Tischkicker-Turnier bei 1Live TV: Benjamin Boyce zwischen „Change“ und alten Tanzschritten
Der 26. Mai 1999 war einer jener Abende, an denen mehrere Welten gleichzeitig im Wohnzimmer zusammenkamen. Auf dem Fernseher lief Fußball, irgendwo lag noch eine Bravo mit leicht geknickten Ecken, und im Radio- und Fernsehstudio von 1Live saß ein Mann, der erst wenige Monate zuvor zu einer der bekanntesten Boybands der Neunziger gehört hatte. Benjamin Boyce bei 1Live TV zu erleben, fühlte sich deshalb ein wenig an wie ein Wiedersehen mit jemandem, den man lange nur als Teil eines sorgfältig abgestimmten Gruppenbildes gekannt hatte. Nun stand er allein im Mittelpunkt, mit einer neuen Single, einer neuen Frisur des Lebens und vermutlich auch mit dem leisen Wunsch, nicht bei jeder zweiten Frage vier unsichtbare Bandkollegen neben sich stehen zu sehen.
Benjamin Boyce präsentierte seine erste Solo-Single „Change“, die schon mit ihrem Titel ziemlich unmissverständlich erklärte, worum es ihm ging. Nach der Trennung von Caught In The Act sollte nicht einfach das bekannte Rezept mit einer anderen Verpackung weiterlaufen. Er wollte zeigen, welche Musik zu ihm passte, wenn kein Boyband-Konzept den Takt vorgab und keine Choreografie verlangte, dass vier Männer im exakt richtigen Moment dieselbe gefühlvolle Handbewegung machten. Das gleichnamige Album „Benjamin Boyce“ stand für diesen persönlichen Neustart, der zwar auf den Erfahrungen der CITA-Jahre aufbaute, sich aber deutlich erwachsener, kantiger und eigenständiger anfühlen sollte.
Ganz ohne Rückblick ging es natürlich nicht, denn wer Benjamin Boyce bei 1Live TV einschaltete, brachte seine eigenen Erinnerungen gleich mit. Da waren Konzerte, Poster, heimlich aufgenommene Fernsehsendungen und jene Diskussionen, bei denen Freundinnen sehr ernsthaft klärten, welcher der vier Jungs nun wirklich am besten aussah. Gleichzeitig lag über dem Auftritt eine angenehme Lockerheit. Benjamin musste keinen perfekten Popstar spielen, sondern durfte erzählen, lachen, kickern und sogar ein wenig über das Kapitel sprechen, das ihn berühmt gemacht hatte. Gerade diese Mischung aus Aufbruch und vertrauter Vergangenheit macht die Aufnahmen heute so sehenswert.
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Benjamin Boyce bei 1Live TV – ein Neustart namens „Change“
Als Benjamin Boyce bei 1Live TV zu Gast war, lag das offizielle Ende von Caught In The Act noch nicht einmal ein Jahr zurück. Am 16. August 1998 war die Trennung in Magdeburg öffentlich geworden, und für viele Fans hatte sich dieser Moment angefühlt, als hätte jemand mitten in einem Lieblingslied den Stecker gezogen. Die vier Jungs waren über Jahre hinweg fester Bestandteil des Alltags gewesen: morgens im Radio, nachmittags in Musiksendungen, abends auf Videokassette und nachts gelegentlich sogar im Traum, wobei dort erstaunlicherweise nie jemand wegen einer fehlenden Eintrittskarte vor der Halle stehen bleiben musste.
Für Benjamin Boyce bedeutete das Ende der Band nicht nur einen beruflichen Einschnitt. Er verließ Amsterdam, zog nach Köln und begann, sein Leben neu zu ordnen. Dort konnte er auch seine Beziehung zu Moderatorin Aleksandra Bechtel offener leben, nachdem Privatleben und Öffentlichkeit während der Boyband-Jahre möglichst sauber voneinander getrennt worden waren. Bei Benjamin Boyce bei 1Live TV war zu spüren, dass dieser Schritt mehr als ein neuer Termin im Promotionkalender war. Er wirkte wie jemand, der erst langsam herausfand, wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Entscheidungen nicht mehr mit drei Kollegen, einem Management und einem eng getakteten Plan abgestimmt werden müssen.
Im Gespräch mit Moderatorin Miriam Pielhau machte Benjamin keinen Hehl daraus, dass er froh war, nun sein eigenes Ding machen zu können. In der Band sei er nicht immer wirklich glücklich gewesen, erklärte er sinngemäß, zugleich blickte er keineswegs undankbar auf diese Jahre zurück. Caught In The Act hatte ihm schließlich Erfahrungen ermöglicht, von denen ein junger Sänger nur träumen konnte: große Bühnen, unzählige Reisen, Fernsehstudios und eine Fangemeinde, deren Ausdauer vermutlich selbst einen Paketdienst nervös gemacht hätte. Er hatte gelernt, vor Kameras zu sprechen, mit Druck umzugehen und auch dann freundlich zu lächeln, wenn der Tag schon aus vier Interviews, zwei Fototerminen und einem viel zu frühen Wecker bestanden hatte.
