Zurück ins Jahr 1999: Als MTV noch Magie hatte
Wenn ich heute an 1999 denke, sehe ich sofort mein Teenie-Zimmer vor mir: Bravo-Stapel unter dem Bett, Posterkleber an den Fingern und MTV lief eigentlich immer. Und dann saß er da – Benjamin Boyce – bei MTV Select.
Nicht mehr als Boygroup-Ben von Caught in the Act, sondern als Solo-Künstler. Allein dieser Gedanke fühlte sich damals schon irgendwie… verboten an.
Ich erinnere mich noch genau an dieses flattrige Gefühl im Bauch. Einerseits Stolz, andererseits Angst: Was, wenn er jetzt ganz weg ist? Willkommen im emotionalen Ausnahmezustand eines 90er-Teens.
Ein Engländer, kein Holländer – und plötzlich ganz erwachsen
Gleich zu Beginn dieser legendären MTV Select-Sendung kam es zu einem kleinen, aber typischen 90er-TV-Moment. Moderator Peter Imhoff stellte Benjamin als „Holländer“ vor – und Ben korrigierte ihn sofort. Nein, Engländer. Aus London.
Damals war das für uns Fans irgendwie wichtig. Herkunft, Akzent, jede Kleinigkeit zählte. Und ja, sein Deutsch war noch holprig, aber genau das machte ihn so unfassbar charmant. Man merkte: Hier sitzt jemand, der sich gerade neu erfindet – und dabei noch ein bisschen unsicher ist.
„Change“ – mehr als nur ein Songtitel
Als Peter Imhoff auf die erste Solo-Single „Change“ zu sprechen kam, wurde es ernst. Benjamin erklärte, dass diese Musik endlich das widerspiegelte, was er wirklich machen wollte: rockiger, ehrlicher, weniger Herzchen-Pop.
Und ganz ehrlich? Als Teenie tat das erstmal weh.
Keine „Girl, I love you“-Songs mehr? Keine kitschigen Liebeszeilen, die wir uns in unsere Tagebücher geschrieben haben?
Aber gleichzeitig spürte man: Das hier war wichtig für ihn. Benjamin hatte hart an diesem Album gearbeitet, die Songs größtenteils selbst geschrieben – und wollte die Fans bewusst mitnehmen auf diesen neuen Weg.
Wenn Boygroup-Träume nicht mehr passen
Besonders hängen geblieben ist mir eine Aussage, die damals fast schon brutal ehrlich war. Benjamin sagte, dass ihm die CITA-Texte irgendwann einfach nicht mehr entsprachen. Am Anfang war alles toll gewesen – aber mit dem Älterwerden passte dieses Image nicht mehr.
Und rückblickend? Er hatte absolut recht.
Sie wurden älter, wir wurden älter – nur das Image blieb stehen. Für Benjamin war klar: Jetzt oder nie.
Als Teenie wollte ich das natürlich nicht hören. Aber genau diese Ehrlichkeit macht dieses Interview heute so wertvoll.
Alte Videos, alte Zeiten – und gemischte Gefühle
Als Peter Imhoff fragte, ob Benjamin sich alte CITA-Videos noch ansieht, wirkte seine Antwort… sagen wir mal: diplomatisch. „Ganz lustig“, meinte er. Man merkte sofort: Sein Herz hing inzwischen woanders.
Und das tat irgendwie weh. Denn für uns Fans waren diese Videos damals alles. VHS-Kassetten, zigfach überspielt, jedes Lächeln auswendig gelernt.
Die große Frage: Gibt es ein Comeback?
Dann kam sie – die Fanfrage schlechthin. Katrin (14) aus Herten wollte wissen, ob Benjamin sich vorstellen könne, noch einmal etwas mit seinen ehemaligen Bandkollegen zu machen.
Seine Antwort war eindeutig: Jetzt auf gar keinen Fall. Es sei viel zu früh, sie bräuchten Abstand. Vielleicht irgendwann in ferner Zukunft – wer wisse das schon.
Spoiler: Diese Aussage wurde später noch oft zitiert.
Kontakt zu den anderen CITA-Jungs?
Auch hier blieb Benjamin ehrlich. Viel Kontakt gäbe es nicht mehr, mit einem telefoniere er gelegentlich. Jeder sei mit neuen Projekten beschäftigt.
