Der zweite Weihnachtsfeiertag 1997 hätte für Caught-In-The-Act-Fans eigentlich ganz gemütlich verlaufen können: noch ein paar Plätzchen, Familienbesuch und vielleicht ein Musikvideo, bei dem höchstens die Frisuren für Aufregung sorgten. Stattdessen betraten Lee Baxter, Bastiaan Ragas, Benjamin Boyce und Eloy de Jong bei „Stars in der Manege“ den Circus Krone Bau in München und stellten sich einer Nummer mit Krokodilen. Keine harmlose Zirkusverkleidung, kein kleiner Balanceakt und auch kein Zaubertrick, bei dem ein Tuch dramatisch zu Boden fällt. Die vier arbeiteten mit einem erfahrenen Tiertrainer, legten sich schließlich flach in die Manege und ließen die Tiere über sich hinweggehen.
Stars in der Manege verwandelte den gewohnten Boybandauftritt damit in einen kollektiven Nerventest. Im Publikum waren zahlreiche Fans zu erkennen, deren Gesichter zwischen Stolz, Sorge und dem dringenden Wunsch wechselten, die eigenen Lieblingssänger mögen bitte unverzüglich eine weniger zahnreiche Beschäftigung wählen. Moderator Ottfried Fischer begleitete den Abend, doch sobald CITA zwischen den Krokodilen standen, dürfte ein großer Teil des Publikums kaum noch auf Worte geachtet haben. Der Auftritt blieb nicht wegen eines Songs oder einer Choreografie im Gedächtnis, sondern wegen der Frage, wie vier Popstars überhaupt auf die Idee gekommen waren, für eine Weihnachtsshow bewegungslos unter Reptilien zu liegen.
Stars in der Manege gehörte fest zum Weihnachtsfernsehen
Die Sendung war bereits seit 1959 ein fester Bestandteil der deutschen Fernsehunterhaltung. Prominente aus Musik, Film, Sport und Fernsehen studierten gemeinsam mit professionellen Artisten besondere Zirkusnummern ein und präsentierten sie im Circus Krone Bau. Der Bayerische Rundfunk strahlte die Wohltätigkeitsshow traditionell rund um Weihnachten aus. Stars in der Manege verband damit mehrere Dinge, die in den Neunzigern ein großes Fernsehpublikum zuverlässig zusammenbrachten: bekannte Gesichter, Zirkusatmosphäre, Nervenkitzel und das gute Gefühl, dass der Abend einem wohltätigen Zweck diente.
Für die Prominenten bedeutete die Teilnahme, ihre gewohnte Rolle zu verlassen. Ein Sänger konnte nicht einfach seinen aktuellen Hit vortragen, ein Schauspieler nicht auf einen geschriebenen Dialog vertrauen. Stattdessen mussten sie trainieren, Anweisungen befolgen und sich auf eine Kunst einlassen, die normalerweise von Menschen mit jahrelanger Erfahrung ausgeübt wurde. Die Sendung lebte genau von diesem Risiko. Das Publikum kannte die Gäste, wusste aber nicht, wie sicher sie sich außerhalb ihrer vertrauten Umgebung bewegen würden.
Am 26. Dezember 1997 traf dieses Konzept auf Caught In The Act. Lee, Bastiaan, Benjamin und Eloy waren perfekt eingespielte Bühnenprofis, doch ihr Alltag bestand aus Gesang, Tanz und Interviews – nicht aus der Arbeit mit großen Reptilien. Stars in der Manege nutzte diesen Gegensatz wirkungsvoll. Vier Männer, die sonst mit Mikrofonen und abgestimmten Bewegungen Begeisterung auslösten, mussten plötzlich lernen, ruhig zu bleiben und einem Tiertrainer vollkommen zu vertrauen.
Für die Fangemeinschaft wurde die Weihnachtssendung dadurch zum Pflichttermin. Ein normaler CITA-Auftritt erzeugte bereits genug Herzklopfen, doch diesmal kam echte Sorge hinzu. Man konnte sich nicht darauf verlassen, dass nach dem letzten Refrain einfach applaudiert wurde und alle sicher die Bühne verließen. Stars in der Manege bot eine Herausforderung, deren Ausgang zwar sorgfältig vorbereitet war, aber im Fernsehen deutlich gefährlicher wirkte als alles, was die vier zuvor gemeinsam präsentiert hatten.
