem neuen Selbstbild. Das war für damalige Fans nicht immer leicht, denn wir wollten ihn ja wiedererkennen und zugleich verstehen, wohin er wollte. Genau diese Spannung machte die Solo-Phase nach Caught in the Act so interessant.
Aleksandra Bechtel und Benjamin Boyce: Liebe im VIVA-Studio
Neben Musik, Imagewechsel und außerirdischen Gedankenausflügen gab es bei Benjamin Boyce bei Kewl natürlich noch ein Thema, das uns damals mindestens genauso brennend interessierte: die Liebe. 1999 war inzwischen öffentlich, dass Benjamin mit VIVA-Moderatorin Aleksandra Bechtel zusammen war. Für viele Fans war das eine dieser Nachrichten, bei denen man nach außen cool tat und innerlich kurz den ganzen Teenie-Liebeskummer auspackte. Denn natürlich wussten wir rational, dass Boyband-Stars echte Beziehungen hatten. Rational wussten wir vieles. Emotional war das eine andere Abteilung, und die hatte damals meistens geöffnet.
Benjamin erzählte im Interview, dass er mit Aleksandra nach Köln gezogen sei. Allein dieser Satz machte die Beziehung plötzlich sehr real. Nicht mehr nur Gerücht, nicht mehr nur Flüstern zwischen Fanclub-Briefen und Zeitschriftenartikeln, sondern Alltag. Zusammenziehen. Köln. Gemeinsames Leben. Und dann kam dieser wunderbar bodenständige Moment, als er auf die Frage, wie das Zusammenleben funktioniere, sinngemäß sagte, er sei nicht so der Koch, aber er mähe den Rasen. Herrlich. Ein Satz, der jedes Rockstar-Image für einen Moment liebevoll in Hausschlappen stellte.
Denn genau da lag der Zauber. Wir sahen Benjamin nicht nur als Musiker, sondern als jungen Mann, der offenbar versuchte, eine ganz normale Beziehung zu führen. Normal, soweit das eben geht, wenn man früher Mitglied einer der bekanntesten Boygroups der 90er war und die eigene Freundin ebenfalls vor der Kamera stand. Trotzdem hatte dieser Satz etwas unglaublich Menschliches. Kein großes Liebespathos, keine auswendig gelernte Romantik, sondern ein Bild aus dem Alltag. Benjamin mäht den Rasen. Man musste fast lachen, weil es so herrlich unglamourös war. Und gleichzeitig machte es ihn wieder ein Stück greifbarer.
Dann wurde es natürlich noch filmreifer, denn Aleksandra Bechtel tauchte plötzlich persönlich im Studio auf und überraschte Benjamin. Die beiden fielen sich in die Arme, und irgendwo zwischen Fanherz und Vernunft passierte bei vielen Zuschauerinnen wahrscheinlich ein kleiner innerer Kurzschluss. Einerseits war es süß. Andererseits war es Benjamin. Unser Benjamin. Der Benjamin, dessen Gesicht vielleicht noch irgendwo ausgeschnitten in einer alten Sammelmappe lag. Man gönnte es ihm natürlich. Aber man gönnte es ihm vielleicht mit leicht zusammengebissenen Zähnen und einem sehr tapferen Lächeln.
Aus heutiger Sicht ist dieser Moment besonders spannend, weil er so viel über das damalige Starbild verrät. Beziehungen von Boyband-Mitgliedern waren in den 90ern ein sensibles Thema. Das Single-Image war ein wichtiger Teil des Traums, auch wenn alle Beteiligten natürlich wussten, dass dieser Traum mit der Realität nur bedingt etwas zu tun hatte. Wenn dann eine Beziehung offiziell wurde, fühlte sich das für Fans oft an, als würde eine kleine Illusion platzen. Gleichzeitig machte es die Stars erwachsener, echter und menschlicher. Benjamin Boyce bei Kewl zeigte genau diesen Übergang: vom unerreichbaren Posterboy zum Mann, der mit seiner Freundin zusammenlebt und im Zweifel lieber den Rasen mäht als das Abendessen kocht.
