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Love Message 1996 – Als unsere Boybands plötzlich Verantwortung trugen

Es gibt diese Momente aus den 90ern, die sich unauslöschlich ins Teenie-Herz eingebrannt haben. Nicht nur wegen kreischender Fans, Bauchfrei-Tops und Boyband-Poster an jeder Wand – sondern weil wir plötzlich gemerkt haben: Unsere Idole konnten mehr als nur hübsch aussehen und Liebeslieder singen.
Love Message war genau so ein Moment. Und ich weiß noch ganz genau, wie ich damals vor dem Fernseher saß, BRAVO TV lief – und irgendwas war anders als sonst.

Eine Benefiz-Idee, die größer war als jeder Chartplatz

1996 rief die Band Masterboy die Benefiz-Veranstaltung Love Message ins Leben. Statt eines weiteren reinen Promo-Gigs ging es diesmal um etwas Ernstes – um Menschlichkeit, Verantwortung und Hilfe.
Alle Einnahmen der Veranstaltung am 10.02.1996 in Hamburg sowie der Verkauf der gleichnamigen Single wurden komplett an AIDS-kranke Menschen gespendet. Ziel war der Bau eines AIDS-Hospizes in Hamburg. Es fehlten noch rund 500.000 DM – und Masterboy dachte sich: Dann holen wir uns Hilfe. Von allen.

Für uns Teenies war das damals ziemlich neu. Boybands als Aktivisten? Popstars mit Haltung? Das kannte man höchstens aus amerikanischen Charity-Singles – aber plötzlich war das mitten in unserer 90er-Welt angekommen.

BRAVO TV, Heike Makatsch und geteilte Fan-Herzen

Natürlich war BRAVO TV live dabei. Und allein die Eingangsmoderation von Heike Makatsch fühlte sich irgendwie erwachsener an als sonst.
Sie sprach offen aus, was viele Fans dachten:

„Die einen sagen: Hey, klasse – die können auch noch was anderes, außer nur zu singen.
Und die andere Hälfte sagt: Jaja, die wollen doch nur ihr Image aufpolieren.“

Autsch. Selbst mit 16 hat man das gespürt. Diese leise Unsicherheit: Ist das jetzt echt – oder nur PR?
Heute, so viele Jahre später, weiß ich: Es war echt. Und es war wichtig.

Enrico Zabler erklärt, worum es wirklich ging

Masterboy-Mitglied Enrico Zabler erklärte im Interview ganz nüchtern, worum es ging:
Ein AIDS-Hospiz in Hamburg sollte gebaut werden. Das Geld fehlte. Also beschlossen mehrere Bands gemeinsam, eine Single aufzunehmen, aufzutreten – und alles zu spenden.

Kein „Wir machen das, weil es gut aussieht“.
Sondern: Wir haben Reichweite. Also nutzen wir sie.

Und genau das war der Punkt, an dem Love Message größer wurde als jede Chartplatzierung.

7.000 Fans, ausverkauft – und ein Line-up wie ein 90er-Traum

Rund 7.000 Fans kamen zur Love Message nach Hamburg – die Veranstaltung war restlos ausverkauft.
Auf der Bühne standen Acts, bei denen mein Teenie-Herz heute noch kurz stolpert:

  • Worlds Apart

  • DJ Bobo

  • Scooter

  • E-Rotic

  • Fun Factory

  • und natürlich Caught in the Act

Alle traten ohne Gage auf.
Und allein dieser Gedanke war damals schon mindblowing. Keine Autogrammstunde, kein Verkaufsdruck – sondern eine gemeinsame Sache.

Backstage: Worlds Apart, Eloy & das „Viral gehen“ der 90er

Besonders hängen geblieben ist mir ein Backstage-Zitat von Cal Cooper von Worlds Apart. Er sagte sinngemäß, dass Benefiz-Auftritte eine Möglichkeit seien, über Fernsehen viele Menschen zu erreichen und zum Nachdenken zu bringen.

Und ganz ehrlich?
Das war das Viral gehen der 90er.
Kein TikTok. Kein Instagram. Keine Hashtags.
Nur Reichweite – und Verantwortung.