Die gemütliche Weihnachtsatmosphäre vor den heimischen Röhrenfernsehern stand dazu in einem bemerkenswerten Kontrast. Während auf dem Tisch Gebäck lag und die Familie vielleicht noch über das Festessen diskutierte, gingen CITA in eine Manege mit Krokodilen. Stars in der Manege schaffte es damit, den zweiten Feiertag für eine ganze Fangeneration erheblich spannender zu gestalten, als es Eltern bei der Programmplanung vermutlich vorgesehen hatten.
CITA mit Krokodilen verlangte sehr viel Vertrauen
Die Nummer wurde gemeinsam mit einem erfahrenen Tiertrainer einstudiert. In der Darstellung spielten klare Handzeichen, festgelegte Abläufe und eine als Hypnose bezeichnete Beruhigung der Tiere eine zentrale Rolle. Für Lee, Bastiaan, Benjamin und Eloy bedeutete das vor allem, den Anweisungen genau zu folgen. Bei Stars in der Manege konnte niemand spontan eine zusätzliche Tanzbewegung einbauen oder einen Einsatz mit einem Lächeln überspielen. Ruhe und Disziplin waren entscheidend.
Schon die Nähe zu den Krokodilen reichte aus, um das Publikum sichtbar anzuspannen. Diese Tiere besitzen eine Kraft und Präsenz, die sich nicht mit einer freundlichen Zirkusdekoration verwechseln lässt. CITA mit Krokodilen war deshalb keine Nummer, bei der allein die Kostüme spektakulär wirkten. Die Gefahr schien für die Zuschauer unmittelbar, auch wenn Trainer und Produktion jeden Ablauf zuvor vorbereitet hatten.
Der entscheidende Moment kam, als sich alle vier flach in die Mitte der Manege legten. Bewegungslos zu bleiben ist schon schwierig, wenn tausende Menschen zusehen und Kameras jede Reaktion einfangen. Wenn gleichzeitig Krokodile in unmittelbarer Nähe geführt werden, bekommt Selbstbeherrschung eine vollkommen neue Bedeutung. Stars in der Manege verlangte von den vier nicht die Energie einer Boybandshow, sondern das Gegenteil: still liegen, nicht reagieren und darauf vertrauen, dass Tier und Trainer den vorgesehenen Weg einhalten.
Dann bewegten sich die Krokodile über die vier hinweg. Für die Fans im Saal und vor den Fernsehgeräten dürfte dieser Augenblick deutlich länger gewirkt haben, als er tatsächlich dauerte. Gefaltete Hände, angespannte Gesichter und erschrockene Blicke erzählten im Publikum ihre eigene Geschichte. Stars in der Manege wurde für wenige Sekunden zum gemeinsamen Luftanhalten. Niemand dachte mehr an Chartpositionen oder das nächste Poster; alle wollten nur, dass Lee, Bastiaan, Benjamin und Eloy sicher wieder aufstanden.
Genau darin lag die enorme Wirkung der Nummer. CITA waren als Gruppe für ihre Harmonie und ihr Zusammenspiel bekannt, doch hier mussten sie auf eine völlig andere Weise gemeinsam funktionieren. Jeder Einzelne durfte keine unkontrollierte Bewegung machen, und zugleich musste sich jeder darauf verlassen, dass auch die anderen ruhig blieben. CITA mit Krokodilen zeigte Teamarbeit ohne Musik, Choreografie oder vertraute Bühnensicherheit.
Als die Nummer gelang und die vier den gefährlich wirkenden Teil überstanden hatten, löste sich die Anspannung in Erleichterung und Applaus. Stars in der Manege hatte geliefert, was die Sendung versprach: bekannte Menschen in einer Situation, die weit außerhalb ihres normalen Berufs lag. Für Fans blieb vor allem der Eindruck zurück, dass ihre Lieblingsband gerade etwas ausgesprochen Mutiges getan hatte – und dass zukünftig bitte wieder ein Mikrofon als größtes Bühnenrisiko genügen durfte.
Zwischen Wohltätigkeit, Mut und perfektem Fernsehbild
Aus heutiger Sicht lässt sich der Auftritt auf mehreren Ebenen betrachten. Für die Sendung war eine Nummer mit Caught In The Act natürlich ein starkes Bild. Die Band zog ein junges Publikum an, und die ungewöhnliche Herausforderung sorgte für Aufmerksamkeit. Stars in der Manege verband wohltätiges Engagement mit Unterhaltung und nutzte dabei bewusst den Reiz, bekannte Menschen in spektakulären Situationen zu erleben.