Aleksandra Bechtel passte als VIVA-Gesicht natürlich perfekt in diese Popkultur-Welt. Sie war selbst Teil dieses jugendlichen Medienuniversums, das unsere Nachmittage geprägt hat. VIVA war damals nicht nur ein Musiksender, sondern eine Bühne für alles, was sich neu, frech und irgendwie nah anfühlte. Dass Benjamin und Aleksandra dort als Paar auftauchten, hatte fast etwas Symbolisches. Es war Popkultur in Echtzeit, übertragen direkt in unsere Kinderzimmer, während wir versuchten, nicht allzu eifersüchtig auf den Bildschirm zu schauen.
Warum dieser Kewl-Auftritt heute noch so viel 90er-Nostalgie auslöst
Wenn man Benjamin Boyce bei Kewl heute noch einmal anschaut, sieht man natürlich vieles mit anderen Augen. Man erkennt die etwas wilde Studiostimmung, die lockere Moderation, die Mischung aus Improvisation und geplantem PR-Auftritt. Man sieht Benjamin, der nicht mehr in der sicheren Formation von Caught in the Act steht, sondern allein funktionieren muss. Man sieht einen Künstler, der ausprobiert, wohin er nach dem großen Boyband-Kapitel gehen könnte. Und man sieht diese herrlich unperfekte 90er-TV-Atmosphäre, die heute fast schon exotisch wirkt, weil nicht jede Sekunde auf Social-Media-Tauglichkeit getrimmt war.
Genau das macht diesen Auftritt so wertvoll. Benjamin Boyce bei Kewl ist mehr als nur ein alter Fernsehclip. Er ist ein kleiner Zeitkapsel-Moment aus einer Phase, in der sich vieles veränderte. Die klassische Boyband-Ära, wie wir sie Mitte der 90er erlebt hatten, bekam Risse. Solokarrieren wurden wichtiger, Images wurden umgebaut, und die Stars, die wir als Teenager angehimmelt hatten, traten plötzlich als erwachsene Menschen vor uns. Das war aufregend, aber auch ein bisschen unbequem. Denn wenn unsere Stars erwachsen wurden, bedeutete das ja irgendwie auch, dass unsere eigene Jugendzeit weiterlief, ob wir wollten oder nicht.
Der Auftritt erinnert daran, wie eng Musik, Fernsehen und Fan-Gefühle damals miteinander verwoben waren. Es gab kein Smartphone, auf dem man zehn Sekunden später schon den nächsten Clip sah. Wenn Benjamin bei Kewl war, dann war das ein Ereignis. Man musste es erwischen, aufnehmen oder hoffen, dass eine Freundin es gesehen hatte und am nächsten Tag jedes Detail erzählen konnte. Vielleicht wurde später telefoniert, vielleicht wurden Meinungen ausgetauscht, vielleicht wurde diskutiert, ob das Rocker-Image nun cool war oder ob man doch den alten Ben vermisste. Diese Langsamkeit machte die Momente größer. Sie hatten Nachhall.
Und vielleicht liegt genau darin die besondere Magie der 90er-Nostalgie. Es geht nicht nur darum, dass wir die Musik mochten oder die Jungs hübsch fanden. Es geht um das ganze Drumherum. Um das Warten. Um das Hoffen. Um das Kribbeln, wenn der Lieblingsstar plötzlich im Fernsehen angekündigt wurde. Um die Art, wie man mit Freundinnen vor dem Bildschirm saß und gleichzeitig lästerte, schwärmte, lachte und innerlich ein kleines Drama aufführte. Benjamin Boyce bei Kewl bringt dieses Gefühl erstaunlich gut zurück, weil der Auftritt so viele Ebenen hat: CITA-Erinnerung, Solo-Neuanfang, Liebe, Humor, ein bisschen Peinlichkeit und ganz viel echtes 90er-Fernsehen.
Heute wirkt Benjamin in diesem Clip vielleicht nicht wie der komplett fertige Solo-Star, der jede Antwort perfekt setzt. Aber genau das ist sein Charme. Er ist suchend, offen, manchmal etwas schräg und dabei sehr nahbar. Diese Nahbarkeit war für Fans damals Gold wert, auch wenn man sie nicht immer so benannt hätte. Wir wollten unsere Stars zwar anhimmeln, aber wir wollten auch Momente, in denen sie kurz aus dem Hochglanzbild herausfielen. Ein Satz über Rasenmähen konnte da mehr bewirken als zehn perfekt inszenierte Pressefotos.
