Bevor Caught in the Act deutsche Jugendzimmer eroberten, Goldene Schallplatten sammelten und bei jedem Fernsehauftritt für zuverlässig erhöhte Lautstärke sorgten, mussten Bastiaan Ragas, Lee Baxter, Eloy de Jong und Benjamin Boyce in Holland um jede Gelegenheit kämpfen. Ein seltenes Dokument aus dieser Zeit ist der Auftritt von CITA bei Telekids 1993, bei dem die Band ihre Single „Hey You“ vorstellte.
Die Sendung zeigte allerdings nicht einfach vier junge Männer, die kurz interviewt wurden und anschließend ihren Song präsentierten. Telekids verwandelte den Besuch in eine kleine Comedygeschichte rund um Moderatorin Irene Moors, ein Studio-Schlafzimmer und ihren eifersüchtigen Co-Moderator Carlo Boszhard. Nacheinander nahmen Benjamin, Eloy sowie Bastiaan und Lee auf dem Bett Platz, nur um kurz darauf von Carlo überrascht, mit Kuscheltieren beworfen oder in eine Kissenschlacht verwickelt zu werden.
Aus heutiger Sicht ist die Aufnahme eine wunderbar schräge Zeitkapsel. Die Kulisse wirkt verspielt, die Einfälle sind harmlos-chaotisch und Caught in the Act befindet sich noch weit vor der perfekt kontrollierten Boyband-Phase. CITA bei Telekids 1993 zeigt vier junge Künstler, die bereitwillig jeden Spaß mitmachen, obwohl ihre bisherigen Singles nicht den erhofften Erfolg gebracht hatten und niemand wissen konnte, dass wenig später eine deutsche Fernsehserie ihre gesamte Karriere verändern würde.
Gerade dieses Wissen macht den Auftritt so reizvoll. Wir sehen nicht nur eine frühe Performance von „Hey You“, sondern einen Moment kurz vor dem großen Durchbruch. Die Band wirkt vertraut und doch anders als in den späteren Hochglanzvideos. Es gibt keine riesige Bühne, kein kreischendes Hallenpublikum und keinen Grund, sich bereits als sichere Stars zu fühlen. Es gibt ein Bett, sehr viele Kuscheltiere und vier Männer, die offensichtlich gelernt hatten, dass man im Fernsehen manchmal ebenso schnell mit einem Kopfkissen wie mit einem Mikrofon umgehen können muss.
Als der große CITA-Erfolg noch weit entfernt war
Caught in the Act war 1992 gegründet worden. Die erste Single „Gonna Make You Mine“ brachte jedoch nicht den erhofften Durchbruch, und auch „Hey You“ konnte ein Jahr später in den Niederlanden keine große Erfolgsgeschichte auslösen. Selbst die 1994 veröffentlichten Titel „Take Me to the Limit“ und „Love Is Everywhere“ veränderten die Situation zunächst nicht grundlegend.
Die vier erzählten später häufig, wie ernüchternd diese Anfangszeit gewesen war. Sie traten in kleinen Diskotheken auf, spielten vor wenig Publikum und mussten manchmal sogar mit ablehnenden Reaktionen umgehen. Was rückblickend wie ein romantischer Weg vom unbekannten Newcomer zum gefeierten Star klingt, bestand im Alltag vermutlich aus langen Fahrten, viel Training und immer neuen Versuchen, Menschen von der Band zu überzeugen.
Der Auftritt von CITA bei Telekids 1993 fiel genau in diese unsichere Phase. Die Band hatte eine aktuelle Single, bekam einen Platz in einer beliebten Fernsehsendung und konnte sich einem jungen Publikum präsentieren. Solche Termine waren wertvoll, denn jede Sendeminute bot die Chance, neue Fans zu gewinnen. Ein Kind, das wegen Irene und Carlo eingeschaltet hatte, konnte wenige Minuten später plötzlich einen Lieblingssong oder zumindest einen Favoriten unter den vier Gästen haben.
Bis Ende 1994 hatte sich die Band nach eigener Erinnerung eine Art Frist gesetzt. Wenn der Erfolg bis dahin nicht käme, wollten die Mitglieder möglicherweise aufgeben. Dann folgte das Angebot für einen Gastauftritt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, und aus einer beinahe beendeten Geschichte wurde der Beginn der großen deutschen CITA-Ära.