„Change“ passte als Titel daher beinahe zu gut. Der Song markierte einen Tapetenwechsel, ohne die Vergangenheit zu verleugnen, und gab Benjamin die Möglichkeit, sich musikalisch stärker einzubringen. Statt ausschließlich den romantischen Boyband-Helden zu verkörpern, wollte er auch andere Seiten zeigen und seine eigenen Gedanken in die Songs legen. Benjamin Boyce bei 1Live TV war damit nicht bloß ein klassischer Auftritt zur Veröffentlichung einer Single, sondern ein kleines öffentliches Sortieren: Was bleibt von CITA, was darf gehen, und wer ist Benjamin, wenn er nicht mehr automatisch einer von vier Jungs ist?
Für damalige Fans war diese Frage mindestens so spannend wie die neue Musik. Natürlich hatte jeder eine Vorstellung davon, wie die Mitglieder von Caught In The Act privat sein könnten, genährt aus Interviews, Steckbriefen und sorgfältig studierten Nebensätzen. Doch eine Solokarriere nahm Benjamin aus der vertrauten Formation heraus und stellte ihn ohne schützende Choreografie ins Licht. Bei Benjamin Boyce bei 1Live TV sah man deshalb einen Künstler in einer Zwischenphase: selbstbewusster als zu Beginn der CITA-Zeit, aber noch nicht völlig gelöst von den Erwartungen, die mit seinem Namen verbunden waren.
Champions League im Hintergrund, Fußballbegeisterung Fehlanzeige
Während Benjamin im Studio über seinen musikalischen Neustart sprach, fand außerhalb der 1Live-Welt ein Fußballabend statt, der später selbst Geschichte schreiben sollte. Bayern München traf im Finale der Champions League auf Manchester United. Für Miriam Pielhau war das eine wunderbare Vorlage, denn Benjamin war in Großbritannien geboren worden und hätte damit theoretisch eine leidenschaftliche Meinung zum Spiel haben müssen. Praktisch verhielt es sich etwas anders. Auf die Frage, ob er Fußballfan sei, antwortete er, dass ihn der Sport nicht sonderlich interessiere. Ein britischer Geburtsort installiert eben nicht automatisch Fußballbegeisterung; manchmal bekommt man offenbar nur den Akzent, den Humor und die Fähigkeit, Tee auch dann ernst zu nehmen, wenn Kaffee in Reichweite steht.
Gerade diese beiläufige Ehrlichkeit machte Benjamin Boyce bei 1Live TV so sympathisch. Er versuchte nicht, für die Kamera plötzlich zum taktischen Experten zu werden oder einen Lieblingsverein aus dem Ärmel zu schütteln. Stattdessen blieb er bei seiner eher überschaubaren Begeisterung, obwohl das Studiokonzept ihn kurz darauf ausgerechnet an einen Kickertisch führte. Das Fernsehen der späten Neunziger liebte solche kleinen Widersprüche. Ein Sänger kam, um über eine neue Platte zu sprechen, und landete wenige Minuten später in einem sportlichen Wettbewerb, bei dem Interviews, Ballkontrolle und lockere Sprüche möglichst gleichzeitig funktionieren sollten.
Heute wirkt diese Atmosphäre fast wohltuend ungekünstelt. Niemand musste in einer perfekt ausgeleuchteten Social-Media-Kulisse so tun, als sei jeder Augenblick spontan, obwohl bereits drei Kameras und ein Contentplan bereitstanden. Benjamin Boyce bei 1Live TV bedeutete: ein Studio, eine Moderatorin, ein prominenter Gast und eine Idee, die wahrscheinlich mit dem Satz begann, man könne doch nebenbei ein bisschen kickern. Genau daraus entstand jene Form von Unterhaltung, die man damals eher zufällig entdeckte und anschließend auf VHS bewahrte, weil niemand wissen konnte, wann der Beitrag noch einmal ausgestrahlt werden würde.
Miriam Pielhau verstand es, Benjamin durch diese ungewöhnliche Situation zu führen. Sie fragte nach seiner neuen Musik, griff die Vergangenheit auf und ließ zugleich genug Raum für die kleinen Reaktionen, die in einem streng vorbereiteten Interview oft verloren gehen. Mal konzentrierte er sich auf den Ball, mal auf die nächste Antwort, und gelegentlich schien beides ungefähr gleich schwierig zu sein. Benjamin Boyce bei 1Live TV zeigte dadurch keine glatt polierte Präsentation, sondern einen Menschen, der zwischen Promotion, Erinnerungen und Tischfußball versuchte, den Überblick zu behalten.