Für Lee, Bastiaan, Benjamin und Eloy bot die Teilnahme eine Möglichkeit, Mut und Teamgeist zu zeigen. Gleichzeitig entstand eine Fernsehszene, die deutlich länger im Gedächtnis blieb als ein gewöhnliches Interview. CITA mit Krokodilen war überraschend, visuell stark und leicht in einem einzigen Satz zu erzählen. Aus Sicht einer Fernsehproduktion konnte man sich kaum ein wirksameres Motiv wünschen.
Als Fans dachten wir damals wahrscheinlich weniger über Inszenierung oder Öffentlichkeitswirkung nach. Wir sahen vier vertraute Männer in einer beunruhigenden Situation und reagierten emotional. Stars in der Manege funktionierte nicht, weil das Publikum die einzelnen Produktionsentscheidungen analysierte, sondern weil sich die Sorge echt anfühlte. Dass hinter der Nummer Training, Sicherheitsmaßnahmen und erfahrene Betreuung standen, beruhigte das Teenagerherz nur begrenzt, sobald die Tiere tatsächlich zu sehen waren.
Im Saal saßen viele erkennbare CITA-Fans. Ihre Reaktionen machten den Auftritt zu einem Gemeinschaftserlebnis. Wenn eine Person erschrocken die Hände faltete oder mit Tränen in den Augen zusah, fühlten sich unzählige Menschen vor dem Fernseher verstanden. Stars in der Manege schuf einen seltenen Moment, in dem die Fanliebe nicht durch Kreischen und Mitsingen sichtbar wurde, sondern durch konzentrierte Sorge.
Nach erfolgreichem Ende verwandelte sich diese Sorge in Stolz. Lee, Bastiaan, Benjamin und Eloy hatten sich auf etwas eingelassen, das Mut verlangte, und waren als Team durch die Nummer gegangen. CITA mit Krokodilen wurde dadurch zu mehr als einem Werbeauftritt. Die vier zeigten eine Form von Vertrauen und Selbstbeherrschung, die man ihnen in einer Musiksendung kaum hätte abverlangen können.
Natürlich gehörte auch professionelles Kalkül dazu. Eine prominente Band brachte Aufmerksamkeit, die Show bot ein spektakuläres Bild, und beide Seiten profitierten voneinander. Das macht die Gefühle des damaligen Publikums jedoch nicht unecht. Der Auftritt konnte zugleich geplant und emotional sein. Fernsehunterhaltung arbeitet schließlich häufig genau dort am besten, wo sorgfältige Vorbereitung für die Zuschauer wie ein einmaliges, unkontrollierbares Ereignis wirkt.
Heute sehen wir die Tiernummer deutlich kritischer
Mehr als zwei Jahrzehnte später hat sich der Blick auf Wildtiere in Zirkus- und Unterhaltungsshows verändert. Viele Menschen lehnen Nummern mit exotischen Tieren heute grundsätzlich ab oder fragen genauer nach Haltung, Transport und Trainingsmethoden. Diese Entwicklung gehört zu einem gewachsenen Bewusstsein für Tierwohl. Stars in der Manege 1997 entstand in einer Zeit, in der solche Darbietungen im großen Familienprogramm deutlich selbstverständlicher akzeptiert wurden.
Den Auftritt historisch einzuordnen bedeutet deshalb nicht, die Tiernummer aus heutiger Sicht zu feiern. Krokodile sind Wildtiere, keine Kulissen für den Mut prominenter Menschen. Auch wenn ein erfahrener Trainer beteiligt war und die Darbietung erfolgreich verlief, bleiben Fragen nach Stress und artgerechtem Umgang berechtigt. CITA mit Krokodilen ist ein Zeitdokument, an dem sich erkennen lässt, wie stark sich gesellschaftliche Erwartungen an Unterhaltung verändert haben.
Diese kritische Perspektive nimmt der persönlichen Erinnerung nicht automatisch ihren Wert. Man kann sich daran erinnern, wie aufregend Stars in der Manege damals war, und zugleich anerkennen, dass man dieselbe Nummer heute nicht mehr unbeschwert sehen würde. Nostalgie muss nicht bedeuten, jede frühere Entscheidung zu verteidigen. Sie darf warm sein und trotzdem dazulernen.
Auch die vier Mitglieder von Caught In The Act sollten in diesem Rückblick nicht als Fachleute für Tierhaltung betrachtet werden. Sie nahmen an einer etablierten Fernsehsendung teil, vertrauten auf professionelle Anleitung und erfüllten die ihnen gestellte Aufgabe. Die Verantwortung für Konzeption und Rahmen lag nicht allein bei den auftretenden Prominenten. Stars in der Manege war ein großes Format mit langer Tradition, in dem Tiernummern damals zum erwarteten Bild eines Zirkusabends gehörten.