Wer CITA bei Telekids 1993 heute sieht, kennt dieses spätere Kapitel bereits. Genau deshalb bekommt jeder kleine Moment eine zusätzliche Bedeutung. Benjamin, Lee, Eloy und Bastiaan konnten damals nicht wissen, dass ihre Gesichter bald auf unzähligen Postern hängen würden. Sie mussten den Termin behandeln wie jede andere Chance – engagiert, charmant und bereit, sich notfalls von einem Kinderfernsehmoderator aus einem Studio-Schlafzimmer entführen zu lassen.
Benjamin Boyce landet zuerst im Studio-Schlafzimmer
Den Anfang machte Benjamin Boyce, damals 25 Jahre alt. Irene Moors begrüßte ihn mit Küsschen rechts und links und nahm mit ihm auf dem Bett im eigens eingerichteten Studio-Schlafzimmer Platz. Die Kulisse war perfekt für eine harmlose Kinderfernseh-Sitcom: gemütlich genug für ein Interview und gleichzeitig verdächtig genug, damit Carlo Boszhard wenige Augenblicke später gespielt eifersüchtig durch die Tür stürmen konnte.
Carlo tat so, als hätte er Irene mit einem fremden Mann erwischt. Das vermeintliche Drama löste sich auf, als erklärt wurde, dass es sich um Benjamin Boyce von Caught in the Act handelte. Offenbar war dieser Name als Entschuldigung vollkommen ausreichend. Carlo beruhigte sich und zog Benjamin anschließend kurzerhand aus dem Raum.
Die Szene bei CITA bei Telekids 1993 lebt von Benjamins Bereitschaft, das Spiel mitzumachen. Statt ein ernstes Promotioninterview durchzusetzen, fügte er sich in die kleine Handlung ein. Für das junge Publikum war das vermutlich viel unterhaltsamer als eine nüchterne Frage nach musikalischen Einflüssen. Gleichzeitig lernte es seinen Namen und erfuhr, dass gleich noch ein Auftritt folgen würde.
Benjamin besaß schon damals jenes schelmische Auftreten, das später in Interviews zuverlässig für spontane Pointen sorgte. Er wirkte nicht irritiert davon, dass die Präsentation seiner Single zunächst über Küsschen, ein Bett und einen eifersüchtigen Moderator führte. Wer im Popgeschäft auffallen will, sollte schließlich flexibel sein. Manchmal steht man auf einer Bühne, manchmal sitzt man in einer Kinderzimmerkulisse und hofft, dass der Co-Moderator die Situation nicht mit einem Kuscheltier eskalieren lässt.
Für Fans ist dieser frühe Auftritt besonders reizvoll, weil Benjamin noch nicht in der später festgelegten CITA-Rolle erscheint. Die Medien hatten aus den vier Mitgliedern noch keine europaweit bekannten Typen geformt. Er ist einfach ein junger Sänger, der seine Band vorstellen möchte und dabei sichtbar Spaß an einer ungewöhnlichen Fernsehszene hat.
Eloy wird mit Kuscheltieren attackiert
Kurz nachdem Benjamin verschwunden war, klingelte es erneut an der Studiotür. Diesmal stand Eloy de Jong davor, damals gerade 20 Jahre alt. Auch er nahm für das geplante Interview neben Irene auf dem Bett Platz. Das Publikum kannte den Ablauf inzwischen und dürfte bereits darauf gewartet haben, wann Carlo wieder auftauchen würde.
Der ließ sich nicht lange bitten. Er stürmte gespielt empört in den Raum, beließ es bei Eloy jedoch nicht bei Worten und begann, ihn mit Kuscheltieren zu bewerfen. Eloy wehrte sich, und aus dem Interview wurde eine kleine Plüschschlacht. Erst als Irene erklärte, dass auch dieser Besucher zu Caught in the Act gehöre und für einen Auftritt gekommen sei, reichte Carlo ihm versöhnlich die Hand.
CITA bei Telekids 1993 zeigt Eloy hier in einer Situation, die perfekt zu seiner lockeren, verspielten Seite passte. Er nahm die Attacke nicht ernst, sondern reagierte innerhalb des vorgegebenen Spiels. Für die Kinder im Studio war die körperliche Komik sofort verständlich: Ein eifersüchtiger Moderator, ein überraschter Gast und genügend Kuscheltiere, um jede diplomatische Lösung zunächst unnötig zu machen.