Dass parallel eines der dramatischsten Fußballspiele jener Zeit lief, verleiht der Aufnahme im Rückblick einen zusätzlichen Zeitstempel. Selbst wer sich für Fußball ähnlich stark begeisterte wie Benjamin, erinnert sich vielleicht an die Stimmung dieses Abends, an offene Fenster im Mai, an Fernseher in Wohnzimmern und an die Geräusche aus Nachbarwohnungen. Während draußen die große Sportwelt fieberte, wurde im 1Live-Studio die kleinere Variante vorbereitet – mit Kunststoffspielern, Metallstangen und der tröstlichen Gewissheit, dass nach einem Gegentor wenigstens niemand mehrere Kilometer zurücklaufen musste.
Tischkicker gegen Eins Zwo und Fragen unter erschwerten Bedingungen
Für das Tischkicker-Turnier bildeten Benjamin und Miriam ein Team. Ihnen gegenüber standen DJ Rabauke und Dendemann vom Hip-Hop-Duo Eins Zwo, womit musikalisch bereits genug unterschiedliche Welten an einem Tisch versammelt waren. Auf der einen Seite der ehemalige Boyband-Star mit der Moderatorin, auf der anderen Seite zwei Vertreter des deutschen Hip-Hop – und zwischen ihnen ein kleiner Ball, der sich erwartungsgemäß nicht darum kümmerte, wer gerade eine Single bewerben wollte. Benjamin Boyce bei 1Live TV wurde spätestens jetzt zu einer herrlich neunzigerhaften Mischung aus Interview, Spielshow und Promotiontermin.
Besonders amüsant war, dass Miriam ihre Fragen während des Spiels stellte. Ein normales Interview verlangt bereits Aufmerksamkeit, doch am Kickertisch kommen schnelle Handbewegungen, klappernde Figuren und der sportliche Ehrgeiz hinzu, der selbst Menschen erfasst, die zwei Minuten zuvor glaubhaft versichert haben, Fußball interessiere sie kaum. Benjamin musste also gleichzeitig zuhören, antworten und verhindern, dass Eins Zwo den Ball im Tor versenkte. Musikjournalismus unter erschwerten Bedingungen, könnte man sagen, wobei vermutlich jede damalige Fanfrage sofort beantwortet hätte, welcher Bereich wichtiger war.
Genau hier entfaltet die Aufnahme ihren Charme. Benjamin Boyce bei 1Live TV war kein feierliches Porträt, in dem ein Künstler mit bedeutungsvoller Miene über seine kreative Entwicklung sprach. Natürlich ging es um „Change“ und seine Pläne nach Caught In The Act, aber daneben gab es Gelächter, hektische Bewegungen und diese kurzen Momente, in denen eine vorbereitete Antwort vom nächsten Ballkontakt überholt wurde. Benjamin wirkte weder übermäßig ehrgeizig noch distanziert. Er ließ sich auf das Spiel ein und nahm die Situation so, wie sie kam, auch wenn sein fußballerisches Schicksal nun ausgerechnet von kleinen Plastikmännern abhing.
Für Fans, die ihn jahrelang auf großen Bühnen erlebt hatten, bot das Tischkicker-Turnier einen ungewöhnlich nahbaren Blick. Bei CITA war jede Bewegung Teil einer Inszenierung gewesen: Aufstellung, Licht, Tanzschritte und der Moment, in dem das Hemd gerade weit genug offenstand, um ganze Jugendzimmer kollektiv aus der Ruhe zu bringen. Am Kickertisch gab es dafür keine elegante Choreografie. Dort konnte der Ball wegspringen, eine Antwort zu lang geraten oder eine Hand an der falschen Stange landen. Benjamin Boyce bei 1Live TV erinnerte dadurch eher an einen lustigen Abend unter Bekannten als an die streng kontrollierte Präsentation eines Popstars.
Auch das Aufeinandertreffen mit Eins Zwo passt wunderbar in diese Zeit. Ende der Neunziger liefen Pop, Hip-Hop, Dance und Rock im Musikfernsehen häufig direkt hintereinander, sodass man innerhalb einer halben Stunde von einer gefühlvollen Ballade zu einem trockenen Rap und anschließend zu einer Eurodance-Nebelmaschine reisen konnte. Am 1Live-Kickertisch brauchte es dafür nicht einmal einen Programmwechsel. Die Beteiligten begegneten sich spielerisch, ohne dass aus den unterschiedlichen musikalischen Richtungen ein künstliches Duell gemacht werden musste. Der Wettbewerb blieb dort, wo er hingehörte: bei dem kleinen weißen Ball.