Was bis heute bleibt, ist die Erinnerung an die sichtbare Anspannung, die Erleichterung danach und die enorme Wirkung auf die Fans. CITA mit Krokodilen war kein musikalischer Höhepunkt, aber ein Moment, der die Bindung zwischen Band und Publikum deutlich machte. Die Sorge im Saal zeigte, wie nah sich viele Fans den vier fühlten. Sie sahen keine austauschbaren Fernsehgäste, sondern „ihre Jungs“, deren Sicherheit ihnen wirklich wichtig war.
Der Auftritt erzählt außerdem viel über das gemeinsame Fernsehen der Neunziger. Am zweiten Weihnachtsfeiertag schalteten Familien dieselbe Sendung ein, und am nächsten Tag sprachen viele Menschen über dieselben Bilder. Stars in der Manege war ein Lagerfeuerformat, lange bevor Ausschnitte in sozialen Netzwerken einzeln verbreitet wurden. Wer die Krokodilnummer sah, erlebte sie zur gleichen Zeit wie eine große Fangemeinschaft – und musste mit dem eigenen Herzklopfen nicht allein bleiben.
Beim Wiedersehen achten wir heute vielleicht auf andere Details als 1997. Damals stand der Mut der Band im Vordergrund; heute sehen wir zusätzlich die Tiere, den historischen Umgang mit ihnen und die Mechanismen einer spektakulären Fernsehshow. Beide Perspektiven dürfen nebeneinanderstehen. Die Aufnahme wird dadurch nicht weniger interessant, sondern zu einem aufschlussreichen Bild ihrer Zeit.
Am Ende bleibt ein Weihnachtsabend, an dem Caught In The Act weit außerhalb ihrer gewohnten Bühne standen. Lee, Bastiaan, Benjamin und Eloy vertrauten einem Tiertrainer, legten sich gemeinsam in die Manege und ließen Krokodile über sich hinweggehen. Die Nummer gelang, das Publikum atmete auf und eine ganze Fangeneration erhielt einen Fernsehblick, den sie nie ganz vergessen sollte. Stars in der Manege 1997 war mutig, verstörend und aus heutiger Sicht diskussionswürdig – gerade deshalb lohnt sich der Rückblick.
Stars in der Manege – Auftritt von Caught In The Act
Eloy de Jong blickt auf ein Leben zurück, das berührt, inspiriert und zeigt, wie viel Stärke in einem Menschen stecken kann. Seine neue Biografie zeichnet seinen Weg vom Kind aus Den Haag, das in der Schule häufig aneckte, bis hin zu einem der erfolgreichsten Schlagerkünstler Deutschlands nach – und erzählt dabei von all den Momenten, die ihn geprägt haben.
Das Buch nimmt dich mit zu seinen ersten Jahren als Tänzer, den Zeiten des Zweifelns und der Ausgrenzung und natürlich zu dem Tag, an dem er beim Casting für Caught in the Act sein Leben für immer veränderte. Aber auch die weniger glamourösen Seiten kommen vor: frühe Misserfolge, der Druck des Ruhms, das Ende der Boyband und die Suche nach einer neuen Richtung.
Besonders bewegend sind die Kapitel über seine bedeutenden Beziehungen – unter anderem zu Stephen Gately und Carlo Boszhard – sowie über seinen größten privaten Wegabschnitt: das Leben als Teil einer Regenbogenfamilie, die Geburt der Zwillinge und der schmerzhafte Abschied von Milon.
Die Biografie beleuchtet ebenso seine Rückkehr ins Rampenlicht, den Solo-Erfolg mit „Kopf aus – Herz an“, seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und seine wachsende Rolle als inspirierende Stimme in der LGBTQ+-Community. Ergänzt wird das alles durch eindrucksvolle Fotos und viele persönliche Einblicke, die Eloys Entwicklung greifbar machen.
Für alle Fans von Caught in the Act, Schlagerliebhaber oder Menschen, die Eloy schon lange begleiten, ist dieses Buch ein emotionales und sehr aufrichtiges Porträt eines außergewöhnlichen Lebenswegs.
Das erwartet dich im Buch:
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Ein ehrlicher Blick auf Eloys Kindheit, erste Träume und Hindernisse
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Der komplette Weg von CITA bis zu seinen heutigen Erfolgen
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