Auch diese Szene erfüllte neben der Unterhaltung einen klaren Zweck. Der Name Eloy blieb hängen, sein Gesicht bekam Aufmerksamkeit und die Band wurde nicht als distanzierter Musikact präsentiert. Die Mitglieder waren mitten im Geschehen, ließen sich necken und wirkten zugänglich. Genau diese Nähe wurde später zu einem wichtigen Teil der CITA-Wirkung.
Nach der Versöhnung wurde Eloy wie zuvor Benjamin von Carlo aus dem Studio geführt. Damit war der Weg frei für die nächsten Besucher. Das wiederholte Muster steigerte den Witz, denn alle wussten inzwischen, was passieren würde – nur die Frage nach der nächsten Eskalationsstufe blieb offen.
Bastiaan und Lee greifen zu den Kopfkissen
Einige Momente später standen Bastiaan Ragas und Lee Baxter gemeinsam in der Tür. Andere Gäste, dasselbe Schlafzimmer und zunächst derselbe Plan: Beide setzten sich zu Irene, um interviewt zu werden. Für Carlo musste der Anblick aus Sicht seiner gespielten Figur natürlich noch dramatischer sein. Diesmal erwischte er die Moderatorin nicht mit einem, sondern gleich mit zwei fremden Männern.
Als Carlo erneut aggressiv auftrat, entschieden Bastiaan und Lee, dass Worte offenbar nicht ausreichen würden. Sie griffen zu Kopfkissen und gingen damit auf ihn los. Aus der vorherigen Kuscheltierattacke wurde eine ausgewachsene, wenn auch vollkommen harmlose Kissenschlacht. Das Kinderpublikum war begeistert, Irene versuchte das Missverständnis aufzuklären, und die beiden CITA-Mitglieder bewiesen, dass sie gemeinsam eine durchaus effektive Verteidigungslinie bilden konnten.
Die Szene von CITA bei Telekids 1993 besitzt alles, was frühes Neunziger-Kinderfernsehen charmant machte: eine einfache Idee, sichtbaren Spaß und keinerlei Angst davor, dass ein ordentliches Durcheinander entstehen könnte. Niemand brauchte aufwendige Effekte. Ein Bett, ein paar Kissen und vier Gäste mit Humor genügten.
Auch Bastiaan und Lee folgten Carlo schließlich aus dem Studio, nachdem ihre Identität geklärt worden war. Damit hatte die Sendung alle vier Bandmitglieder einzeln oder paarweise vorgestellt, ohne ein klassisches Interview führen zu müssen. Das Publikum kannte nun ihre Gesichter, hatte über sie gelacht und wartete auf den angekündigten Song.
Für heutige Fans ist besonders schön zu sehen, wie selbstverständlich die vier den Unsinn annehmen. Später mussten CITA in Interviews unzählige ähnliche Fragen beantworten und ein immer kontrollierteres Image vertreten. Bei Telekids durften sie sich mit Plüschtieren bewerfen und einen Moderator mit Kopfkissen verfolgen. Karrierehistorisch war das vielleicht kein glamouröser Höhepunkt, aber nostalgisch ist es kaum zu übertreffen.
Hey You als seltenes Stück CITA-Vorgeschichte
Nach allen Küsschen, Eifersuchtsszenen und Kissenschlachten war es endlich Zeit für die Musik. Caught in the Act trat mit „Hey You“ auf, und sowohl das junge Publikum als auch Irene Moors reagierten begeistert. Der Song hatte zwar nicht den großen kommerziellen Durchbruch gebracht, doch im Telekids-Studio funktionierte er genau so, wie ein früher Boyband-Titel funktionieren sollte: eingängig, freundlich und begleitet von vier Gesichtern, die man sich merken konnte.
CITA bei Telekids 1993 ist deshalb mehr als eine amüsante Fernsehrarität. Die Aufnahme dokumentiert eine Band, die sich noch beweisen musste. Jeder TV-Auftritt konnte neue Türen öffnen, aber keiner garantierte, dass am nächsten Morgen plötzlich der große Erfolg wartete. Bastiaan, Lee, Eloy und Benjamin machten weiter, obwohl mehrere Veröffentlichungen hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren.