Auch Eloy de Jong fand klare Worte im Interview. Jeder könne sich für ein Thema einsetzen, sagte er. Aber nur gemeinsam könne man wirklich etwas bewegen.
Ich erinnere mich noch, wie ruhig und ernst er dabei wirkte – ganz anders als in den typischen Bravo-Interviews über Lieblingsfarben und Lieblingsessen.

DJ Bobo und der Satz, den man nie vergessen hat

Und dann war da noch DJ Bobo. Er stand fast eine Stunde live auf der Bühne, gab alles – und sagte im Interview einen Satz, den ich bis heute im Kopf habe:

„Damit die Leute nicht zuerst mit dem Körperteil denken, sondern mit dem Kopf.“

Als Teenie hab ich gelacht.
Als Erwachsene denke ich: Wie recht er hatte.

Das große Finale: Eine Bühne, eine Botschaft

Zum Abschluss standen alle Acts gemeinsam auf der Bühne und sangen die Single „Love Message“.
Kein Konkurrenzdenken. Kein „Wir sind die Stars“.
Nur Musik. Und eine gemeinsame Botschaft.

Und ich weiß noch, wie ich damals dachte:
Vielleicht ist die Welt doch nicht ganz so oberflächlich, wie sie manchmal wirkt.

Warum Love Message heute wichtiger wirkt als je zuvor

Heute, mit Abstand, fühlt sich Love Message fast visionär an.
Eine Branche, die ihre Reichweite nutzt. Künstler, die Haltung zeigen. Fans, die nicht nur konsumieren, sondern Teil von etwas Größerem sind.

Und vielleicht war das genau der Moment, in dem viele von uns gemerkt haben:
Unsere Boybands waren nicht nur Schwärmereien – sie waren Wegbegleiter.

Backstage-Video von BRAVO TV

Hier seht ihr den originalen Backstage-Bericht von BRAVO TV zur Love Message 1996 – ein echtes Zeitdokument aus einer Ära, in der Herzklopfen, Musik und Haltung plötzlich zusammenkamen.

Buchtipp: Eloy de Jong – Ganz bei mir

Eloy de Jong blickt auf ein Leben zurück, das berührt, inspiriert und zeigt, wie viel Stärke in einem Menschen stecken kann. Seine neue Biografie zeichnet seinen Weg vom Kind aus Den Haag, das in der Schule häufig aneckte, bis hin zu einem der erfolgreichsten Schlagerkünstler Deutschlands nach – und erzählt dabei von all den Momenten, die ihn geprägt haben.

Das Buch nimmt dich mit zu seinen ersten Jahren als Tänzer, den Zeiten des Zweifelns und der Ausgrenzung und natürlich zu dem Tag, an dem er beim Casting für Caught in the Act sein Leben für immer veränderte. Aber auch die weniger glamourösen Seiten kommen vor: frühe Misserfolge, der Druck des Ruhms, das Ende der Boyband und die Suche nach einer neuen Richtung.

Besonders bewegend sind die Kapitel über seine bedeutenden Beziehungen – unter anderem zu Stephen Gately und Carlo Boszhard – sowie über seinen größten privaten Wegabschnitt: das Leben als Teil einer Regenbogenfamilie, die Geburt der Zwillinge und der schmerzhafte Abschied von Milon.

Die Biografie beleuchtet ebenso seine Rückkehr ins Rampenlicht, den Solo-Erfolg mit „Kopf aus – Herz an“, seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und seine wachsende Rolle als inspirierende Stimme in der LGBTQ+-Community. Ergänzt wird das alles durch eindrucksvolle Fotos und viele persönliche Einblicke, die Eloys Entwicklung greifbar machen.

Für alle Fans von Caught in the Act, Schlagerliebhaber oder Menschen, die Eloy schon lange begleiten, ist dieses Buch ein emotionales und sehr aufrichtiges Porträt eines außergewöhnlichen Lebenswegs.

Das erwartet dich im Buch:

  • Ein ehrlicher Blick auf Eloys Kindheit, erste Träume und Hindernisse

  • Der komplette Weg von CITA bis zu seinen heutigen Erfolgen

  • Private Geschichten über Liebe, Familie, Mut und Verlust

  • Viele großformatige Fotos aus seinem Leben

  • Ein inspirierendes Porträt eines Künstlers, der nie aufgehört hat, an sich zu glauben

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