Am Ende bleibt Benjamin Boyce bei Kewl deshalb als ein Auftritt hängen, der wunderbar zwischen zwei Welten steht. Da ist einerseits der Benjamin, den wir aus Caught in the Act kannten, mit all den Erinnerungen an „Love is everywhere“, Konzerte, Bravo-Berichte und Teenie-Herzklopfen. Und da ist andererseits der Benjamin, der 1999 seinen eigenen Weg suchte, mit Gitarre, neuer Single, Alien-Gedanken und einer öffentlich gewordenen Liebe zu Aleksandra Bechtel. Dazwischen liegt genau dieser kleine, kostbare Moment, in dem Popgeschichte nicht perfekt, aber dafür sehr lebendig war.
Vielleicht schauen wir solche Clips heute deshalb so gerne wieder an, weil sie uns nicht nur an die Stars erinnern, sondern auch an uns selbst. An das Mädchen, das wir damals waren. An die Freundin, mit der wir telefoniert haben, bis jemand rief, dass jetzt aber Schluss sei, weil die Telefonrechnung sonst explodiert. An die Poster an der Wand, die irgendwann abgenommen wurden, obwohl ein Teil von uns sie vielleicht gerne noch ein bisschen länger hängen gelassen hätte. Und an dieses merkwürdige, schöne Gefühl, dass ein Fernsehauftritt am Nachmittag den ganzen Tag verändern konnte.
Benjamin Boyce bei Kewl war vielleicht kein großer Meilenstein im klassischen Musikgeschichts-Sinn. Aber für uns, die damals mit Caught in the Act, VIVA, Bravo und Herzklopfen groß geworden sind, ist er ein liebevoller Erinnerungsanker. Ein bisschen schräg, ein bisschen süß, ein bisschen zum Fremdschmunzeln und gleichzeitig voller Wärme. Genau so waren die 90er eben manchmal. Nicht perfekt. Nicht immer cool. Aber unvergesslich.
Interne Verlinkungshinweise:
Hier bietet sich eine dezente Verlinkung zu einem bestehenden Beitrag über Benjamin Boyces Solo-Zeit nach Caught in the Act an. Zusätzlich könnte ein interner Link zu einem Artikel über Aleksandra Bechtel und ihre Verbindung zur 90er-Popkultur passen.
Benjamin Boyce bei KEWL am 30.08.1999
Lee
Eloy
Bastiaan
Benjamin
Was war „Kewl“ bei VIVA?
Die Sendung „Kewl“ war ein echtes VIVA-Unikat – ein bisschen chaotisch, total verspielt und perfekt für unsere Teenie-Sonntage. Moderator Tobi Schlegl durfte sich in diesem Format richtig austoben und brachte mit viel Humor, spontanen Einfällen und einem Augenzwinkern so richtig Leben ins Studio. Man könnte sagen, das Format war eine wilde Mischung aus MTV-Unplugged-Zauber und Comedy-Anarchie – kein festes Konzept, aber genau deshalb so erfrischend anders und mega unterhaltsam.
„Kewl“ war ganz klar eine Ein-Mann-Show von Tobi Schlegl. Er war nicht nur der Gastgeber, sondern auch das Herz und die Seele dieser Sendung. Während VIVA natürlich viele andere bekannte Gesichter hatte – wie Mola Adebisi, Aleksandra Bechtel oder Enie van de Meiklokjes – wurden sie in anderen Formaten eingesetzt. Bei „Kewl“ war Tobi das einzige und unverwechselbare Gesicht.
Mehr von Benjamin Boyce findest Du hier:
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Solo-Karriere
Die erste Single-Auskopplung nach der Trennung von Caught In The Act war der Song „Change“. Damit verband Benjamin vor allem die vielen positiven Veränderungen, die er seit der Band-Auflösung erlebte.
Am 29. und 30. Dezember 2000 wirkte Benjamin als Schauspieler in zwei Folgen der Daily Soap „Unter Uns“ mit. Hier gelangst Du zum entsprechenden CITAFORUM-Bericht.
2004 nahm Benjamin bei der Pro-Sieben-Sendung „Comeback – die große Chance“ teil und erreichte dort den zweiten Platz.