Mit unserem Wissen über die spätere Karriere bekommt „Hey You“ einen zusätzlichen Zauber. Der Song steht für die Jahre, in denen CITA noch nicht überall erkannt wurde und trotzdem die Grundlagen für den späteren Erfolg legte. Die vier sammelten Bühnenerfahrung, lernten mit Kameras umzugehen und entwickelten jene gemeinsame Präsenz, die beim GZSZ-Auftritt Ende 1994 schließlich ein viel größeres Publikum erreichte.
Der Telekids-Auftritt erinnert außerdem daran, dass Popgeschichte nicht nur aus Nummer-eins-Hits besteht. Auch erfolglose Singles und kleine Fernsehsendungen gehören dazu. Ohne diese Etappen gäbe es keine Entwicklung, keine frühen Fans und keine seltenen Aufnahmen, über die wir Jahrzehnte später mit einem Lächeln sprechen könnten.
Wer das Video heute ansieht, darf sich daher ruhig von der schlechten Bildqualität, der verspielten Kulisse und den sehr jungen Gesichtern zurücktragen lassen. CITA bei Telekids 1993 zeigt den Anfang einer Geschichte, deren größtes Kapitel noch nicht geschrieben war. Die Band wusste es nicht, Irene und Carlo wussten es nicht, und das Kinderpublikum vermutlich ebenfalls nicht. Wir dagegen kennen das Ende dieser Anlaufphase und können bei jedem Kopfkissen denken: Haltet noch ein wenig durch, der Durchbruch ist näher, als ihr glaubt.
Für alle, die nach dieser Zeitreise auch musikalisch bei Telekids bleiben möchten, gibt es ein Telekids-Medley bei Amazon. Der seltene CITA-Auftritt selbst wartet direkt im anschließenden Video – inklusive Schlafzimmer, Kuscheltieren und einer Performance, die beweist, dass selbst ein Flop später zu einem wertvollen Stück Fan-Erinnerung werden kann.
Caught In The Act bei Telekids 1993 mit „Hey you“:
Eloy de Jong blickt auf ein Leben zurück, das berührt, inspiriert und zeigt, wie viel Stärke in einem Menschen stecken kann. Seine neue Biografie zeichnet seinen Weg vom Kind aus Den Haag, das in der Schule häufig aneckte, bis hin zu einem der erfolgreichsten Schlagerkünstler Deutschlands nach – und erzählt dabei von all den Momenten, die ihn geprägt haben.
Das Buch nimmt dich mit zu seinen ersten Jahren als Tänzer, den Zeiten des Zweifelns und der Ausgrenzung und natürlich zu dem Tag, an dem er beim Casting für Caught in the Act sein Leben für immer veränderte. Aber auch die weniger glamourösen Seiten kommen vor: frühe Misserfolge, der Druck des Ruhms, das Ende der Boyband und die Suche nach einer neuen Richtung.
Besonders bewegend sind die Kapitel über seine bedeutenden Beziehungen – unter anderem zu Stephen Gately und Carlo Boszhard – sowie über seinen größten privaten Wegabschnitt: das Leben als Teil einer Regenbogenfamilie, die Geburt der Zwillinge und der schmerzhafte Abschied von Milon.
Die Biografie beleuchtet ebenso seine Rückkehr ins Rampenlicht, den Solo-Erfolg mit „Kopf aus – Herz an“, seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und seine wachsende Rolle als inspirierende Stimme in der LGBTQ+-Community. Ergänzt wird das alles durch eindrucksvolle Fotos und viele persönliche Einblicke, die Eloys Entwicklung greifbar machen.
Für alle Fans von Caught in the Act, Schlagerliebhaber oder Menschen, die Eloy schon lange begleiten, ist dieses Buch ein emotionales und sehr aufrichtiges Porträt eines außergewöhnlichen Lebenswegs.
Das erwartet dich im Buch:
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Ein ehrlicher Blick auf Eloys Kindheit, erste Träume und Hindernisse
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Der komplette Weg von CITA bis zu seinen heutigen Erfolgen
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Private Geschichten über Liebe, Familie, Mut und Verlust
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