Für uns Fans war das damals schwer zu akzeptieren. Wir wollten Harmonie, Freundschaft, ewigen Zusammenhalt. Aber das Leben spielte eben nicht nach Bravo-Drehbuch.
Treue Fans & echte Zweifel
Ein Moment, der mir bis heute im Kopf geblieben ist: Benjamin sprach offen darüber, wie unsicher er war, ob die Fans ihm auch solo folgen würden.
Diese Angst war greifbar. Würden wir ihn akzeptieren – ohne die anderen drei? Ohne CITA-Logo?
Besonders rührend fand ich, dass er von den vielen unterstützenden Fanbriefen erzählte. Briefe! Mit Stift, Papier und Herzklopfen. Dass diese Worte ihm Mut gemacht haben, war für mich damals fast ein bisschen tröstlich.
Bastiaan? Zu zweit weitermachen? Nein.
Natürlich wurde auch gefragt, ob ein Weitermachen zu zweit – etwa mit Bastiaan Ragas – jemals Thema gewesen sei. Ben verneinte klar. Eine Pause sei notwendig, auch wenn sie Freunde geblieben seien.
Für uns Fans klang das endgültig. Und ja: Ich habe damals wirklich kurz geweint.
Alleine arbeiten – Freiheit pur
Als Benjamin erklärte, was für ihn das Beste am Solo-Dasein sei, musste ich schmunzeln. „Man muss nicht mehr auf die anderen warten“, sagte er lachend.
Nach sieben Jahren in einer Band plötzlich alles selbst entscheiden zu dürfen – das klang nach Freiheit. Und irgendwie auch nach Erwachsenwerden. Etwas, das wir als Teenies zwar wollten, aber gleichzeitig fürchteten.
Privatleben, Köln & Aleksandra
Spannend wurde es auch, als Benjamin über sein neues Leben in Köln sprach – inklusive großem Haus und Freundin Aleksandra Bechtel.
Für uns Fans war das natürlich ein Stich ins Herz. Aber auch das gehörte zur Wahrheit dazu: Unsere Idole hatten ein echtes Leben. Mit Beziehungen. Und Häusern. Und Renovierungsstress.
Aliens, Neandertaler & halbe Außerirdische
Und dann kam dieser Moment, der typisch MTV Select war: Benjamin sprach über seinen Song „10.000 Lightyears“ und erklärte ernsthaft seine Alien-Theorie.
Neandertaler, Klone, Außerirdische – wir seien alle halbe Aliens.
Ich weiß noch, wie ich lachend vor dem Fernseher saß und dachte: Okay… das ist jetzt wirklich anders als früher.
Männliche Fans, Muskeln & ein bisschen Wehmut
Auch männliche Fans kamen zur Sprache – und Benjamin machte klar, dass nun niemand mehr Angst haben müsse, zu seinen Konzerten zu kommen. Die Zeiten hätten sich geändert.
Als Peter Imhoff ihn dann auf seine Muskeln ansprach, winkte Benjamin ab. Diese Phase sei vorbei.
Schade eigentlich. 😅
Kreischwettbewerb & Fanpoesie zum Schluss
Natürlich durfte der legendäre MTV-Select-Kreischwettbewerb nicht fehlen. Ilka gegen Sam – Sam gewann. Kreisch-Level Maximum.
Zum emotionalen Abschluss wollte Peter Imhoff noch ein Gedicht vorlesen, das Fan Angie eingesendet hatte. Sie war leider nicht erreichbar – also las er es selbst vor. Ein Moment, der zeigte, wie nah Fans und Stars damals noch beieinander waren.
Warum dieses Interview bis heute besonders ist
Dieses MTV Select-Interview aus dem Jahr 1999 ist mehr als nur Nostalgie. Es zeigt einen jungen Künstler in einer Umbruchphase. Ehrlich, verletzlich, mutig.
Und für uns 90er-Teens?
Ein bittersüßer Abschied von einer Zeit, in der alles einfacher schien – und gleichzeitig der Beginn von etwas Neuem.
Benjamin Boyce bei MTV Select 1999:
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Bei MTV Select stellte Benjamin Boyce 1999 sein neues Solo-Album vor. Hast Du Benjamins Solo-Karriere nach der CITA-Trennung weiter verfolgt?
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