Alte CITA-Tanzschritte, leichte Verlegenheit und ein Biergarten
Der heikelste Moment wartete allerdings nicht am Tor, sondern in Benjamins Vergangenheit. Miriam bat ihn, eine Passage aus einer alten CITA-Choreografie vorzuführen. Wer die Aufnahmen sieht, erkennt schnell, dass seine Begeisterung ungefähr auf dem Niveau eines Menschen lag, der bei einer Familienfeier plötzlich den Tanz vom Abiball wiederholen soll. Benjamin Boyce bei 1Live TV zeigte hier sehr deutlich, wie groß der Abstand zwischen seiner neuen künstlerischen Rolle und dem früheren Boyband-Alltag inzwischen geworden war.
Benjamin Boyce erklärte, dass er die Choreografien nie besonders gemocht habe. Das war durchaus bemerkenswert, schließlich gehörten die synchronen Bewegungen zu Caught In The Act wie wehende Hemden, sehnsüchtige Blicke und Fans, die selbst aus der hintersten Hallenecke jedes Detail erkannten. Was auf der Bühne leicht und selbstverständlich wirkte, bedeutete hinter den Kulissen stundenlanges Üben, Zählen und Wiederholen. Für jemanden, der sich musikalisch freier ausdrücken wollte, konnten solche festgelegten Abläufe irgendwann eher wie ein enges Kostüm als wie glamouröse Popmagie wirken.
Trotz seiner sichtbaren Verlegenheit ließ Benjamin Boyce sich überreden und deutete die verlangte Passage an. Gerade dieser kurze Augenblick ist heute besonders liebenswert. Er verspottete seine Vergangenheit nicht, machte aber auch keinen Hehl daraus, dass er sie nicht vollständig in die Solokarriere mitnehmen wollte. Benjamin Boyce bei 1Live TV verband beides: den Respekt vor dem, was CITA möglich gemacht hatte, und den Wunsch, nicht für immer auf dieselben Tanzschritte reduziert zu werden. Fans durften schmunzeln, während Benjamin vermutlich innerlich bereits prüfte, wie schnell sich das Thema wieder zu „Change“ zurücklenken ließ.
Nach dem Termin sollte es für ihn in den Biergarten gehen, eine Aussicht, die nach Studio, Interview und Tischkicker ausgesprochen vernünftig klang. Dieser kleine Satz rundet die Szene wunderbar ab, weil er Benjamin aus der Popstarrolle in einen ganz normalen Maiabend entlässt. Keine große Aftershowparty, kein geheimnisvolles Prominentenritual, sondern draußen sitzen, etwas trinken und den Tag ausklingen lassen. Vielleicht lief irgendwo das Champions-League-Finale, vielleicht wurde über das Spiel gesprochen, und Benjamin konnte weiterhin freundlich daran erinnern, dass Fußball wirklich nicht sein großes Thema war.
Mehr als ein Vierteljahrhundert später ist Benjamin Boyce bei 1Live TV vor allem deshalb so schön anzusehen, weil die Aufnahme einen echten Übergang festhält. Da steht ein Mann, der gerade erst gelernt hat, sich ohne seine Band neu vorzustellen, während die Vergangenheit noch an jeder Ecke freundlich anklopft. Seine erste Solo-Single heißt „Change“, doch im Studio warten alte Erinnerungen, vertraute Tanzschritte und die unausgesprochene Frage, ob ein Neustart jemals ganz ohne das Vorher möglich ist. Die Antwort lautet vermutlich nein – und zum Glück ist das auch gar nicht nötig.
Für alle, die Caught In The Act damals begleitet haben, öffnet der Beitrag eine kleine Tür zurück in das Jahr 1999. Man erinnert sich an Musiksendungen, an Videokassetten mit handgeschriebenen Etiketten und an die seltsame Mischung aus Traurigkeit und Neugier, mit der man die Solowege der vier Jungs verfolgte. Benjamin Boyce bei 1Live TV schenkt dieser Erinnerung Humor, Wärme und ein bisschen Kickertisch-Geklapper. Am Ende bleibt kein dramatisches Fazit, sondern das angenehme Gefühl, einen vertrauten Menschen in einem neuen Kapitel wiedergetroffen zu haben – noch leicht verlegen bei den alten Schritten, aber längst bereit, seinen eigenen Rhythmus zu finden.
Das vollständige Interview, das Tischkicker-Duell und Benjamins kurzen Ausflug in die CITA-Choreografie kannst Du Dir im Video ansehen:
Tischkicker-Turnier bei 1Live TV mit Benjamin Boyce:
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